RB-Trainer Ralph Hasenhüttl spricht im zweiten Teil des Interviews über Hierarchien im Team, einen spannenden Oktober und Jupp Heynckes RB-Trainer Ralph Hasenhüttl spricht im zweiten Teil des Interviews über Hierarchien im Team, einen spannenden Oktober und Jupp Heynckes © Christian Modla
RB-Trainer Ralph Hasenhüttl spricht im zweiten Teil des Interviews über Hierarchien im Team, einen spannenden Oktober und Jupp Heynckes

RB Coach Ralph Hasenhüttl: „Unsere Aufgabe und Philosophie ist es, neue Keitas zu finden“

Der RB-Trainer spricht im zweiten Teil des LVZ-Interviews über Hierarchien im Team, einen spannenden Oktober und Jupp Heynckes

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Leipzig. Das kurze Durchschnaufen für RB-Trainer Ralph Hasenhüttl wegen der Länderspielpause endet heute. Nach den ersten englischen Wochen der Saison hatte der Coach seinen Spielern drei Tage freigegeben, sofern diese nicht mit ihren Nationalmannschaften unterwegs waren. Im zweiten Teil des LVZ-Interviews spricht Hasenhüttl über die Sisyphusarbeit bei der Entwicklung junger Stars, seine selbstbestimmte Zukunft beim Vizemeister sowie altersgerechte Geschenke, die ein 50-Jähriger von seinen Spielern zum Geburtstag bekommt.

Vor der letzten Partie in Köln haben Sie mehr Teamgeist gefordert. Wie sehr hat der durch Transfergerüchte und den schnellen Erfolg im ersten Bundesligajahr gelitten?

Der große Unterschied zum letzten Jahr ist einfach, dass wir viel mehr Konkurrenz haben. Gestandene Spieler merken, dass Neue in die Mannschaft drängen. Das muss aber auch so sein. Nur so entwickelt sich ein Team weiter. Natürlich können auch neue Hierarchien entstehen. Dass die dafür sorgen, dass es am Anfang vielleicht mal so etwas wie Spannungen gibt, ist völlig normal. Und das ist auch gut, denn es gibt nichts Älteres als den Erfolg von gestern.

Es klingt so, als müsste sich der Teamgeist, der RB Leipzig in den letzten Jahren ausgezeichnet hat, neu entwickeln?

Ja, aber das ist ein ganz normaler Prozess, wenn neue Spieler dazukommen, die sich erstmal den Lorbeer und die Anerkennung der Truppe verdienen müssen. Über gemeinsame Erfolge verbindet sich das ganze später wieder und wird zu einer Einheit. Mit noch mehr Qualität, als wir sie vorher hatten.

Der Verein hat sicher gehofft, dass mit dem fixen Wechsel von Keita nächsten Sommer nach Liverpool mehr Ruhe einkehrt. Trotzdem kommen immer wieder neue Gerüchte auf. Nervt das den Trainer?

Es nervt nicht, weil man es nur als Randnotiz zur Kenntnis nimmt und entsprechend einordnen kann. Nerven würde es mich, wenn ich jedes Mal darauf angesprochen werden würde und ich immer aufs Neue sagen müsste, dass Naby bis nächsten Sommer bleibt.

"Es wird generell in Deutschland perspektivisch wahrscheinlich immer schwieriger, Leistungsträger zu halten." © Christian Modla

Verbunden mit Transfers ist es interessant, wohin der Leipziger Weg führt. Ist es ein Verein, der weiterhin junge Spieler ausbildet und damit rechnen muss, dass sie ein, zwei Jahre später wieder weg sind. Oder kann sich RB so weiterentwickeln, dass man seine Leistungsträger langfristig hält?

Es wird generell in Deutschland perspektivisch wahrscheinlich immer schwieriger, Leistungsträger zu halten. Wenn sie in der Bundesliga top Leistungen bringen, kommen aus dem Ausland immer wieder interessante Anfragen für die Jungs. Vor allem mit den Mannschaften in England kann man oftmals nicht mithalten. Das ist auch bei anderen Vereinen so, siehe Dortmund in diesem Sommer. Dass wir viel Arbeit und Aufwand betreiben, Spieler aufbauen und dass sie irgendwann wieder weg sind, ist nicht unrealistisch. Aber wenn man mit der Ausgangslage umgehen kann, ist genau das die spannende Aufgabe.

Also ist es ein Prozess, den man als Bundesligist gar nicht stoppen kann?

Ich weiß gar nicht, ob man ihn mit aller Macht aufhalten muss. Klar sehen wir gerne Keita und Dembélé in der Bundesliga. Aber bis vor einem Jahr kannte Keita kaum jemand. Unsere Aufgabe und unsere Philosophie ist es, neue Keitas zu finden, zu holen und zu versuchen aus Spielern mit Potenzial Spieler mit Topformat zu machen. Wenn man sich allein nur das letzte Jahr ansieht, dann ist uns das bei Spielern wie Timo Werner, Naby Keita, Emil Forsberg, Marcel Sabitzer, Dayot Upamecano und noch einigen anderen sehr gut gelungen.

Im Oktober stehen die ersten Wochen der Wahrheit bevor: Wenn es sehr gut läuft, ist man weiterhin in drei Wettbewerben dabei. Wenn es ganz schlecht läuft, ist man Anfang November schon im DFB-Pokal und der Champions League ausgeschieden.

Ein spannender Oktober. Mir geht es in erster Linie darum uns selbst zu beweisen, wie weit wir in unserer Entwicklung sind. In Dortmund hat seit zwei Jahren kein Verein mehr gewonnen. Es wird spannend, ob wir es schaffen, dort etwas mitzunehmen. Dann spielen wir zweimal gegen die Topmannschaften Bayern und Porto. Das sind schon große Kaliber.

Der Sportschauclub hat kürzlich Ihre legendäre Hasi-Rolle als Stürmer nach Torerfolgen herausgekramt. Würden Sie die als Trainer unter gewissen Umständen noch einmal vorführen?

Nein, garantiert nicht. In der Champions League sowieso nicht, da würde wohl der Anzug reißen. (lacht)

"Es wäre schön, wenn ich mir selbst aussuchen könnte, wie lange ich bleiben möchte." © Christian Modla

Ihre durchschnittliche Amtszeit auf der Trainerbank eines Vereins liegt bei 2,5 Jahren. Können Sie sich vorstellen, dass das in Leipzig deutlich länger wird?

Es wäre schön, wenn ich mir selbst aussuchen könnte, wie lange ich bleiben möchte. Dann hat man als Trainer schon sehr viel geschafft. Das konnte ich bei den letzten zwei Vereinen und habe es von mir aus beendet. Solange du als Trainer erfolgreich bist, klappt das auch. Aber damit beschäftige ich mich jetzt überhaupt nicht.

Sie haben bei RB Leipzig noch die gleiche Vertragslaufzeit wie Ralf Rangnick, nämlich bis 2019. Kürzlich war in der LVZ zu lesen, dass der Sportdirektor bald verlängern will. Würde Sie das zusätzlich motivieren?

Ralf darf gerne zuerst verlängern. Dann hat man als Trainer Klarheit. Aber wie gesagt, soweit mache ich mir über meine Zukunft keine Gedanken. Ich habe ja noch anderthalb Jahre einen Vertrag.

Sie sind seit zehn Jahren Cheftrainer. Wie lange kann man den Beruf auf hohem Niveau ausüben, ohne eine Pause zu benötigen?

Die Frage stellt man sich nach so intensiven Wochen, wie wir sie jetzt gerade hatten, auch selbst. Ich weiß es nicht. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, den Job ausüben zu können. Aber ich bewundere auch alle, die seit vielen Jahren in dem Geschäft auf dem Niveau der Belastung standhalten. Wenn ich den Job ausübe, dann mit Perfektion und voller Hingabe, weil ich um alles in der Welt erfolgreich sein möchte. Da ist mir auch kein Weg zu weit. Wie lange ich das kann, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehen.

"Wenn ich den Job Bundesligatrainer ausübe, dann mit Perfektion und voller Hingabe, weil ich um alles in der Welt erfolgreich sein möchte." © Christian Modla

Wie sehr lebt man als Bundesligatrainer eigentlich in einer Parallelwelt?

Wenn man sich – wie in den letzten vier Wochen – keinen einzigen Tag freinehmen kann, dann ist es etwas Neues. Aber auch daran gewöhnt man sich. Der erste Block war jetzt intensiv, ich bin gespannt, wie sich die zweite Phase anfühlt.

Es ist zwar schon ein paar Wochen her, aber was hat Ihnen die Mannschaft eigentlich zum 50. Geburtstag geschenkt? Es muss etwas Großes gewesen sein. Ich habe gehört, es gab Transportprobleme?

Es war ein wunderschönes Geschenk, das dem Alter entsprechend wahrscheinlich auch Sinn macht. Zum 50. Geburtstag schenkt man dem Trainer einen Golf Caddy, der mit einem Elektromotor selbst fährt, damit er ihn nicht mehr schieben muss. Ich habe das als Wink mit dem Zaunpfahl zur Kenntnis genommen, mich aber riesig gefreut.

Einer Ihrer neuen Kollegen ist um einiges älter als Sie. Was sagen Sie zum neuen/alten Bayern-Coach Jupp Heynckes?

Es ist sicher ungewöhnlich, dass sich jemand mit 72 Jahren noch mal den Aufgaben eines Bundesligatrainers stellt. Aber Hut ab, vor allem wenn man so einen Abgang hatte wie Jupp Heynckes, schon alles gewonnen hat und sich eigentlich mit den Erfolgen zur Ruhe setzen kann. Dann noch mal eine solche Herausforderung anzunehmen, Respekt. Ich freue mich, dass er wieder da ist.

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