370 Beamte durchsuchten 35 Objekte, eine Festnahme in Basel. 370 Beamte durchsuchten 35 Objekte, eine Festnahme in Basel. © Jochen Leimert
370 Beamte durchsuchten 35 Objekte, eine Festnahme in Basel.

Polizei Karlsruhe identifiziert 28 Tatverdächtige, die die "Football Army" durch Karlsruhe gelenkt haben sollen

Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln wegen diverser Delikte gegen führende Dynamo-Fans

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Dresden. Den Dienstagvormittag werden die führenden Köpfe der Dresdner Ultra-Szene wohl nicht so schnell vergessen. Bei einer groß angelegten Razzia durchsuchte eine Ermittlungsgruppe des Polizeipräsidiums Karlsruhe, unterstützt von Dresdner Kollegen, insgesamt 35 Objekte im Raum Dresden, in Brandenburg, Baden-Württemberg und der Schweiz. Ausgangspunkt der umfangreichen Ermittlungen waren Straftaten rund um das Zweitliga-Spiel zwischen dem Karlsruher SC und Dynamo Dresden am 14. Mai. Damals hatten Dresdner Anhänger im großen Stil einen Marsch vermummter Fans organisiert, in dessen Folge es zu Übergriffen auf Polizisten und Ordner des gastgebenden Vereins gekommen war. Allein 21 Polizisten waren dabei verletzt worden. Sie hatten Knalltraumata erlitten, viele waren zeitweise nicht arbeitsfähig. Einzelne haben durch den Einsatz von Pyrotechnik Hörschäden erlitten, die vermutlich bleiben werden.

Nach langwierigen Ermittlungen sahen sich Polizei und Staatsanwaltschaft Karlsruhe nun veranlasst, bei einem Großeinsatz Beweismittel zu sichern. Gegen 28 Tatverdächtige wurden Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs, Verstoßes gegen das Versammlungs- und das Sprengstoffgesetz eingeleitet. Die betreffenden Personen sind zwischen 23 und 34 Jahre alt und werden nicht als einfache Mitläufer eingeschätzt. „Wir haben 28 Personen identifizieren können, die augenscheinlich Organisatoren oder Kommandeure des Fanmarsches waren“, sagte Kriminaldirektor Gerhard Heck, Leiter Führungsgruppe  Direktion Polizeireviere beim  Polizeipräsidium Karlsruhe, bei einer am Nachmittag im Polizeipräsidium Dresden kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. „Wir haben keine Ermittlungsverfahren gegen Fans eingeleitet, die nur mitgelaufen sind“, stellte der aus Karlsruhe angereiste Staatsanwalt Dr. Tobias Wagner klar. Ob der erst am Sonntag beim Derby gegen Aue verabschiedete Ultra-Einpeitscher Stefan Lehmann, der nachweislich im Karlsruher Wildpark vor Ort war, zu den Beschuldigten gehört, wollten weder Heck noch Wagner bestätigen.

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Von den 35 durchsuchten Wohn- und Vereinsräumen lagen 32 im Raum Dresden. Darunter befanden Räumlichkeiten des Fanprojektes Dresden, Büroräume der Sozialarbeiter waren nach Intervention von Fanprojekt-Leiter Torsten Rudolph aber nicht betroffen. Je ein Objekt wurde in Brandenburg, Baden-Württemberg und eines in der Schweiz durchsucht. In Basel nahmen Beamte auch einen Deutschen vorläufig fest. Bei den Durchsuchungen beschlagnahmte die Polizei, die mit insgesamt etwa 370 Polizisten und drei Staatsanwälten im Einsatz war, rund 300 Gegenstände: Computer, Speichermedien, Schriftstücke, Smartphones, Pyrotechnik, einen Schlagring, eine Mehrzweckwaffe für diverse Gummigeschosse und ein Auto, in dem Fan-Aktivisten dem Marsch vorausgefahren waren.

Staatsanwalt Dr. Tobias Wagner äußert sich zu den Ermittlungen

Anders als beim Fanprojekt waren keine Räume von Dynamo Dresden betroffen. Gefunden wurde beim Fanprojekt Dresden e.V. derweil nichts. Dessen Leiter Torsten Rudolph zeigte sich enttäuscht über den Verdacht gegen seine Mitarbeiter: „Für uns stellt das eine Ungeheuerlichkeit da. Für uns ist das Vertrauen in die Polizei futsch“, so der Familienvater, der den Job seit 15 Jahren macht. Er spüre keinerlei Wertschätzung für die eigene Arbeit, die werde mit Füßen getreten. „Wir müssen unsere Arbeit überdenken, wenn uns das immer wieder so sehr in den rechtsstaatlichen Fokus zieht und wir Sanktionen zu befürchten haben.“

Fanprojekt-Leiter Torsten Rudolph (r. im Gespräch mit Gert Zimmermann vom MDR) kritisierte die Durchsuchung des Fanprojektes. Fanprojekt-Leiter Torsten Rudolph (r. im Gespräch mit Gert Zimmermann vom MDR) kritisierte die Durchsuchung des Fanprojektes. © Jochen Leimert

Der Polizei-Einsatzleiter habe nach dem Spiel dem Fanprojekt noch gedankt, dessen Mitarbeiter hätten sehr professionell an der Vorbereitung des Spieltages mitgewirkt: „Heute ist es genau das Gegenteil. Heute werden wir behandelt wie Kriminelle. Wir sind im öffentlichen Auftrag unterwegs, werden von öffentlichen Mitteln bezahlt – da ist das jetzt frustrierend“, so Rudolph. Er sagte, erst ein Telefonat mit dem Staatsanwalt habe verhindert, dass die Geschäftsräume des Fanprojektes mit durchsucht werden. Es sei ein glücklicher Zufall gewesen, dass er selbst anwesend war und das stoppen konnte.

Den massiven Einsatz erklärten die Polizei Karlsruhe mit der Einmaligkeit der Aktion am 14. Mai, in deren Verlauf 1500 Personen am Fanmarsch der „Dynamo Football Army“ teilgenommen, Tarnkleidung angelegt und Gesichtsbemalung benutzt hatten. Kriminaldirektor Heck erklärte: „Das war eine einmalige Aktion in Baden-Württemberg.“ Sie habe sofort Ermittlungen gegen Unbekannt wegen Landfriedensbruchs, Verstößen gegen das Versammlungs- und das Sprengstoffgesetz, aber auch wegen Körperverletzung nach sich gezogen. Neben 21 Beamten seien auch 20 oder 21 Ordner verletzt worden. Letztere wurden am Einlass überrannt. Die Beamten zeigten sich auch fassungslos, dass die maskierten Fans anderen Anhängern in normaler Kluft den Zutritt zum Gästeblock verwehrten.

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Leider sei es bislang nicht gelungen, Beschuldigte zu ermitteln, denen Körperverletzung vorgeworfen werden kann. Da sei die Beweisaufnahme schwierig, die Identifizierung der maskierten Täter auch mit Videomaterial schwer. Man erhoffe sich nun neue Anhaltspunkte, die im Kern sieben Beamte umfassende Ermittlungsgruppe in  Karlsruhe werde jetzt mit weiteren Spezialisten aufgestockt: „Das Verfahren hat beim Polizeipräsidium hohe Priorität“, so Heck.

Kriminaldirektor Gerhard Heck äußert sich zu den Razzien

Am 14. Mai waren laut seinen Angaben 800 Polizeibeamte im Einsatz – offenbar nicht genug, um auch einen zweiten Marsch von KSC-Fans und den unübersichtlichen Wildpark am Stadion abzusichern und gezielt Störer aus der Masse herauszugreifen. „Es war so, dass deutlich mehr Kräfte angefordert waren, aber die taktischen Einsatzzügen an dem Wochenende waren verplant“, bedauerte Heck. Was die Beschuldigten nun erwartet, das konnten weder Heck noch Wagner genauer sagen. Die Ermittlungen werden noch eine Weile dauern. Wagner: „Von einigen Monaten muss man ausgehen.“

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