28. Februar 2018 / 14:15 Uhr

Rainbow-Fanclubs aus Leipzig und Dortmund setzen Zeichen für friedlichen Fußball

Rainbow-Fanclubs aus Leipzig und Dortmund setzen Zeichen für friedlichen Fußball

Anne Grimm
Die RainbowBulls mit ihrem Banner, das während der Spiele im Block D der Red Bull Arena hängt.
Die "RainbowBulls" mit ihrem Banner, das während der Spiele im Block D der Red Bull Arena hängt. © Privat
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Die schwul-lesbischen Fanclubs von RB Leipzig und Borussia Dortmund verbringen rund um das Topspiel am Samstag viel Zeit zusammen. Denn sie stehen für dieselben Werte im Fußball, setzen sich unter anderem gegen Gewalt sowie Homophobie im Stadion ein.

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Leipzig. Hasserfüllte Gesichter, fliegende Steine, verletzte Leipziger Fans: Szenen wie vor dem Auswärtsspiel von RB in Dortmund vor einem Jahr dürfen sich nicht wiederholen. Deshalb wollen die Mitglieder des Fanclubs „RainbowBulls“ von RB Leipzig ein Zeichen setzen. Sie treffen sich am Wochenende mit den „Rainbow-Borussen“ des Gegners BVB. „Wir stehen für gewaltfreien Fußball“, sagt Rüdiger Harr. Der 52-Jährige ist Strafrichter am Leipziger Landgericht und gehört zum Vorstand des im Juni 2017 gegründeten ersten schwul-lesbischen Fanclubs in Leipzig.

Seit dieser Saison treffen sich die Mitglieder der „RainbowBulls“ regelmäßig mit gleichgesinnten Anhängern anderer Bundesligisten, etwa aus Schalke, München oder Berlin, an diesem Wochenende mit den „Rainbow-Borussen“. Neben einem Essen am Freitagabend sind am Samstag eine Stadtrundfahrt, der gemeinsame Weg zum Stadion und ein Treffen nach dem Spitzenspiel zwischen dem sechsten und zweiten der Bundesligatabelle geplant. Das Motto: „Getrennt in den Farben, vereint in der Sache.“

Die RainbowBulls in der Veltins-Arena mit Fans der RegenbogenKnappen aus Schalke bei einer Stadionführung vor dem Spiel von RB gegen Schalke 04.
Die "RainbowBulls" in der Veltins-Arena mit Fans der RegenbogenKnappen aus Schalke bei einer Stadionführung vor dem Spiel von RB gegen Schalke 04. © Privat
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28 Mitglieder zählt der RB-Fanclub inzwischen und steht in der Öffentlichkeit deutlich zu seinen Anliegen: „Wir wollen gegen Sexismus, Rassismus und Homophobie im Fußball eintreten“, meint Harr. Die „RainbowBulls“ sind mit ihrem eigenen Logo, das eine Regenbogenfahne beinhaltet, auf Fanartikeln und Schals sowie an einem Banner im Stadion erkennbar. Blöde Sprüche hätten sie schon zu hören bekommen, wirkliche Anfeindungen allerdings nicht. Sie wollen auch homosexuellen RB-Anhängern Mut machen sich zu outen, die sich etwa in anderen Fanclubs nicht trauen, so Harr.

Immer wieder unschöne Sprüche

Inzwischen haben die „RainbowBulls“ beim Verein einen Antrag eingereicht, um als offizieller Fanclub (OFC) anerkannt zu werden. Der Zuspruch anderer RB-Sympathisanten sowie die Unterstützung der Fanbeauftragten haben ihnen bei dem Entschluss geholfen. In seiner Stadionordnung spricht sich RB Leipzig deutlich gegen sexistisches sowie diskriminierendes Verhalten aus. Deshalb hoffen die „RainbowBulls“, bald vom Verein den offiziellen Status zu erhalten.

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Denn der Fanclub besitzt eine wichtige soziale Funktion. Homosexualität im Fußball ist auch im 21. Jahrhundert noch ein Tabuthema. Bis heute hat sich kein aktiver Profi geoutet. „Wir können das sehr gut nachvollziehen, weil das ein Druck wäre auf einem jungen Spieler, den er nicht aushalten kann und will, weil er nicht unbedingt karrierefördernd ist. Aber wir würden uns freuen, wenn es anders wäre“, erklärt Harr.

Man höre auch im Stadion immer wieder unschöne Sprüche, wie „der Spieler ist eine Schwuchtel.“ Das Vorstandsmitglied der RainbowBulls sagt: „Das ist abwertend gemeint, auch wenn sich manche darüber keine Gedanken machen.“ Seit dem Outing von Thomas Hitzlsperger im Jahr 2014, eins der prominentesten Beispiele aus dem Fußball, hat sich weniger getan, als viele in der Szene gehofft hatten. Die „RainbowBulls“ sind den Queer Football Fanclubs (QFF) beigetreten, ein Netzwerk europäischer schwul-lesbischer Fußballfanclubs, für die Toleranz gesellschaftlicher Minderheiten an oberster Stelle steht. Denn es gibt noch viel zu tun.

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Ingo Hertzsch (39): Der ehemalige Bundesligaprofi wechselte 2009 zu RB Leipzig. Vier Jahre spielte der Mann aus Meerane für den jungen Verein und beendete mit 36 Jahren seine Karriere. Heute ist er als Fanbeauftragter für die Roten Bullen tätig. Zur Galerie
Ingo Hertzsch (39): Der ehemalige Bundesligaprofi wechselte 2009 zu RB Leipzig. Vier Jahre spielte der Mann aus Meerane für den jungen Verein und beendete mit 36 Jahren seine Karriere. Heute ist er als Fanbeauftragter für die Roten Bullen tätig. ©
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