13. Oktober 2018 / 12:14 Uhr

Rafael van der Vaart vor Holland-Abschied: So geht es der HSV-Legende heute

Rafael van der Vaart vor Holland-Abschied: So geht es der HSV-Legende heute

Hans-Günther Klemm
Bilder seiner Karriere: Rafael van der Vaart im Trikot des HSV (links), Esbjerg fB (mitte) und der niederländischen Nationalmannschaft (rechts).
Bilder seiner Karriere: Rafael van der Vaart im Trikot des HSV (links), Esbjerg fB (mitte) und der niederländischen Nationalmannschaft (rechts). © imago/Baering
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Hollands Rafael van der Vaart wird vor dem Spiel gegen Deutschland aus der Nationalmannschaft verabschiedet. Der heute 35-Jährige hat eine bewegte Karriere hinter sich. So geht es der HSV-Legende heute.

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Noch einmal sind die Scheinwerfer auf ihn gerichtet. In der Amsterdam-Arena tritt ein ganz Großer des niederländischen Fußballs das letzte Mal ins Rampenlicht: Rafael van der Vaart, mit 109 Länderspielen einer aus dem legendären „Hunderter-Klub“, wird am Samstag (20.45 Uhr, ZDF) vor der Partie Niederlande gegen Deutschland offiziell verabschiedet.

„Ich freue mich auf diesen Moment“, sagt der frühere Bundesliga-Profi des Hamburger SV, der lange auf diesen Augenblick warten musste. Denn sein letzter Auftritt im orangefarbenen Trikot liegt einige Zeit zurück: Im November 2013 absolvierte der heute 35-Jährige beim torlosen Remis gegen Kolumbien sein letztes Spiel für die Elftal. Seitdem wurde er nicht mehr nominiert, verpasste wegen einer Verletzung die Weltmeisterschaft 2014 und hoffte vergeblich auf ein Comeback auf internationaler Bühne: „Ich bin nie zurückgetreten.“

Szenenwechsel: Von Amsterdam nach Esbjerg in Dänemark, von der Metropole in die Provinz, normalerweise ein Kulturschock. Die kleine Küstenstadt in Jütland ist das neue Zuhause von „Raffa“, wie ihn seine Verehrer rufen. Esbjerg FB, Aufsteiger und Mittelklasse­klub in der Superliga, die nur so heißt, dem Namen indes in keiner Weise gerecht wird, ist sein Arbeitgeber. Van der Vaart steht unter Vertrag, spielt nur selten. Über die Rolle eines Ergänzungsspielers kommt er nicht hinaus. Ein einstiger Weltklassemann als Edelreservist, es mutet an wie ein Stoff für eine Tragödie.

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Ob er sich so seinen sportlichen Lebensabend vorgestellt hat? „Ich fühle mich wohl hier“, behauptet der auf dem flachen Land gelandete Star, der einst in Weltstädten wie Hamburg, Madrid und London die Fans verzückte. „Ich habe hier alles, was ich brauche.“ So spricht der Familienmensch, der im Wohnwagen im Randbezirk Amsterdams aufwuchs, was ihn geprägt hat. Nach privaten Turbulenzen mit der Scheidung von der Moderatorin Sylvie Meis und der folgenden Liaison mit deren besten Freundin Sabia Boulahrouz hat Van der Vaart sein spätes Glück außerhalb des Rasens gefunden. Estavana Polman, eine Handballerin, die auf einem Niveau spielt wie er früher als Fußballer, ist seine neue Lebenspartnerin und der Grund, weshalb er nach Dänemark gezogen ist.

„Langsamer angehen“ lasse er es, hat Claus Steinlein, der Präsident aus Midtjylland, der ersten Station in Skandinavien, über Van der Vaart mal gesagt. Ein Urteil, das dieser bestätigt: „Ich laufe nicht mehr so viel und nicht mehr so schnell.“ Schließlich sei er schon etwas älter, so die Selbsteinschätzung. „Doch am Ball, da ist niemand besser als ich, auch heute noch.“

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Überzeugt von seinem Können war der begnadete Techniker schon immer. „Ich weiß, was ich kann. Ich brauche keine Bestätigung von außen“, sagt er, obwohl er in dieser Spielzeit kaum Einsatzzeit bekommt, sich in der Reserverunde schinden muss, um körperlich wettkampftaugliches Niveau zu erreichen. Van der Vaart: „Ich möchte spielen und Spaß haben – egal, auf welchem Niveau.“

So lässt er seine glanzvolle Karriere ausklingen und scheint glücklich dabei zu sein. In aller Stille verabschiedet sich so einer, der zu den großen vier der Elftal in der jüngeren Vergangenheit zählte, als „Oranje“ noch Weltklasse war. Seine Kumpel Arjen Robben und Robin van Persie haben ihre Nationalelf-Laufbahn beendet, zuletzt auch Wesley Sneijder. Eine unvollendete Generation? Van der Vaart widerspricht: „Wir haben zwar keinen Titel geholt, waren aber erfolgreich.“ Zur Niederlage im WM-Finale 2010 gegen Spanien (0:1 n. V.) sagt er rückblickend: „Wir hatten eine geile Truppe, leider viel Pech im Endspiel. Doch Vizeweltmeister ist für ein so kleines Land wie Holland schon überragend.“

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Die Gegenwart nimmt sich trister aus. Wie seine Landsleute hat sich Van der Vaart so langsam vom Schock erholt, sich nicht für Russland qualifiziert zu haben. Den neuen Chefs, Bondscoach Ronald Koe­man und Direktor Nico-Jan Hoogma, wie er selbst eine HSV-Legende, traut er zu, „die Mannschaft wieder nach vorn zu bringen“. Er schwärmt von den Erben wie Mat­thijs de Ligt, Frenkie de Jong und Justin Kluivert als „Riesentalente, die ihren Weg machen werden“.

Seine Meinung zum WM-Debakel des DFB: „Deutschland ist nicht auf dem Tiefpunkt, das ist eine überspitzte und übertriebene Formulierung.“ Van der Vaart verweist auf den Sieg beim Confed Cup „mit der dritten Garnitur“ und dem Gewinn der U21-EM, streicht das Potenzial heraus und meint: „Die deutsche Nationalelf wird sich schneller erholen als die holländische.“

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