Robert Klauß auf dem Trainingsplatz von RB Leipzig Robert Klauß auf dem Trainingsplatz von RB Leipzig. © Christian Modla
Robert Klauß auf dem Trainingsplatz von RB Leipzig

RB-Leipzig-Coach Klauß: „Sie dürfen nicht denken, dass sie jetzt schon Stars sind“

RB Leipzigs U19-Trainer Robert Klauß hat eine spannende und anspruchsvolle Saison vor sich. Sein Team startet gleich in vier Wettbewerben, ganz nebenbei absolviert der 32-Jährige noch seinen Fußballlehrer.

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Leipzig. Landespokal, DFB-Pokal, U19-Bundesliga und Youth League. Hinzu kommt für Trainer Robert Klauß die zehnmonatige Ausbildung zum Fußball-Lehrer. Seine Jungs müssen neben dem Fußball jeden Tag zur Schule gehen. Das Programm des 32-Jährigen und seines Teams bei RB Leipzig ist in dieser Saison extrem sportlich und fast noch anspruchsvoller, als das der Profis von Ralph Hasenhüttl.

Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht Klauß über den ersten Wettbewerb auf internationaler Bühne, die Mehrfachbelastung der jungen Fußballer, neue Zeiten auf der Trainerbank sowie bei der Motivation des Nachwuchses.

Sie hospitieren während Ihres Fußballehrers bei Ralph Hasenhüttl – wie läuft das ab?

„Aktuell bin ich drei Wochen dort. Dann wird es im Oktober nochmal eine Phase von zwei Wochen und im Januar von drei Wochen geben. Es ist angedacht, dass man in der Profiabteilung eines Vereins hospitiert, der in der 1. oder 2. Liga spielt. Für diejenigen, die in einem Nachwuchsleistungszentrum arbeiten, ist es möglich, das im selben Verein zu machen. Das ist für mich natürlich super, weil ich mich dann auch viel um die U19 kümmern kann. Sobald Termine kollidieren, entscheide ich mich immer für den Nachwuchs, sonst bin ich bei den Profis.“

Sie waren vergangene Saison Coach der U23. Wie groß ist nun der Unterschied zur U19?

„Die Arbeitsweise ist anders, weil wir jetzt ausschließlich Schüler haben. Das heißt, wir können nie vor 16.30 Uhr trainieren. Letztes Jahr in der U23 hatten wir Studenten, Auszubildende, ein paar, die nur Fußball gespielt haben. Wir konnten die Trainingszeiten anders legen. Die Jungs kommen auch nicht frisch ins Training, sondern hatten vorher acht Stunden Schule. Das ist ein großer Unterschied. Sie sind von ihrer Entwicklung natürlich noch nicht so weit, wie die U23-Spieler, aber es ist hinsichtlich ihrer Ausbildung noch mehr möglich, weil sie jünger sind.“

RB hat die U23 abgeschafft, damit Talente noch früher an die Profis herangeführt werden können. Wie viele Spieler aus ihrem Team haben das Potential, mal in der Bundesliga zu spielen?

„Wir haben in der Vorbereitung mit Nicolas Kühn, Elias Abouchabaka, Kilian Ludewig und Erik Majetschak vier Spieler bei den Profis dabei gehabt, auch bei den Testspielen. Sie sind nah dran, obwohl sie erst 2000er Jahrgang sind. Dann haben wir im Jahrgang 1999 noch Spieler, die im erweiterten Kreis der Nationalmannschaft sind: Kilian Senkbeil, Marc Dauter, Mert Yilmaz – das sind Jungs, bei denen ich auch keine Bedenken hätte, sie zu den Profis zu schicken.“

Fotos: RB Leipzig U19 - Eintracht Frankfurt U19

Legen Sie den Fokus auf einen bestimmten der vier Wettbewerbe in dieser Saison?

„Klar ist, dass die Bundesliga Priorität hat, weil wir dort jede Woche gefordert sind. Die anderen Wettbewerbe haben ihren speziellen Reiz. Im DFB-Pokal kann ich mit fünf Siegen einen Titel holen. Mit der Youth League braucht man keinen Spieler zu motivieren. International zu spielen, hat einen besonderen Reiz.“

Welche speziellen Herausforderungen bringt die Youth League mit sich?

„Für die Jungs ist das Reisen per Flugzeug natürlich neu. Auch das ganze Drumherum beim Spiel. Davon müssen wir die Jungs etwas fern halten, sie sollen sich auf ihr Spiel konzentrieren können. Sie stehen im Fokus, weil einige Partien live im Internet oder Fernsehen übertragen werden. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Jungs begreifen müssen, dass es immer wieder wie ein Feiertag ist, aber dass ihre Zukunft insbesondere darin liegt, dass sie hier am Cottaweg vernünftig trainieren, zur Schule gehen und gute Spiele abliefern. Das ist das Wichtigste.“

Also ist es Ihre Hauptaufgabe, die Mannschaft am Boden zu behalten?

„Ja, denn sie müssen hier am nächsten Morgen wieder in die Schule gehen und dürfen nicht denken, dass sie jetzt schon Profi oder Stars sind, nur weil sie einmal mit dem Flugzeug nach London geflogen sind.“

Der gebürtige Leipziger Marco Rose hat vergangene Saison mit dem Salzburger Nachwuchs die Youth League gewonnen. Haben Sie sich mit ihm schon ausgetauscht?

„Wir haben während der letzten Youth-League-Saison häufig kommuniziert. Ich habe ihm immer viel Glück gewünscht, weil ich ihn gut kenne. Aber ich habe mir keine speziellen Tipps geholt.“

Was bedeutet Ihnen persönlich die Teilnahme an der Youth League? Marco Rose hat den Erfolg mit dem Nachwuchs in Salzburg genutzt, ist nun Trainer der Profis geworden. Ist es für Sie auch eine Plattform, um sich zu zeigen?

„Ich kenne Marco, es war nicht sein Ansinnen, sich damit zu profilieren. Er wollte einfach seinen Job so gut wie möglich machen. So sehe ich das auch. Sicher ist es was anderes und eine tolle Sache, gegen den Nachwuchs von Monaco oder Porto zu spielen, aber es wird mich persönlich nicht verändern.“

Ist der Nachwuchs eine Station, wo Sie sich auch noch in fünf Jahren sehen, oder wollen Sie später lieber im Männerbereich in den oberen Ligen Fuß fassen?

„Ich plane so etwas ungern. Bisher bin ich immer gut damit gefahren, in die aktuelle Aufgabe alles reinzuhauen, was in mir steckt. Ich bin jetzt nicht mehr oder weniger motiviert, als zu dem Zeitpunkt, als ich U14-Trainer war. Ich hatte bisher immer Glück, dass ich tolle Aufgaben bekommen habe. Aber im Fußball bringt es nichts, das zu planen. Das liegt auch nicht in meinem Charakter.“

Robert Klauß hospitiert bei den Profis unter Ralph Hasenhüttl Im Rahmen der Fußballlehrer-Ausbildung hospitiert Robert Klauß auch bei Ralph Hasenhüttl. © Christian Modla

Mit Julian Nagelsmann und Domenico Tedesco sorgen gerade sehr junge Trainer in der Bundesliga bei Hoffenheim und Schalke für Furore. Bricht in Deutschland die Ära einer neuen Generation auf der Bank an?

„Das ist ein Prozess, der schon länger im Gange ist. Vor zehn Jahren hat man noch gesagt, das ist eine Eintagsfliege. Da sind Leute wie Jürgen Klopp und später Thomas Tuchel gekommen. Mit Julian und Domenico sind jetzt sehr junge Trainer bei sehr erfolgreichen Vereinen untergekommen. Da ist die Aufmerksamkeit natürlich nochmal ein Stück größer. Dieser Prozess hat angefangen, mit der Professionalisierung der Nachwuchsleistungszentren. Wir arbeiten fast auf einem ähnlichen Niveau, wie Bundesligamannschaften. Das heißt, der Schritt von der U19 zum Bundesligatrainer ist in der Arbeitsweise gar nicht mehr so groß. Die Spieler werden immer jünger, die es in den Profibereich schaffen und die Trainer demnach auch.“

Seit wann gibt es die professionellen Nachwuchsleistungszentren?

„Verpflichtend wurden sie 2001 eingeführt, für alle Erstligisten. Ein, zwei Jahre später auch für die Zweitligisten. Aber so einen richtigen Schub und die Professionalisierung kam erst so ab 2008. Dann werden natürlich auch die Trainer besser.“

Was hat ein junger Trainer einem alten Trainer voraus?

„Der Trainerberuf ist einfach generell jünger geworden. Früher war man mit 50 ein junger Trainer, heute mit 35. Früher war man mit 65 noch mittendrin, heute gibt es in dem Alter nur noch wenige Trainer. Die Altersgrenze verschiebt sich einfach.“

Weil die Anforderungen komplexer und für einen jungen Trainer besser zu bewältigen sind?

„Die Trainer kommen automatisch viel früher in den Beruf und es gibt keinen, der 30 Jahre auf höchstem Niveau arbeitet, weil das als Job einfach zu intensiv und teilweise auch zehrend ist. Man hat eine gewisse Zeitspanne, in der man investiert und dann ist es gut. Früher war das in der Spanne zwischen 45 und 65. Heute eher etwas früher.“

Lesen Sie außerdem zu diesem Thema den Artikel: RB Leipzigs U19 duelliert sich mit Europas „Schwergewichten“

Was für ein Trainertyp sind Sie?

„Ich finde es völlig okay, wenn die Jungs Fehler machen. Damit habe ich überhaupt kein Problem, wenn sie daraus lernen und Freude am Fußball haben. Wenn jemand sein Pensum nur abarbeitet, dann kann ich auch ungemütlich werden. Es gibt nichts schöneres, als Fußball zu leben.“

Ist es schwieriger geworden, junge Leute vom Leistungssport zu begeistern?

„Es ist nicht schwieriger, sie dafür zu begeistern. Was schwieriger wird, dass sie dafür Entbehrungen in Kauf nehmen. Es gibt viele Verlockungen und man hat auch die Möglichkeit, ein super Leben zu haben, wenn man kein Fußballprofi ist. Alles für diesen Traum zu investieren, fällt einigen schon etwas schwerer. Weil man jede Menge äußere Einflüsse hat. Dass sich ein Spieler nur auf die drei Säulen Familie, Schule, Fußball fokussiert wie noch vor 20 Jahren, ist inzwischen weniger der Fall.“

Erik Majetschak RB Leipzig U17 Gehört zu den ganz großen Talenten in Klauß' aktuellem Team: Erik Majetschak. © Andreas Döring

Wie ärgerlich ist es als Trainer, wenn man viele Jahre in einen Spieler investiert hat und er dann plötzlich aussteigt?

„Wenn du Nachwuchstrainer bist, dann siehst du dich als Dienstleister. Ich mache es ja nicht für mich. Es ist meine Aufgabe, die Jungs bestmöglich auf das vorzubereiten, was in der Zukunft mal kommt oder kommen könnte. Wenn die Jungs für sich entscheiden, dass sie nicht alles investieren wollen, dann ist das für mich okay und ich bin nicht persönlich enttäuscht. Das bin ich nur, wenn ein Spieler ganz mit Fußball aufhört. Dann haben wir es nicht geschafft, die Freude zu erhalten, ein Leben lang Fußball zu betreiben. Dann muss ich mich als Trainer hinterfragen.“ 

Sie sind einer der wenigen Männer der ersten RB-Stunde, waren nach Ihrer aktiven Karriere vor allem im Jugendbereich tätig. Was hat sich in den vergangenen Jahren im Nachwuchs des Vereins verändert?

„Wir haben ab einem gewissen Punkt bemerkt, dass uns die Realität und die rasante sportliche Entwicklung der Profimannschaft ein Stück weit einholt. Durch den Erfolg der Profis und des Klubs ist auch eine Erwartungshaltung im Nachwuchs entstanden. Immer wieder kam die Frage, wann es denn der Erste mal zu den Profis schafft. Dann erinnern wir immer daran, dass der Verein 2009 gegründet wurde. Aber es gab auch schon ein paar Meilensteine und Erfolge im Nachwuchs.“

Welche waren das?

„Die erste Teilnahme am Halbfinale der deutschen Meisterschaft 2015 parallel mit der U17 und der U19. Mit der U17 sind wir zweimal in Folge Staffelmeister geworden. Ein riesen Meilenstein war natürlich die Eröffnung der Akademie. Auch der Aufstieg der Profis in die Bundesliga war für den Nachwuchs wichtig. Dadurch finden wir eine ganz andere Beachtung. Wir sind jetzt sogar Nachwuchsleistungszentrum eines Champions League Teilnehmers, bilden auch dafür aus. Das ist schon eine anspruchsvolle und spannende Aufgabe.“

50 RB-Leipzig-Spieler und was aus ihnen geworden ist

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