Hans-Jürgen Kreische (l) kommt im Länderspiel gegen Polen zum Torschuss. Hans-Jürgen Kreische (l) kommt im Länderspiel gegen Polen zum Torschuss. © dpa
Hans-Jürgen Kreische (l) kommt im Länderspiel gegen Polen zum Torschuss.

Pensionär mit Passion: DDR-Fußball-Ikone Kreische wird 70 

Er hörte mit 30 Jahren auf. Hans-Jürgen Kreische beendete seine Karriere am Spielfeldrand. Er war einer der erfolgreichsten und besten DDR-Fußballer seiner Zeit und als Scout auch für RB Leipzig tätig. Seine Leidenschaft hat er mit 70 Jahren nicht verloren.

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Dresden. Er ist eine der Ikonen des DDR-Fußballs. BRD-Mitbesieger bei der WM 1974, Olympia-Dritter 1972, 50-maliger Auswahlspieler, viermaliger Torschützenkönig der DDR-Oberliga. Und das alles, obwohl Hans-Jürgen Kreische seine Karriere als Fußballer mit 30 Jahren beendete. Er lief sich beim Spitzenspiel seines Vereins Dynamo Dresden gegen den 1. FC Magdeburg warm, das Publikum forderte Kreische, der Trainer entschied anders. Kreische warf Coach Walter Fritzsch die Schuhe vor die Füße - das war's. «Zu der Zeit war es sicher die richtige Entscheidung», sagt Kreische vierzig Jahre später. An diesem Mittwoch feiert er seinen 70. Geburtstag.

Kreische war so. Kreische ist so geblieben. Geradlinig, meinungsfreudig, ein impulsiver Charakter, der noch immer vom Fußball angetrieben wird. Längst im Rentenalter, späht er für seinen Herzensverein Dynamo Dresden weiter nach Talenten. «Ich mache es aber nicht hauptberuflich, sondern als sogenannter Mini-Jobber», sagt Kreische in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Am Wochenende, aber auch mal unter der Woche ist er unterwegs, vornehmlich im Nordosten der Republik in der dritten und vierten Liga. Er hält Ausschau nach Spielern, die dem Zweitligisten weiterhelfen könnten. Hinzu kommt das Nachwuchs-Scouting, Kreisches eigentliche Herzensangelegenheit. «Ich hatte das Ziel, mit meinem Studium als Diplom-Sportlehrer Richtung Fußball zu gehen und im Nachwuchs zu arbeiten», erzählt Kreische: «Das habe ich umgesetzt und ich bereue es nicht. Das war, ist und bleibt meine Passion.»

Er will Spieler entdecken, fördern, weiterbringen. Kreische betrieb auch schon eine eigene Fußballschule in seinem Heimatort Weißig bei Dresden. Er arbeitete als Scout beim Hamburger SV und für RB Leipzig. Dort half er ab 2010 beim Aufbau der Abteilung, bis 2014 arbeitete er für den Club, der für viele Dresdner eher ein Hassobjekt ist.

Kreische hat auch da seine eigene Meinung. «Wenn man sieht, was bei RB auch für den Nachwuchs auf die Beine gestellt wurde, ist das beispielgebend in Deutschland. Da etwas gegen zu haben, ist Blödsinn», sagt er. Und Kreische, Ehrenspielführer von Dynamo, geht noch weiter: «Ich bin der Meinung, dass man mit diesem Verein an einen Tisch kommen sollte und auf diese Weise vielleicht Spieler für Dynamo Dresden gewinnen kann, die es bei RB Leipzig nicht schaffen.»

Denn Dynamo hat nicht die finanziellen Mittel der Leipziger, hinter denen Red Bull als Großinvestor und Besitzer steht. Ein Unternehmen des österreichischen Milliardärs Dietrich Mateschitz, der sich mit den Leipzigern in der vergangenen Saison über den zweiten Platz im Bundesliga-Premierenjahr freuen durfte und damit auch über die Teilnahme an der Champions League.

Die besten Vereine Europas gegeneinander - Kreische kennt das. «Mit dem damaligen 'Fußballer des Jahres' Kreische brachte Dynamo Dresden im ersten innerdeutschen Duell der Fußball-Meister im Herbst 1973 den FC Bayern München an den Rand des Ausscheidens», heißt es auf der Homepage des Deutschen Fußball-Bundes. Es war das Achtelfinale im Europapokal der Landesmeister. Das Hinspiel in München verlor Dynamo mit 3:4, das Rückspiel endete 3:3. Bayern war weiter und gewann den Cup, Dresden war raus. Allerdings stand Kreische nicht auf dem Platz, er hatte sich zuvor in einem WM-Qualifikationsspiel verletzt. In der Landesmeister-Runde zuvor war er dabei und gegen keinen Geringeren als Juventus Turin erzielte er beim 2:0-Sieg das erste Tor. In Turin reichte Dresden eine 2:3-Niederlage zum Weiterkommen.

Diese Zeiten sind längst vorbei. Dynamo stieg erst vor einem Jahr wieder in die 2. Bundesliga auf, ließ seine Fans kurzzeitig auch noch von Höherem träumen, wurde am Ende Fünfter. «Dynamo Dresden wird aber auch in der nächsten Zeit weiter kleinere Brötchen backen müssen und sehen, dass man stabil die zweite Liga hält», sagt Kreische. «Wenn es dann mal vielleicht finanziell noch ein bisschen besser aussieht als jetzt, kann man mal an die erste Liga denken.»

Ein Modell wie in Leipzig ist bei Dynamo mit seiner Fanstruktur undenkbar. Kreische sieht den SC Freiburg als Vorbild. Das heißt auch und vor allem: Gute Nachwuchsarbeit. Und so will Kreische immer weitermachen, selbst wenn er manchmal den Biss vergangener Dynamo-Stars wie Matthias Sammer, Jens Jeremies oder Ulf Kirsten bei den heutigen Nachwuchsspielern vermisst.

Die «ominöse Zahl», die ab Mittwoch für sein Alter steht, spielt da keine Rolle. Zunächst am Ehrentag nur mit seiner Frau, am Donnerstag bei einer Herrenrunde und am Wochenende mit einer kleinen Feier mit der Familie will er einfach versuchen, sie «runterzuspielen».

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