14. März 2018 / 08:50 Uhr

RB Leipzigs Abwehrchef Willi Orban hat Lust auf das Viertelfinale der Europa League

RB Leipzigs Abwehrchef Willi Orban hat Lust auf das Viertelfinale der Europa League

Guido Schäfer
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Willi Orban (@ Imago)
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Im Interview spricht er über Stuttgart, Petersburg, Bayern, Baldrian und Per Mertesacker

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Leipzig. RB-Abwehrchef Willi Orban gehört zu den Dauerbrennern bei den Roten Bullen, absolviert morgen (19 Uhr) in St. Petersburg sein schon 32. Pflichtspiel der Saison. Der gebürtige Pfälzer Orban, 25, über die Lust aufs Viertelfinale der Europa League, das 0:0 bei den Stuttgartern, Per Mertesackers Bekenntnisse im Spiegel und mögliche Meister-Festivitäten des FC Bayern am Sonntag in Leipzig.

Als Sie 2016 auf den Lauterer Betzenberg zurückkehrten, schlugen Ihnen Anfeindungen der FCK-Fans entgegen. Wie haben Sie den Empfang der Stuttgarter Fans für den verlorenen Sohn Timo Werner empfunden?

Das bei mir war damals eine andere Hausnummer, am Sonntag blieb das absolut im Rahmen. Timo ist als Fußballer und Mensch gereift, hat alles gut verpackt. Wir sind froh, dass er bei uns bleibt.

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Ist der eine Punkt in Stuttgart zu wenig für die gewachsenen Ansprüche?

Wir wollten die drei Punkte, waren aber insgesamt nicht zwingend genug. Die Stuttgarter sind extrem schwer zu bespielen, haben nach Bayern die wenigsten Gegentore. Punkte liegengelassen haben wir daheim gegen Köln. Stichwort gewachsene Ansprüche: Wir spielen unser zweites Jahr in der Bundesliga, sind vier Punkte von der Champions League weg und noch international dabei. Das fühlt sich gut an und wird von vielen Leuten und neutralen Beobachtern gewertschätzt.

Wie war es so gegen Mario Gomez? Riecht er so gut wie er aussieht?

Ich rieche nicht an meinen Gegenspielern. Es war wie immer gegen ihn – hart, aber herzlich. Ich spiele gerne gegen Gomez.

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Was geht für RB in St. Petersburg?

Wir wollen ins Viertelfinale und wissen, dass uns da ein großer Brocken im Weg steht.

Glaubt Ihr allen Ernstes an eine Chance auf den Gewinn der Europa League?

Wir sind jetzt erstmal im Achtelfinale, der Fokus liegt voll auf St. Petersburg. Wir wollen in jedem Spiel und in jedem Wettbewerb das Maximum. Es wird kein Meter Boden hergeschenkt, wir sind heiß. Und es ist auch für Deutschland und die Uefa-Rangliste wichtig, dass wir international so weit wie möglich kommen.

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Bei den internationalen Spielen läuft es flüssiger als in der Liga.

Die Spiele in der Europa League kommen uns ein Stück weit entgegen. Die anderen Mannschaften kennen unser Spiel noch nicht so genau, richten ihr Spiel nicht so intensiv nach uns aus.

In der Bundesliga scheuen Teams wie der VfB Stuttgart das Risiko, lassen kaum Balleroberungen durch RB zu. Das hat immer weniger mit Fußball zu tun. Heiligt der Zweck die Mittel?

Spiele mit offenem Visier werden tatsächlich immer seltener, das ist schade. Aber das müssen wir annehmen und Antworten darauf finden.

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Wie erholen Sie sich in den zehrenden englischen Wochen?

Ich schlafe viel, trinke keinen Tropfen Alkohol, nehme vorm Zubettgehen ein paar Tropfen Baldrian. Das fährt das Nervensystem runter.

Wann gehts ins Bett?

Spätestens um 23 Uhr. Die Mehrfachbelastung ist für Kopf und Körper belastend. Wir mussten im ersten halben Jahr Erfahrungen sammeln, lernen und für uns einen Weg finden, wie wir die Speicher schnell aufladen. Das funktioniert immer besser.

Wie gut ist die sooo wichtige Stimmung in der Mannschaft?

Nur mit guter Stimmung holst du keine Punkte. Außerdem stellt sich die Frage, was zuerst da ist.

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Huhn oder Ei, Stimmung oder Erfolg?

Wenn du Erfolg hast, ist die Stimmung gut. Also muss man hart arbeiten für eine gute Stimmung.

Wenn ein paar Mal nicht gewonnen wird, kommen die Themen Grüppchenbildung und Ego-Trips aufs Tapet. Wie ist das bei Euch?

Wir haben unterschiedliche Typen im Kader. Ruhige, weniger Ruhige, ein paar ganz Junge und ein paar Ältere wie mich. Das ist völlig normal. Wir haben einen guten Teamspirit. Mich interessiert nicht, wer welches Auto fährt oder wer sich wie anzieht.

Naby Keitas roter Hut würde Ihnen stehen.

Ganz bestimmt. Wichtig ist, dass bei aller Unterschiedlichkeit alle an einem Strang ziehen. Und das ist bei uns absolut der Fall.

Per Mertesacker hat ein aufsehenerregendes Interview gegeben, schildert darin Versagensängste, spricht vom unmenschlichen Druck, der gerade auf ihm im Abwehrzentrum lastete. Können Sie sich in den Berufskollegen hineinversetzen?

Ja, kann ich. Ich habe den Artikel gelesen und finde es richtig und mutig, das so offen zu thematisieren. Mir tut es leid für Per, dass er seinen Beruf nicht oder nicht immer genießen konnte, dass ihm das so nah gegangen ist.

Mehr zum Interview mit Per Mertesacker

Mertesacker hat hunderte Profispiele gemacht, eine sensationelle Karriere hingelegt. Wie kann es ein Mann, der innerlich so zerrissen war, auf der Showbühne Profifußball schaffen?

Auf mich machte er immer einen souveränen und reflektierten Eindruck. Dass er trotz seiner Probleme so lange und konstant auf diesem hohen Niveau Fußball gespielt hat, kann man gar nicht hoch genug einschätzen.

Mertesacker hätte halt aufhören sollen, sagt Lothar Matthäus.

Es steht mir nicht zu, das aus der Ferne zu beurteilen oder zu kommentieren. Vielleicht hat er ja mit dem Gedanken gespielt, aber immer wieder gehofft, dass es sich irgendwann besser anfühlt. Er ist seinen Weg gegangen und der war für ihn scheinbar der richtige.

Per Mertesacker: Seine Karriere in Bildern:

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Wie gehen Sie mit den extremen Belastungen des Jobs um? Ist Ihnen vorm Anpfiff speiübel?

Mir geht es vorm Anpfiff gut. Fußball ist kein Krieg, es geht nicht um Leben und Tod. Aber der Druck ist bekanntermaßen im Profifußball da, du musst liefern. Und du willst liefern, die bestmögliche Leistung bringen. Damit muss man aber umgehen können, das ist Teil dieses Berufs. Als Abwehrspieler weißt du – da bin ich komplett bei Per Mertesacker –, dass jeder Fehler entscheidend sein kann. Aber bei all dem Druck überwiegen für mich persönlich definitiv die positiven Seiten des Berufs. Und ich spreche jetzt nicht von Geld und einem Dienstwagen.

Oliver Kahn vermisst das Glücksgefühl nach einem wichtigen Sieg, das Bad im Entmüdungsbecken mit Kollegen. Meinen Sie das?

Auch das. Wichtig ist, dass man seinen Beruf genießen kann. Und unser Beruf bietet meiner Meinung nach viele Möglichkeiten dazu.

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Kahn sagt auch, dass er nach seiner Karriere nie wieder so viele Glückshormone wie währenddessen ausgeschüttet hat.

Da hat er Recht. Wir Fußballer erleben unendlich viel. Und wir erleben es sehr intensiv.

Am Sonntag können die Bayern mit einem Sieg in Leipzig Meister werden. Wenn die Konkurrenz patzt.

Dass die Bayern Meister werden, ist klar. Aber sie werden es nicht bei uns. Und das hat nichts mit den Ergebnissen von Schalke oder Dortmund zu tun.

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