01. November 2018 / 20:51 Uhr

Pokalspiel auf der Lohmühle: 50 000 Euro für den VfB Lübeck

Pokalspiel auf der Lohmühle: 50 000 Euro für den VfB Lübeck

Jürgen Rönnau
Meikel Koop und Freundin Sandra Dettbarn bedienten wie auch bei VfB-Spielen die analoge Anzeigetafel. 
Meikel Koop und Freundin Sandra Dettbarn bedienten wie auch bei VfB-Spielen die analoge Anzeigetafel.  © dpa
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VfB-Orgachef Florian Möller 10 Kilometer unterwegs - aber 5000 Weiche-Magazine blieben liegen

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Als der bunte Rauch sich verzogen hatte und der letzte Fan das Verkehrsnadelöhr Lohmühle erschöpft in Richtung Heimat verlassen hatte, war es tiefe Nacht und es stand fest: der SV Werder Bremen ist ein hochverdienter 5:1-Sieger gegen den überforderten drei Klassen tiefer spielenden Herausforderer SC Weiche Flensburg. Und: der VfB Lübeck kann auch Spiele von überregionaler Bedeutung perfekt über die Bühne bringen.

Nicht nur wegen der „Hausfarben“ Grün und Weiß war es ein Heimspiel für den SV Werder, die Lohmühle war fest in Bremer Hand, auch wenn Weiche Flensburg offiziell Gastgeber war. Wohl 7000 der insgesamt 8637 Zuschauer auf der ausverkauften „Mühle“ hielten es hör- und sichtbar mit dem Bundesligisten. Sturm-Oldie Claudio Pizarro (8.), Florian Kainz mit einem satten, perfekten Distanzschuss (38.), Davy Klaassen (44./Foulelfmeter), der erstmals als Kapitän für den geschonten Max Kruse auflief, und der eingewechselte Martin Harnik (76./81.) mit einem Doppelpack sorgten für klare Verhältnisse. Ein Fünkchen Hoffnung flackerte kurz für Flensburg auf, als Ilidio Pastor Santos einen Freistoß aus halblinker Position direkt ins lange Ecke verwandelte (27.) – eigentlich keine echte Torchance, aber Weiche-Kapitän Christian Jürgensen irritierte Werder-Keeper Pavlenka dermaßen, dass er den Ball passieren ließ. Es blieb ein Schönheitsfehler, den sich Werder an diesem Abend erlauben konnte. Die Pflichtaufgabe wurde locker erfüllt.

Auch VfB-Fan-Urgestein Marcus zeigte sich am Mittwochabend als Autogrammjäger. 
Auch VfB-Fan-Urgestein Marcus zeigte sich am Mittwochabend als Autogrammjäger.  © Agentur 54°
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Die Pflicht ruft für die Bremer am Sonntag, und die heißt FSV Mainz 05. Und so hatte es Trainer Florian Kohfeldt eilig nach dem Spiel. „Souverän, aufmerksam, konzentriert in die dritte Runde“, lautete sein Fazit in der Pressekonferenz. „Auftrag erledigt, ab nach Hause.“ Martin Harnik, der von den Fans per DFB-App zum „Man of the Match“ gewählt worden war, hatte immerhin einen Wunsch für das Achtelfinale, das am Sonntag ausgelost wird und im Februar ausgetragen werden soll. „Gegen den HSV zu Hause, das wär’s“, sagte der gebürtige Hamburger, dem es aber auch auf der Lohmühle ausnehmend gut gefallen hat. „Das war ein schöner Tag“, stellte er fest. „Es war ein Riesenvorteil für uns, in Lübeck zu spielen. Für die Flensburger war es eine fremde Umgebung.“

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Entsprechend fielen die Kommentare der Flensburger aus. „30, 40 Minuten hat das Spiel Spaß gemacht. Am Ende haben wir nur noch gehofft, dass es bald zu Ende geht vor dieser Kulisse“, gestand Kevin Schulz. Und Jürgensen schloss sich an: „Die Bremer Kulisse an der Lohmühle war schon beeindruckend. Gefühlt war das ein Auswärtsspiel für uns. Als Underdog wäre ein Heimspiel als Basis besser gewesen.“

Jasper Bartels von der ATSV Stockelsdorf Kids-Eskorte mit Claudio Pizarro.
Jasper Bartels von der ATSV Stockelsdorf Kids-Eskorte mit Claudio Pizarro. © Agentur 54°

In der Tat fehlte den Flensburgern offenbar die Motivationshilfe, täglich die Pokalvorbereitung hautnah und live mitzuerleben – den Stress, die Vorfreude, die Spannung im Umfeld, das Feeling etwas ganz Großes gemeinsam für den eigenen Verein zu schaffen. Weiche aber gab wegen fehlender Infrastruktur alle Arbeit, alle Verantwortung ab an den VfB, der den Job als Dienstleister akribisch erledigte (nur das Verteilen der von Weiche überraschend kurz vor Anpfiff angelieferten 5000 Stadionmagazine lehnte man ab). Allein am Spieltag wies die Schrittzähler-App bei VfB-Orgachef Florian Möller zehn Kilometer auf – zurückgelegt für ein perfektes Pokalspiel. Dem VfB bleiben dafür unterm Strich gut 50 000 Euro „Mieteinnahmen“ und die entspannte Gewissheit, dass nicht er die Strafen zahlen muss, die der DFB garantiert wegen etlicher Pyrozündeleien verhängen wird, sondern Hauptverursacher Werder Bremen und Gastgeber Weiche Flensburg.

Schnappschüsse von der DFB-Pokalpartie SC Weiche Flensburg gegen Werder Bremen

Weiche Flensburg belegte für das Pokalspiel die Kabine vom Regionalliga-Rivalen VfB Lübeck Zur Galerie
Weiche Flensburg belegte für das Pokalspiel die Kabine vom Regionalliga-Rivalen VfB Lübeck ©
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