Schnell weg vom Tatort: Maik Lukowicz (r.) soll den VfB-Fans den „deutschen Gruß“ gezeigt haben. Danach gab es wütende Reaktionen. © Felix König

Provozierte Werder-Spieler mit Hitler-Gruß?

Lübecker Fans rasteten nach Torjubel und unangemessener Gestik aus. Werder droht mit rechtlichen Schritten, VfB reagiert sofort...

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Es war ein hochemotionales Spiel auf der Lohmühle am Freitagabend unter Flutlicht zwischen dem VfB und Werder Bremens U23, es endete mit 2:2 – aber es hätte auch im Eklat enden können. Ein Abbruch drohte.

  1. Minute, Werders Levent Aycicek erzielt das 2:0 für die Gäste. Die Bremer laufen kollektiv vor den VfB-Fanblock zum Jubeln. Die Fans reagieren mit Becherwürfen, Schiedsrichter Marcel Hass winkt VfB-Kapitän Moritz Marheineke heran, deutet an, wenn keine Ruhe einkehrt, könnte er auch abbrechen. Später vermerkt er den Vorfall im Spielbericht, der VfB wird Stellung nehmen müssen – ein Strafgeld droht (zumal in Halbzeit zwei Gegenstände aus dem F-Block aufs Feld flogen).

Aber die Story hat zwei Seiten – und entsprechend wird die Reaktion des VfB ausfallen: Gerüchte machten schnell die Runde, ein Werder-Spieler habe beim 2:0-Jubel direkt vor den VfB-Anhängern den Hitler-Gruß gezeigt. Schon, dass die Werderaner sich explizit die grünweiße Fankurve zur provokanten Tor-Feier ausgesucht hatten, war ein Affront – ein bewusster, muss man vermuten. Als aber der als Nazi-Gestik interpretierbare ausgestreckte rechte Arm ins Spiel kam, brachen die Dämme vollends, flogen auch Bierbecher. Vorstand Florian Möller: „Die Situation war sehr heikel. Wir haben uns die Videoaufnahmen angesehen, und stellten fest, dass der Spieler mit der Nummer 16 tatsächlich diese Geste gemacht hat, die in Deutschland verboten ist.“ Die Nummer 16 bei Werder trägt Goalgetter Maik Lukowicz. Möller: „Wir werden das auch in unsere Stellungnahme an das Sportgericht schreiben.“ Das entschuldigt das Verhalten der Fans nicht, aber es relativiert es. Eine Strafe wird es für den VfB aber sicher trotzdem geben – vermutlich wegen mangelhaften Ordnungsdienstes.

Keine 12 Stunden nach Erscheinen dieses LN-Sportbuzzer.de-Beitrages reagierte Werder Bremen erschrocken, drohte dem VfB und Möller mit rechtlichen Schritten. Auf der eigenen Homepage wies man die Anschuldigungen scharf zurück: „Diese Vorwürfe sind absolut haltlos und für unserem 19-Jährigen polnischen Stürmer eine Zumutung. Wir haben mit dem Spieler gesprochen, er distanziert sich ganz klar von jeglicher rechter Gesinnung oder jeder Art damit zusammenhängender Symbolik. Wir sehen auch nach Ansicht des Videomaterials des VfB Lübeck keinen Grund für diese schwerwiegenden Unterstellungen", so Werders Geschäftsführer Thomas Eichin. „Die Aufnahmen zeigen keinesfalls, dass der Spieler bewusst die verbotene Geste gezeigt hat, deshalb behalten wir uns rechtliche Schritte vor", so Eichin deutlich. „Wer solche Beschuldigungen anhand von überzogenen Interpretationen aufstellt, sollte sich über die Tragweite bewusst sein. Hier wird ein junger Spieler in der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt. Da können wir als Verein nicht einfach zuschauen, egal wie emotional diese Partie geführt und von den Rängen begleitet wurde", so Eichin.

Maik Lukowicz ist entsetzt über die Vorwürfe: „Das ist eine Farce, mich in so eine Ecke zu stellen. Ich distanziere mich ganz deutlich von diesem politischen Gedankengut. Ich habe beim Jubeln den Arm gehoben ohne jeden symbolischen Hintergrund. Es tut mir leid, wenn das Menschen anders interpretieren, aber es kann nicht sein, dass daraus solche schwerwiegenden Vorwürfe konstruiert werden, die mich öffentlich diffamieren."

Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer wittert ein Ablenkungsmanöver des VfB Lübeck. Man wolle lediglich vom Fehlverhalten der eigenen Fans ablenken. "Wenn man den Jungen kennt und das Video, dann weiß man, dass das ein Ablenkungsmanöver ist", sagte Fischer dem Weser-Kurier.

Der VfB Lübeck reagierte am Abend mit einer Pressemitteilung. Hier die Nachricht im Wortlaut:

Der SV Werder Bremen hat in einer Pressemitteilung vom heutigen Tage zum Verhalten seines Spielers Maik Lukowicz Stellung genommen. Die dortigen Ausführungen, mit denen nun offenbar Vorwürfe an den VfB Lübeck erhoben werden sollen, hat der VfB Lübeck mit Befremden zur Kenntnis genommen. Der VfB Lübeck hat dem Spieler Maik Lukowicz zu keinem Zeitpunkt rechtes Gedankengut vorgeworfen und tut dies auch jetzt nicht. Demgemäß hat der VfB Lübeck nicht behauptet, dass der Spieler mit seiner Geste eine bestimmte politische Haltung ausdrücken wollte. Auch das Vorstandsmitglied des VfB Lübeck, Florian Möller, hat zu den inneren Beweggründen des Spielers keinerlei Aussage getroffen, sondern sich nur zu den objektiven Geschehnissen geäußert. Tatsache ist Folgendes:

Bereits kurz nach dem Torjubel des SV Werder Bremen zum 2:0 wurden die Verantwortlichen des VfB Lübeck von Fanvertretern und von VIP-Logenbesuchern darüber informiert, dass ein Spieler des SV Werder Bremen in Richtung des VfB Fanblocks G 6 den deutschen Gruß präsentiert haben soll. Am Samstag erhielt der VfB Lübeck dann Videomaterial zu der betreffenden Szene. Die Aufnahmen zeigen, dass der Bremer Spieler mit der Nummer 16 in Richtung des VfB Fanblocks mit ausgestrecktem rechten Arm und ausgestreckter rechter Hand posiert. Die Aufnahmen zeigen weiter, dass er daraufhin von seinem Kapitän Florian Bruns im Genick gepackt, weggeschubst und mit einer klaren Ansprache überzogen wird. Die Aufnahmen zeigen darüber hinaus, dass auch der Bremer Spieler mit der Nummer 25 aufgebracht auf den Spieler Lukowicz zuläuft, ihn schubst und auf ihn einredet. Schließlich ist zu sehen, dass die Becherwürfe von der Haupttribüne, die der VfB Lübeck trotz der schweren Provokation durch den Bremer Spieler verurteilt, erst beginnen, nachdem der Spieler Lukowicz die angesprochene Pose gezeigt hat.

VfB Vorstandssprecher Thomas Schikorra sagt hierzu: “Emotionen gehören zum Fußball und Fehler passieren. Tatsache ist aber, dass unsere Zuschauer und auch wir über diese Geste empört waren und sind. Wie sie gemeint war, kann nur der Spieler selbst beantworten und ist abschließend nicht von uns, sondern von den zuständigen Stellen beim Verband zu bewerten. Unabhängig davon, dass wir dem Spieler keine politischen Motive unterstellen, handelte es sich in jedem Fall um eine außergewöhnliche Unsportlichkeit. Wir hätten uns daher gewünscht, dass der Spieler und der SV Werder Bremen mit einer ehrlichen Entschuldigung an uns herantreten und man beim SV Werder Bremen nicht anfängt, öffentlich die Fehler bei anderen zu suchen.”

SV Werder Bremen VfB Lübeck SV Eichede-1.FC Germ. Egestorf-Langreder (02/10/2016 16:00) Regionalliga Nord Region Norddeutschland (Herren) Region/Kiel VfB Lübeck (Herren) SV Werder Bremen II (Herren)

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