11. Juli 2018 / 14:12 Uhr

Ralf Voigt: "Wenn der Respekt fehlt, dann knallt es"

Ralf Voigt: "Wenn der Respekt fehlt, dann knallt es"

Stefan Freye
Ralf Voigt - Neuer Trainer Bremer SV
Ehrgeizige Ziele: Der neue Trainer Ralf Voigt will den Bremer SV sportlich und strukturell auf ein überregionales Niveau heben. © Christina Kuhaupt
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Der neue Bremer SV-Coach spricht im Interview über strukturelle Probleme, fehlende Identifikation und die Aufstiegschancen des Bremer SV

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Ralf Voigt ist ein ehemaliger Fußballprofi, der in seiner aktiven Laufbahn für Fortuna Düsseldorf, Arminia Bielefeld und den 1. FC Saarbrücken spielte. Bis zum vergangenen Jahr war der 52-Jährige Sportlicher Leiter beim Regionalligisten VfB Oldenburg, in der kommenden Saison wird er nun als Trainer des Bremen-Ligisten Bremer SV arbeiten. Stefan Freye sprach mit ihm im Interview über strukturelle Probleme, fehlende Identifikation und die Aufstiegschancen des Bremer SV

Herr Voigt, Sie befinden sich seit gut einer Woche in der Vorbereitung mit Ihrer neuen Mannschaft. Wie ist der erste Eindruck?

Ralf Voigt: Ich habe sehr willige Jungs. Sie wollen viel lernen, setzen das gut um und sind sehr engagiert. Bis auf ein paar Verletzte ist alles gut. Ihre Verletzungen sind aber auch nicht von langer Dauer.

Läuft alles so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Ja. Ich muss den Verantwortlichen des Bremer SV auch ein Lob aussprechen: Es wird versucht, alles, was man sich wünscht, schnell umzusetzen. Aber nicht alles ist möglich.

Das ist ein gutes Stichwort: Es heißt, Sie fordern den Verein sehr mit Ihren Vorstellungen von professioneller Arbeit.

Ja, so ist es.

Ist der BSV reif für einen so ambitionierten Trainer?

Jeder fängt mal an. Der BSV hat eine sehr lange Tradition und ist ein toller Verein, der es verdient, jetzt mal aufzusteigen. Irgendwas hat in den letzten Jahren ja immer gefehlt, und ich glaube, dass es auch strukturelle Probleme waren, die den Aufstieg verhindert haben. Die arbeiten wir jetzt nach und nach ab.

An welche Probleme denken Sie?

Zum Beispiel, dass wir eine Jugend aufbauen. Es geht darum, den Verein nicht nur sportlich auf ein überregionales Niveau zu heben, sondern auch strukturell. Wir wollen die Nummer eins in der Bremen-Liga werden und dann auch überregional angreifen. Wir wollen Gas geben, und da gehe ich als Trainer voran.

Wo steht der Bremer SV derzeit?

Wir drehen jeden Stein um, und insgesamt ist der Verein auf einem guten Weg. Der BSV lebt ja auch von den vielen Menschen, die sich einbringen. Ich habe mit meinem Assistenten Necati Uluisik und Torwarttrainer Jan Gronewold zwei sehr engagierte Mitarbeiter. Daneben bringen sich Thomas Dubiel, Andi Beeke und Hartmut Bitterer sehr ein, wenn es um die Betreuung der Mannschaft geht, und unser Physio-Team leistet auch tolle Arbeit.

Aus dem letztjährigen Kader sind dagegen lediglich neun Spieler geblieben. Hat sich der Umbruch ergeben oder war er eine bewusste Entscheidung?

Eine bewusste Entscheidung, weil wir eine Veränderung vornehmen mussten. Nach der Notlösung im Winter sollte etwas Neues geschaffen werden. Es muss auch wieder eine Identifikation der Fans und des Umfeldes mit der Mannschaft hergestellt werden. Wir sind doch nur ein kleines Stück des Bremer SV. Zum Verein gehört so viel mehr. Etwa die Menschen, die seit Jahren harte Arbeit in den Verein investieren. Es geht jetzt auch darum, ihnen einen Traum zu erfüllen.

Sie meinen den Aufstieg in die Regionalliga, dessen Voraussetzung wohl die Meisterschaft in der Bremen-Liga sein dürfte. Wie schätzen Sie die Konkurrenz im Titelkampf ein?

Durch die Neustrukturierung bei uns haben der FC Oberneuland, der Brinkumer SV und der BSC Hastedt einen kleinen Vorteil. Ihre Strukturen stehen ja schon, das sind gewachsene Mannschaften. Das müssen wir nun aufarbeiten. Wer am fleißigsten ist, wird auch Erfolg haben. Ich sehe die Bremen-Liga aber auch nicht so schlecht, wie sie gemacht wird.

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Sie halten Ihren Kader derzeit aber für stark genug, um oben mitzuspielen?

Auf jeden Fall. Ich werde aber noch ein, zwei Spieler holen. Doch da muss man Geduld haben.

Einer dieser Spieler könnte der 38-jährige Tarek Chaaban sein, der momentan als Gastspieler an der Vorbereitung teilnimmt. Ist der Routinier eine echte Option?

Die Entscheidung wird in den nächsten Tagen fallen. Wenn wir das machen, binden wir ihn auch ins Trainerteam ein, und er wird sich dann langsam auf seine Karriere als Trainer einstellen können. Ich schätze seine ruhige, besonnene Art. Auf dem Platz würde er uns auf jeden Fall auch helfen, als Sechser oder in der Innenverteidigung.

Und dann wird es eng zugehen an der Spitze, oder?

Ja. Vier, fünf Mannschaften spielen mit. Und ohne, dass die erste Partie gespielt wurde, muss da schon eine Menge Respekt bei uns vorhanden sein – und zwar vor jedem Gegner. Wenn ich merke, dass er fehlt, dann knallt es.

Ist diese mentale Seite ein entscheidender Faktor im Titelkampf?

Absolut. Wenn man sieht, wie viele Punkte die Spitzenteams gegen die vermeintlich kleinen Mannschaften verloren haben, dann ist das schon entscheidend.

Wie bewahrt man eine Mannschaft vor Leichtsinn und Überheblichkeit?

In erster Linie durch Kommunikation. Man muss das immer wieder fordern und klar darauf reagieren, wenn der Respekt fehlt. Wenn der hundertprozentige Leistungswille nicht gegeben ist, ist es schon zu spät. Das frühzeitig zu erkennen, ist wichtig.

Auf der anderen Seite waren manchen Teams zuletzt auch immer mal wieder zweistellige Siege gelungen.

Ich spreche hier sicher nicht über zweistellige Siege. Das ist auch eine Form von Respekt. Es kommt immer darauf an, ein Spiel erst mal zu gewinnen.

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