Derby Lok-Chemie Sinnbildlich: Einer der Krawallmacher wird von der Polizei abgeführt. © Christian Modla
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Polizei im Großeinsatz: Derby zwischen Lok und Chemie Leipzig von Ausschreitungen überschattet

Die Partie zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie Leipzig am Mittwochnachmittag war von Ausschreitungen überschattet. Mehrfach musste die Partie unterbrochen werden. Fans beider Lager attackierten sich mit Pyrotechnik. Die Polizei fuhr Wasserwerfer auf.

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Leipzig. Hundertschaften der Polizei, Wasserwerfer auf dem Spielfeld und Pfefferspray-Einsatz gegen Lok-Fans: Das Stadtderby zwischen Lok Leipzig und Chemie Leipzig wurde – wieder einmal – von Ausschreitungen überschattet. Schon vor der Partie kam es zu Zwischenfällen in der Stadt. Jeweils rund 700 Fans beteiligten sich laut Polizei an den Fanmärschen beider Clubs. Diese mussten mehrmals wegen des  Zündens von Pyrotechnik gestoppt werden. Die Polizei begleitete die Anhänger von Chemie, die aus Connewitz zum Stadion liefen, und die vom Völkerschlachtdenkmal startenden Lok-Anhänger mit einem Großaufgebot.

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Bei dem Zug zum Bruno-Plache-Stadion wurde aus dem Lok-Lager heraus ein Fotograf angegriffen. Die Fanmärsche werden für beide Vereine ein Nachspiel haben. Weil die Teilnehmer an den Startpunkten größere Mengen Müll hinterließen, musste die Stadtreinigung anrücken. „Die Kosten dafür werden den Vereinen in Rechnung gestellt“, so Polizeisprecherin Katharina Geyer.

Die Spieler der Gastmannschaft aus Leutzsch hatten Schwierigkeiten zum Spiel zu kommen. Da Polizeibeamte den Bus mit der Mannschaft offenbar für einen Fanbus hielten, leiteten sie diesen zum Gästeblock weiter. Für das Fahrzeug samt Kader ging es über 30 Minuten nicht vorwärts. Chemie-Trainer Dietmar Demuth entschloss sich schließlich dazu, samt seiner Mannschaft zu Fuß in die Kabine zu marschieren. Eine Runde ums Stadion. Um den Grün-Weißen die Möglichkeit zur Vorbereitung zu gegeben, ließ der Unparteiische das Spiel 15 Minuten später anpfeifen.

Stadtderby zwischen Lok und Chemie stand kurz vor dem Abbruch

Das Derby zwischen dem 1. FC Lokomotive Leipzig und der BSG Chemie Leipzig stand kurz vor dem Abbruch. Wir haben mit Polizeipräsident Bernd Merbitz gesprochen und fassen den Derbytag im Video zusammen.

Posted by LVZ Sportbuzzer on Mittwoch, 22. November 2017

Nach der Pause beginnen die Probleme

Die ersten 45 Minuten verlief die Partie kontrolliert. Nach der Halbzeitpause eskalierte die Lage in Probstheida. Kurz nach Wiederanpfiff feuerten Anhänger der BSG Chemie mit Pyrotechnik in den Block der Lok-Anhänger. Kurz darauf versuchten Lok-Fans den Platz zu stürmen. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel. Die Polizei ließ zwei Wasserwerfer auf das Spielfeld fahren. Mehrere Hundertschaften der Polizei bezogen Stellung. Die Spieler mussten sich in den Spielertunnel zurückziehen. Kaum hatte der Schiedsrichter das Spiel wieder angepfiffen, zündeten Lok-Fans in ihrem Block Pyrotechnik und warfen diese teilweise in Richtung der sichernden Polizisten. Per Durchsage mahnte die Polizei, aufzuhören, andernfalls würden die Wasserwerfer eingesetzt und das Spiel abgebrochen. Mit Tränengas gingen die Beamten gegen die Störer im Lok-Block vor. Währenddessen war die Partie für weitere vier Minuten unterbrochen. Pyrotechnik aus beiden Seiten wurde auch in Richtung des Spielertunnels, in welchem die Einlaufkinder noch warteten, abgeschossen.

DURCHKLICKEN: Bilder vom Fanmarsch der BSG Chemie

Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz sagte vor Ort: „Wir haben jetzt eine etwas angespannte Lage. Raketen sind abgeschossen worden. Weitere Pyrotechnik wurde gezündet. Aus dem Lok-Block heraus wurde versucht, das Spielfeld zu stürmen. Beamte wurden angegriffen. Wir haben das jetzt innerhalb kürzester Zeit geklärt. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn  Spiele durch Krawall und Gewalt unterbrochen werden müssen."

Nach dem Wiederanpfiff blieb es im Stadion weitgehend ruhig. Das Spiel endete 0:0. Kurz vor der abschließenden Pressekonferenz griff ein Lok-Anhänger den BSG-Trainer Demuth an und übergoss ihn mit Bier. Dieser verließ daraufhin den Raum und kehrte erst nach mehreren Überredungsversuchen zurück aufs Podium. "So etwas ist mir in meiner gesamten Laufbahn noch nicht passiert", schimpfte er. Zurückgekehrt sei er lediglich, weil er die ohnehin angespannte Stimmung nicht weiter aufheizen wolle.

DURCHKLICKEN: Bilder vom Fanmarsch des 1. FC Lok

Auch Stunden nach dem Spiel war im Bruno-Plache-Stadion noch keine Ruhe eingekehrt. Die Polizei entschloss sich aufgrund einer großen Anzahl begangener Straftaten in Form von Sachbeschädigungen, versuchter gefährlicher Körperverletzung, Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz, schweren Landfriedensbruches in einem der Lok-Fanblöcke, die komplette Fangruppierung einer Identitätsfeststellung zu unterziehen. Bei der Abreise der Chemie-Spieler kam es in der Karl-Jungbluth-Straße zu einer versuchten Attacke mit Pyrotechnik auf den Bus der Mannschaft. Das Fahrzeug wurde nicht beschädigt und setzte seine Fahrt fort.

Im Einsatz waren neben Kräften der Polizei Leipzig auch Einheiten aus weiteren Teilen Sachsens, der Bereitschaftspolizei, aus Thüringen, des Landeskriminalamts und dem Polizeiverwaltungsamt. Polizisten wurden nach ersten Erkenntnissen nicht verletzt. Im Zusammenhang mit dem Spiel gab es keine Festnahmen. Bei der Personenkontrolle stellten die Beamten jedoch drei Personen fest, gegen die ein offener Haftbefehl vorlag, welcher vollstreckt wurde.

Nach den massiven Ausschreitungen drohen beiden Vereinen nun harte Sanktionen seitens des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes.

joka/nöß

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