Roland Hohberg wanderte 1990 nach Mosambik aus. Anfang 2017 gründete der 57-Jährige in Maputo mit mehr als 50 früheren DDR-Vertragsarbeitern den ersten RB-Leipzig-Fanclub in Afrika. Roland Hohberg wanderte 1990 nach Mosambik aus. Anfang 2017 gründete der 57-Jährige in Maputo mit mehr als 50 früheren DDR-Vertragsarbeitern den ersten RB-Leipzig-Fanclub in Afrika. ©
Roland Hohberg wanderte 1990 nach Mosambik aus. Anfang 2017 gründete der 57-Jährige in Maputo mit mehr als 50 früheren DDR-Vertragsarbeitern den ersten RB-Leipzig-Fanclub in Afrika.

RB Leipzig in Mosambik: Von „Oh Scheiße“ bis „Golo“ ist alles dabei

Ein Exil-Leipziger gründete in Mosambik den bisher einzigen RB-Leipzig-Fanclub in Afrika

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Maputo/Leipzig. 1990 zog der Leipziger Roland Hohberg nach Mosambik. Anfang des Jahres gründete der 57-Jährige in Maputo mit mehr als 50 früheren DDR-Vertragsarbeitern den ersten RB-Leipzig-Fanclub in Afrika. Wir sprachen mit dem Leiter des deutsch-mosambikanischen Kulturinstituts über die Gründe auszuwandern, afrikanische Fußballbegeisterung und den Traum, ein Spiel in der Red-Bull-Arena zu sehen. Der Skandal um den Führerschein von Naby Keita wird hier eher gelassen gesehen.

Herr Hohberg, warum haben Sie den RB-Fanclub in Afrika gegründet?

Roland Hohberg vom RB-Fanclub in Mosambik: Ich habe bis zur Wende in Leipzig gelebt – wenn auch jahrelang mit einem Ausreiseantrag – , liebe die Stadt sehr, bin großer Fußballfan. Für KKW Greifswald bin ich selbst in der DDR-Liga aufgelaufen. Die Afrikaner habe ich mit dem RBL-Fieber angesteckt. Gemeinsam fiel der Entschluss, den Fanclub zu gründen.

Warum sind Sie 1990 ausgewandert?

Zum einen war es Abenteuer- und Reiselust nach 30 Jahren Reiseeinschränkungen in der DDR. Dann eine Faszination für afrikanische Kultur und schließlich auch die Erfahrungen als Gründer der Connewitzer Alternative e.V. Wir haben uns damals für die Integration der Afrikaner eingesetzt und mussten erfahren, dass die Ausländerfeindlichkeit immer mehr zunahm. Als ausgebildeter Regelungstechniker für Atomkraftwerksanlagen hatte ich nach der Wende zudem kaum berufliche Perspektiven.

Wie viele Menschen konnten Sie für RB begeistern?

Wir sind derzeit 55 eingetragene Mitglieder. Doch nehmen wir mit Saisonbeginn wieder neue Mitglieder auf. Zwei sind Deutsche, sonst Mosambikaner, alle ehemalige DDR-Vertragsarbeiter.

Es gibt keine Zeitverschiebung. Werden die Spiele im TV gezeigt?

Ich wohne auf dem Land, da war es lange Zeit schwierig. Seit September 2016 gibt es hier ein neues TV-Paket – alle Bundesligaspiele live. Als Leiter des deutsch-mosambikanischen Kulturinstituts ICMA in der Hauptstadt Maputo habe ich zu Jahresbeginn dafür gesorgt, dass wir auch dort die Sportkanäle empfangen – fast 9000 Kilometer von Leipzig. Im Veranstaltungssaal des Instituts gibt es Platz für etwa 100 Leute.

Fotos: Naby Keita bei RB Leipzig

Beschreiben Sie mal eine RB-Übertragung in Mosambik!

Das ist ein lustiger Mix aus Kommentaren in Deutsch und Portugiesisch. Von „Oh Scheiße“ bis „Golo“ (Tor) ist alles dabei.

Die Stimmung ist ausgelassen?

Ja, sehr. Viele Mitglieder bringen ihre Frauen mit, obwohl sie oft außerhalb der Hauptstadt wohnen und sich öffentliche Verkehrsmittel schwer leisten können. Vor allem wenn Naby Keita und Timo Werner am Ball sind, wird schon bei Dribblings aufgesprungen. Bei besonderen Spielen, wie beim 4:5 im Mai gegen die Bayern, spendiere ich auch mal für jedes RBL-Tor ein Freibier. Von Brumas Hammer gegen Freiburg wurde wochenlang geschwärmt.

Haben Sie Fanartikel?

Im Juli ist ein Geschenkpaket vom Fanclubbetreuer eingetroffen – mit Schal, Wimpel und Aufnähern. Weitere Fanartikel gibt es hier noch nicht, aber wir sind gerade dabei, eine Fahne mit unserem Fanclub-Logo zu bemalen.

Wie wird die Kommerzdebatte um RB wahrgenommen?

Das wird hier gar nicht debattiert, im Vordergrund steht das Sportliche. Die ehemaligen Gastarbeiter sind sehr stolz auf den Vertreter des Ostens in der Bundesliga. Egal, ob sie in Leipzig, Dresden oder Magdeburg gelebt haben.

Und der Führerschein-Skandal um Keita?

Das sieht man hier eher gelassen, weil es für viele Afrikaner, die in Europa ihr Glück suchen, manchmal keine andere Chance gibt, als hier oder da falsche Angaben zu machen oder gefälschte Dokumente vorzulegen. Was uns eher verwundert ist, dass er seinen Fehler nicht gleich korrigiert und sich für eine Führerscheinprüfung angemeldet hat.

Mehr zum Thema: RB Sportdirektor Ralf Rangnick: "Wir stehen Naby zur Seite!"

Was sagen Sie zum Konflikt zwischen der Ultra-Szene und dem DFB?

Ich halte die Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs für berechtigt, obwohl klare Finanzstrategien wichtig sind. Vor allem die horrenden Transfersummen für die Profis wirken sich nicht nur sehr negativ auf die für den Fußball so wichtige Fankultur und die Vereinsidentität aus. Wir in Entwicklungsländern kritisieren, dass die soziale Kompenente der Fußballförderung, die für die gesellschaftliche Entwicklung und Armutsbekämpfung in Afrika extrem wichtig ist, damit in den Hintergrund gerät.

Was können Sie noch über die mosambikanischen RB-Fans berichten?

Geschätzte 20 000 Mosambikaner waren als Gastarbeiter in der ehemaligen DDR oder haben dort studiert, viele von ihnen in Leipzig. Mosambikanische Trainer wurden an der DHfK ausgebildet. Die deutsche Sprache ist in keinem Land Afrikas so sehr verbreitet wie in Mosambik. Die meisten Gastarbeiter sind heute jedoch arbeitslos, weil ein geplantes Reintegrationsprogramm nach der deutschen Wiedervereinigung nicht umgesetzt wurde und ihnen die ins Heimatland überwiesenen Sozialversicherungsbeiträge auch Jahrzehnte nach ihrer Rückkehr nicht ausgezahlt wurden.

Was leisten Sie mit dem Institut?

Wir wollen die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern wiederbeleben und den ehemaligen Vertragsarbeitern ihre Würde und kulturelle Identität zurückgeben. Wir helfen bei der Suche nach vermissten Familienangehörigen und kümmern uns um die Förderung der deutschen Sprache. Wir wollen weiter Partnerschaften aufbauen, um hier in einem der ärmsten Länder der Welt dabei zu helfen, den Fußballnachwuchs und den Frauenfußball zu fördern.

Wann waren Sie zuletzt in Leipzig?

Vor gut zehn Jahren. Aus finanziellen Gründen ist es nicht einfach, häufiger zu kommen. Ich möchte gern einmal ein Spiel von RB Leipzig in der Red-Bull-Arena sehen, vielleicht klappt es in der neuen Saison. Mein 30-jähriger Sohn wohnt in Dresden ja auch nicht weit weg.

Ist er wie ihr jüngster Sohn (7) auch RB-Fan?

Mein Ältester, Benjamin, interessiert sich nicht für Fußball. Neo, der Jüngste, umso mehr. Er bewundert Yussuf Poulsen und Naby Keita regelrecht. Wenn es uns gelingt, später neben verschiedenen Herren- und Frauenmannschaften auch ein Nachwuchsteam des „Fanclub-Mosambik“ zu fördern, gehört er gewiss zum Aufgebot. Vielleicht läuft ja eines der mosambikanischen Talente dann in zehn Jahren auf dem Rasen der RB-Arena auf.

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