Pernille Harder vom VfL Wolfsburg im Interview Pernille Harder vom VfL Wolfsburg im Interview ©
Pernille Harder vom VfL Wolfsburg im Interview

Pernille Harder: "Natürlich möchte ich die beste Fußballerin der Welt sein"

Als sie Dänemark im Sommer zur Vize-Europameisterschaft führte, wurde klar: Pernille Harder ist eine der besten Fußballerinnen der Welt. Seit Januar ist sie für den VfL Wolfsburg aktiv, vor dem Champions-League-Start am Mittwoch bei Atletico Mardrid sprach die 25-Jährige mit AZ/WAZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann über den Wettbewerb, ihre Karriere – und darüber, dass man dieses Spiel nicht im Fernsehen sehen kann.

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Wenn man mit Fußballern über die Champions League redet, bekommt man immer wieder zu hören, dass das der größte Wettbewerb sei und dass man davon träumt, da mitspielen zu dürfen. Ist das bei Fußballerinnen auch so?
Auch für uns ist die Champions League das Größte, was man mit dem Verein gewinnen kann, von daher ist das schon ähnlich.

Aber gemessen an Welt- oder Europameisterschaften im Frauenfußball bekommt die Champions League der Frauen medial eher wenig Aufmerksamkeit – das VfL-Spiel in Madrid etwa gibt es nicht im deutschen Fernsehen.
Ja, aber das ist auch schwer zu vergleichen. Bei einer WM oder EM konzentriert sich alles auf einen begrenzten Zeitraum, vielleicht ist es da auch leichter, das zu zeigen. Die Champions League streckt sich über eine ganze Saison. Aber natürlich entspricht die Aufmerksamkeit, die unser Wettbewerb da bekommt, nicht seiner Bedeutung. Ich finde zum Beispiel, dass jedes Spiel im Fernsehen zu sehen sein sollte – auf einem Sender, den man auch überall empfangen kann. Viele Klubs und Verbände bieten ja zum Teil die Spiele wenigstens als Livestream im Internet an. Das ist zwar besser als nichts, aber wenn das ein Sender wie Eurosport macht, hat man natürlich mehr Kameras und eine bessere Qualität der Übertragung.

"Mit Atletico Madrid haben wir jetzt schon einen dieser schweren Gegner erwischt"

In den vergangenen Jahren litt die Champions League der Frauen auch darunter, dass es in den ersten Runden zu oft sehr deutliche Ergebnisse und entsprechende Langeweile gab. Wird das besser?
Es wäre zumindest gut, ja. Und es wird ja auch jedes Jahr besser, weil es immer mehr Länder mit guten Klubs und guten Teams gibt – in England und Spanien etwa ist viel passiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir als VfL auch schon mal früh auf schwierige Gegner treffen, ist höher geworden. Und mit Atletico Madrid haben wir ja jetzt auch schon einen dieser Gegner erwischt. Das wird nicht leicht.

Dafür entwickelt sich das Problem gerade in eine andere Richtung, Klubs in Frankreich oder England arbeiten mit so viel Geld, dass sie womöglich nicht besiegbar sind – weil Geld eben doch Tore schießt.
Am besten wäre natürlich für uns, wenn alle Frauenfußball-Klubs so viel Geld zur Verfügung hätten (lacht). Aber ein erster Schritt wäre es ja schon, wenn in allen Ländern professioneller Frauenfußball möglich wäre – also dass die Top-Spielerinnen wirklich davon leben können. Das ist ja noch viel zu selten der Fall und ich weiß auch nicht, ob das möglich ist.

Die deutschen Klubs waren für ausländische Top-Spielerinnen attraktiv, weil sie extrem gute Strukturen haben. Ein Vorteil, der verschwindet, wenn anderswo einfach deutlich mehr gezahlt wird...
Das mag sein, aber im Moment ist es erst einmal gut für den Frauenfußball, dass mehr Geld im Umlauf ist. Und wenn der Konkurrenzkampf dafür sorgt, dass sich überall die Bedingungen verbessern, dann ist das okay.

Pernille Harder: Ihre Karriere in Bildern

Sie haben mit der dänischen Nationalmannschaft einen Streit mit dem Verband, es gab sogar einen Spielerinnenstreik. Vordergründig ging es dabei um Prämien...
...aber eigentlich geht es darum, dass wir unseren Job als Fußballerin professionell ausüben können.

Ist der Streit beigelegt?
Nein.

Was wollen die Spielerinnen erreichen?​​
Wir möchten eine Vereinbarung, nach der alle Spielerinnen bessere Bedingungen haben – um sich auf Fußball konzentrieren zu können. Im Moment ist das sehr schlecht, viele Spielerinnen können nicht davon leben oder bekommen gar nichts fürs Fußballspielen. Die Vereine tun sich schwer, Sponsoren zu finden – deswegen stehen wir auf dem Standpunkt, dass der Verband da etwas tun muss. Denn er hat die finanziellen Möglichkeiten dazu.

"In Schweden kann man jedes Spiel der 1. Liga zumindest im Internet live sehen; in der Beziehung könnte man in Deutschland schon noch einiges lernen"

Sie haben vier Jahre in Schweden für Linköpings FC gespielt. Sind die Strukturen dort professioneller?
Professionell auf niedrigem Level.

Das heißt?​
Viel Geld haben wir Spielerinnen dort auch nicht verdient. Aber das Drumherum, die Trainingsmöglichkeiten, das Stadion – das war alles schon sehr gut. Allerdings natürlich noch kein Vergleich mit Wolfsburg. Wobei: In Schweden kann man jedes Spiel der 1. Liga zumindest im Internet live sehen; in der Beziehung könnte man in Deutschland schon noch einiges lernen, gerade weil die Liga hier so gut ist.

Was war für Sie persönlich der größere Schritt? Von Dänemark nach Schweden oder von Schweden nach Deutschland?
Der Wechsel nach Schweden. Ich war 19, zum ersten Mal so richtig weg von daheim, die erste eigene Wohnung, ohne Familie. Ich wollte ja nicht nur in einer besseren Liga spielen, sondern auch nur Fußballerin sein, ohne nebenbei einen anderen Job machen zu müssen. Das ging in Schweden, und in der Zeit habe ich mich auch entwickelt, nicht nur als Fußballerin, sondern auch als Persönlichkeit. Ich hätte auch damals schon nach Deutschland wechseln können, aber ich wollte erst den etwas kleineren Schritt gehen. Im vergangenen Jahr war ich dann bereit für den Schritt nach Wolfsburg, und hier war es dann auch leichter, ins Team zu kommen – weil es eben eine sehr gute Mannschaft ist und weil ich vielleicht auch mehr in mir ruhe als mit 19.

Hat Ihnen der Vize-EM-Titel noch mal einen Schub in Sachen Anerkennung gebracht?
Vor allem dem dänischen Team insgesamt, ja.

Sie sind bei der Wahl zu Europas Fußballerin des Jahres Zweite geworden – sind Sie enttäuscht, dass die FIFA Sie nicht für die Top-3 bei der Weltfußballerinnen-Wahl nominiert hat?
Es wäre schön gewesen, ja – aber so wichtig ist das nicht. Titel mit dem Team zu gewinnen, darauf kommt es an. Man freut sich immer über eine persönliche Auszeichnung, und natürlich möchte ich die beste Fußballerin der Welt sein. Aber ich habe ja noch viel Zeit dafür (lacht).

Wer ist die weltbeste Fußballerin im Moment?
Das weiß ich nicht. Aber ich denke, dass Like Martens die Wahl gewinnen wird.

Woher kommt bei Ihnen das Talent?
Aus der Familie. Meine Mutter, mein Vater und meine große Schwester haben Fußball gespielt, ich bin dann mit fünf Jahren zu meinem ersten Verein gekommen. Es war alles Spaß, etwas ernster wurde es dann, als ich zum Team Viborg kam. IK Skovbakken war dann mein erster Verein bei den Erwachsenen.

Wann haben Sie gemerkt, dass Fußball bei Ihnen mehr als nur ein Hobby sein könnte?
Spät, eigentlich erst mit 16 – als ich zum ersten Mal für die A-Nationalmannschaft nominiert wurde. Da habe ich gemerkt: Du und der Fußball, das ist etwas Besonderes. Und seitdem glaube ich daran.

Was wäre jetzt Ihr Job, wären Sie nicht Fußballspielerin?
Irgendwas anderes mit Fußball. Trainerin vielleicht, oder Scout. So etwas stelle ich mir auch nach der Karriere vor.

War Deutschland immer Ihr Ziel – auch wenn man vielleicht in England oder Frankreich mittlerweile mehr verdient?
Ich hätte auch in diese Länder gehen können, aber man darf sich das nicht wie bei den Männern vorstellen: Auch in England und Frankreich verdient man als Fußballspielerin nicht so viel, dass man nach der Karriere ausgesorgt hätte. Das Geld als Argument reicht also nicht. Und wenn man es sportlich sieht, dann ist einfach klar: Die Liga in Deutschland ist immer noch die beste. Hier musst du in jedem Spiel voll da sein, das hat mich gereizt.

Ihre Freundin Magdalena Eriksson spielt jetzt für Chelsea – sprechen Sie manchmal über Unterschiede in den Ligen? Wer hat’s schwerer?
Naja, ich höre von ihr nur, wie es ist – ich spiele ja nicht in England (lacht). Und sie hatte erst zwei Liga-Spiele, von daher ist es für einen Vergleich noch ein bisschen früh. Aber ich bin mir schon sicher, dass vor allem das körperliche Level in Deutschland noch höher ist als in England. Selbst die unteren Mannschaften in der Bundesliga sind physisch richtig gut; und das Tempo ist sowieso höher.

Macht es die Spielerinnen besser, wenn sie Woche für Woche gleich gefordert sind?
Ja. Darum spiele ich hier.

Der VfL ist die erfolgreichste deutsche Mannschaft der letzten Jahre. Spüren Sie den Druck, hier Titel gewinnen zu müssen?
Wieso Druck? Ich bin doch zum VfL gekommen, weil ich genau das wollte. Für mich ist das kein Druck.

Die beiden deutschen Teams und Titelverteidiger Lyon gehen wieder als Favoriten in die neue Champions-League-Saison. Welche Mannschaft könnte überraschen?
Barcelona, aber die waren ja schon im Halbfinale, von daher wäre das vielleicht gar keine so große Überraschung.Und sie haben sich noch einmal gut verstärkt.

Wie muss diese Saison enden, damit Sie für sich sagen: „Es war eine gute Saison“?
Mit einem Titel für uns. Mindestens einer, am besten die Meisterschaft.

Region/Wolfsburg-Gifhorn Frauen Bundesliga Deutschland Allianz Frauen-Bundesliga VfL Wolfsburg (Frauen) Pernille Harder (VfL Wolfsburg)

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