17. Mai 2018 / 07:33 Uhr

Hasenhüttl bei RB Leipzig: Sympathieträger, Teamplayer, Identifikationsfigur

Hasenhüttl bei RB Leipzig: Sympathieträger, Teamplayer, Identifikationsfigur

Anne Grimm
September 2016: Der erste große Sieg gegen Dortmund – mit Oliver Burke (l.) und Timo Werner. 
September 2016: Der erste große Sieg gegen Dortmund – mit Oliver Burke (l.) und Timo Werner.  © imago/Contrast
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Der 50-jährige Österreicher hinterlässt in der Stadt und bei den Fans des Bundesligisten eine große Lücke. 

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Leipzig. Als Ralph Hasenhüttl vor zwei Jahren und 13 Tagen, am 4. Mai 2016, das erste Mal als RB-Trainer vor die Presse trat, vereinte ihn mit seinem neuen Verein bereits eines: Für beide Seiten war es bisher immer steil nach oben gegangen. Wie in einem Fußballmärchen setzte sich diese Gemeinsamkeit in der ersten Saison fort.

Vom ersten Sieg zu Hause gegen Dortmund, dank der Einwechslung des Torschützen Naby Keita, bis hin zum Erfolg im Berliner Olympiastadion, der die Teilnahme an der Königsklasse bedeutete. Zusammen feierten der Coach und seine Mannschaft nach einer berauschenden Premierenspielzeit mit 67 Punkten die Vizemeisterschaft in der Bundesliga.

Mit Sonnenbrille und Hut in die City

Die Fans liebten den 1,91 Meter großen Österreicher, der sich selbst nie so wichtig, dafür viel Zeit für die RB-Anhänger nahm. Auch wenn er sich bei privaten Ausflügen in die Stadt gern mit Sonnenbrille und Hut verkleidete, um nicht von jedem angesprochen zu werden. Er war einer, der die Menschen in Leipzig begeisterte, von seiner positiven Ausstrahlung etwas abgab.

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„Spaß und Erfolg darf man nicht in einen Gegensatz setzen“, lautet einer der Hasenhüttl-Leitsätze. Das spürten seine Spieler. Landsmann Stefan Ilsanker sagte mal: „Er macht das extrem gut. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch abseits. Jeder weiß, dass er ein offenes Ohr für ihn hat.“

Als Stürmer war Hasenhüttl in seiner aktiven Zeit eher faul, wie er stets mit einem Lächeln zu Protokoll gab. Ein Teamplayer aber schon immer. Im Trainergeschäft kam die nötige Akribie hinzu. Stets lobte er die Arbeit seines Mitarbeiterstabs bei RB. Die Mühen schlugen sich in 120 Bundesligapunkten nieder, ein Schnitt von fast 1,8 pro Spiel – kein Coach im Oberhaus erreichte in den vergangenen zwei Jahren eine bessere Ausbeute als der Österreicher.

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Schnelles Umschalten, Pressing, Lösungen mit dem Ball – in allen Nuancen war RB nach seinem ersten Bundesligajahr reifer geworden, wenn man das bei dem jüngsten Kader der Liga so sagen kann. Hasenhüttl vollbrachte keine revolutionären Veränderungen, er führte die erfolgreiche Arbeit im Verein auf seine Art fort – in einem Tempo, dem er als Spieler selbst nie hätte folgen wollen. Seine Spezialität: Psychologische Kniffe und Motivationsvideos, um seine Fußballer zu Höchstleistungen zu bringen.

„Vom Fluch der guten Taten“ sprach Hasenhüttl in seinem zweiten Jahr bei RB Leipzig oft, wenn es mal nicht nach Plan lief. Die vielen Rückschläge der ersten Saison mit internationaler Doppelbelastung waren für alle Neuland. Auch der Trainer beging einige Fehler, wie er später eingestand.

Anspannung und Stress standen ihm immer öfter ins Gesicht geschrieben – doch er blieb bei Niederlagen wie bei Siegen und in den rund 100 Pressekonferenzen in dieser Saison vor allem eins – fair und immer bereit für einen lockeren Spruch.

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Eine Flut von Gegentoren (vor allem nach Standards), eigene Standard-Schwäche, Rotation, kaum Zeit zum Trainieren und fehlende Mentalität in der Rückrunde waren die Baustellen 2017/2018. Doch aus den Tälern kämpft sich RB wieder heraus, bis ins Viertelfinale der Europa League in Marseille. Sein Team setzte im Heimspiel gegen die Bayern (2:1) und zum Saisonfinale gegen Wolfsburg (4:1) und in Berlin (6:2) noch mal alle Kräfte frei. Platz sechs – die Europa League-Quali – war geschafft.

Vier Tage später ist die Ära Hasenhüttl bei RB trotz aller Erfolge beendet. Auch wenn er sich im Winter, weil er seinen Vertrag nicht verlängern wollte, verzockt hat, ist er sich am Ende treu geblieben. Dass seine Leistungen vom Verein nicht mit einer Verlängerung seines Kontrakts belohnt wurden, konnte er nur als Misstrauensvotum sehen und die Reißleine ziehen.

Garantie nur bei der Waschmaschine

„Sicherheit gibt es in dem Geschäft keine. Wer Garantie haben möchte, der soll sich eine Waschmaschine kaufen“, hatte Hasenhüttl im ersten LVZ-Interview 2016 gesagt. Nun verlässt er den Verein vorzeitig. Diesmal nicht, weil ihm der Klub wie in den vorangegangenen Stationen zu klein, sondern weil die Diskrepanz mit den Entscheidungsträgern zu groß geworden ist.

Dem Grazer, der in emotionalen Momenten nah am Wasser gebaut ist, blieb ein angemessener Abschied von der Mannschaft verwehrt. Denn die befindet sich seit Anfang der Woche im Urlaub. Kapitän Willi Orban hatte noch am Sonnabend in Berlin die Qualitäten des Trainers gelobt und betont, „dass seine taktische Variabilität und seine Mentalität sehr gut zu uns passen“. Viele RB-Fans trauerten am Mittwoch um den Verlust „eines Sympathieträgers und einer Identifikationsfigur“, andere nahmen es mit Galgenhumor und twitterten: „Weiß schon jemand, wann sein Abschiedsspiel ist?“

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