22. August 2018 / 08:37 Uhr

Der Platzwart: Perlenstöbern in Groß Munzel - wie die Top-Klubs den Henne übersahen

Der Platzwart: Perlenstöbern in Groß Munzel - wie die Top-Klubs den Henne übersahen

Der Platzwart
Der Platzwart ist sich sicher: Wären die großen Scouts einst auf den Sportplatz des TSV Groß Munzel (im Hintergrund) eingekehrt, hätten sie jetzt einen Henne verpflichtet. 
Der Platzwart ist sich sicher: Wären die großen Scouts einst auf den Sportplatz des TSV Groß Munzel (im Hintergrund) eingekehrt, hätten sie jetzt einen Henne verpflichtet.  © TSV Groß Munzel/Petrow
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Setzt der künftige Neu-Profi Hendrik Weydandt seine Torquote aus dem DFB-Pokal fort, wird es angsteinflößend. Zumindest für die Gegner. Der Platzwart hat Fragen. Wer war zuerst da, der Henne oder das Ei? Und was machen Talentscouts auf den VIP-Tribünen deutscher Stadien, wenn sie doch einfach nur nach Groß Munzel hätten reisen müssen?

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Vor dem Pokalspiel gegen Karlsruhe hat Manager Horst Heldt richtig einen rausgehauen. Heldt sagte: „Ich glaube, dass wir konkurrenzfähig sind. Wie konkurrenzfähig, werden wir sehen.“ 96 Prozent? Würde man unterschreiben. Aber was passiert, wenn sich herausstellt, dass Hannover nur zu 50 Prozent konkurrenzfähig ist? Oder zu 5? Das wäre eine Konkurrenzrestfähigkeit, Horst Heldt hätte also immer noch recht. Aber da brauchst du nicht nach Bremen fahren.

Geht's nach Pokal, ist Werder Underdog

Der Bus ist aber bestellt, 96 plant bei Werder anzutreten – und ist seit dem Wochenende klarer Favorit. Denn Werder kassierte in Worms einen Gegentreffer, und sechs Tore schießen, das ist ja keine Kunst.

96 ist in geradezu beängstigender Frühform. Ein Boulevardblatt hat ausgerechnet, dass die Roten „Testspielmeister“ sind. Und dann Pokal, für Hannover normalerweise nur ein Wort aus den Buchstaben „Alp“ und „k.o“. Der Gegner, kein unbeschriebenes Blatt: Karlsruher SC, das ist Hexenkessel Wildpark, Winnie Schäfer, Oliver Kahn, Sean Dundee, Mirko Slomka. Vor nicht allzulanger Zeit hat der Club den FC Valencia mit 7:0 vom Rasen gefegt. Euro-Eddy, Uefa-Cup und so.

Tatsächlich gab es noch 15 000 Restkarten, und am Ende stand es 6:0 für Hannover. So einen souveränen Auswärtssieg im Pokal hat 96 letztmals 1975 beim 7:1 gegen die dicken Kicker von Gummi-Mayer Landau hingelegt. Zwischenfazit in Sachen Konkurrenzfähigkeit: Für die 3. Liga reicht‘s.

Mehr zu dem Henne

Der Henne oder das Ei?

Men ot the Match: Pirmin Schwegler und ein gewisser Hendrik Weydandt. Weydandt, Rufname Henne, schießt in Karlsruhe zwei Tore in sechs Minuten und beantwortet nebenbei die ewige Frage, was zuerst da war: Der Henne oder das Ei. Der Henne natürlich! Zweimal steht der Henne im Karlsruher Strafraum goldrichtig, zwei Mal liefern erst Wood und dann Ostrzolek das Ei passgenau auf dessen Fuß. Hält Weydandt diese Quote, käme er in der kommenden Bundesligasaison bei 34 Einwechslungen in der 82. Minute auf 68 Tore. Davon träumt sogar Mevlut Erdinc.

VIP-Tribünen? In Groß Munzeln scouten Profis

Der Doppelpack ist nicht unbemerkt geblieben. Große Aufregung in England, Spanien, Italien und China: Hendrik Weydandt? Haben die Scouts einfach nicht auf dem Zettel. Haben sie aufs Mannschaftsfoto geschaut, kein Weydandt weit und breit. Groß Munzel? Nie gehört in Klein Mailand. Das kommt davon, wenn die Beobachter mit teuren Sonnenbrillen in Gelsenkirchen und Leverkusen auf den VIP-Tribünen rumlümmeln, anstatt in Groß Munzel die wahren Perlen aufzustöbern. Hier, wo die Möseke in die Südaue mündet, dem Nildelta Niedersachsens, hat Hendrik Weydandt in der Kreisliga das Fundament für seine Karriere gelegt.

Hendrik Weydandts Fußballkarriere in Bildern:

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Weiter ging es bei Egestorf/Langreder, wo man immer schon Erfolg mit Fußball verband. Scouts aus Chelsea oder Madrid? Auch hier Fehlanzeige. Selbst als Weydandt zu Hannover 96 II wechselt, scheinen den Champions-League-Teams die Visionen zu fehlen. Nun ist es zu spät. In England ist das Transferfenster zu, in Spanien und Italien haben sie mitbekommen, dass Weydandt sich vorstellen könnte, statt Profifußballer Steuerberater zu werden. Eine kritische Kombination für viele Vereine.

Ein Profivertrag, mit Geld und so

Horst Heldt möchte nach Wimmer, Wood und Walace nun auch Amateur Weydandt einen Profivertrag anbieten, mit Geld und so. Um Niclas Füllkrugs neuen Vertrag wird noch gefeilscht, wahrscheinlich geht es um Ausstiegsklausel, Sitzplatz im Mannschaftsbus und Burgerbeteiligung. Ein paar Törchen in Bremen könnten die Preise erhöhen. Und die Konkurrenzfähigkeit.

Das waren die Sommertransfers von Hannover 96 seit 2010:

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