RB Leipzig Coach Ralph Hasenhüttl stellte sich im großen LVZ-Interview den Fragen von Anne Grimm.  RB Leipzig Coach Ralph Hasenhüttl stellte sich im großen LVZ-Interview den Fragen von Anne Grimm.  © Christian Modla
RB Leipzig Coach Ralph Hasenhüttl stellte sich im großen LVZ-Interview den Fragen von Anne Grimm. 

RB-Coach Hasenhüttl: Werner überbelastet - Keita verliert den Rhythmus

Im ersten Teil des großen LVZ-Interviews spricht RB-Coach Ralph Hasenhüttl über die Dreifachbelastung, die Lehren aus der Überbelastung von Timo Werner und die Gründe für die fehlende Form seiner Stars Naby Keita und Emil Forsberg.

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Leipzig. Nach den ersten englischen Wochen der Saison heißt es kurz durchschnaufen für Trainer Ralph Hasenhüttl. Der 50-Jährige gab seiner Mannschaft von Samstag bis Montag drei Tage frei. Im ersten Teil unseres Interviews spricht der Coach von RB Leipzig über die englischen Wochen, die Lehren aus der Überbelastung von Timo Werner und die Gründe für die fehlende Form seiner Stars Naby Keita und Emil Forsberg.

Die ersten englischen Wochen der Saison inklusive Champions League sind vorbei – war es schöner oder schlimmer, als Sie es sich vorgestellt haben?

Hasenhüttl: Von der Intensität her war es heftiger. Das Gefühl, alle drei Tage aufzustehen und zu wissen, es ist schon wieder ein Spiel, ist sehr intensiv. Insgesamt war es nicht nur für die Spieler, sondern auch für uns Trainer eine sehr lehrreiche Zeit. Gegen Ende solcher Phasen passt man schon auf, dass man nicht die 500. Videoanalyse macht und den 500. Gegner vorstellt. Die größte Herausforderung ist momentan, dass wir Dinge, die vielleicht noch nicht so gut funktionieren, durch weniger Trainingseinheiten nicht so nachhaltig trainieren können. Daraus resultiert, dass du ins nächste Spiel gehst, ohne dass du es richtig schaffen konntest, diese Aspekte auf dem Platz besser zu machen, sondern es nur in Analysen angesprochen hast.

Ralph Hasenhüttl: Ralph Hasenhüttl: "Das Gefühl, alle drei Tage aufzustehen und zu wissen, es ist schon wieder ein Spiel, ist sehr intensiv." © Christian Modla

Das ist aber ein Punkt, den Sie in den nächsten englischen Wochen nicht ändern können.

Hasenhüttl: Ja, das ist die größte Herausforderung. Aber das geht nicht nur uns so, sondern allen Vereinen, die in dem Rhythmus spielen. Die nächsten Mannschaften, die wir empfangen, spielen bis auf Hannover und Stuttgart fast alle aller drei Tage – Bayern, Porto, Dortmund. Deswegen ist die Ausgangsposition für alle gleich.

Was gab es noch für wichtige Erkenntnisse aus dieser ersten intensiven Phase?

Hasenhüttl: Wir haben eine sehr genaue Auflistung darüber, wieviel Belastung jeder bekommen hat. Wir haben gesehen, dass Spieler dann Probleme bekommen, wenn sie vier, fünf Spiele am Stück gemacht haben. Dann solltest du ihnen eine Pause geben. Timo Werner war der Einzige, der das nicht gemacht hat, sondern durchgespielt hat. Zum Schluss wurde es anscheinend ein bisschen zu viel. Das war eine Lehre für uns. Wir müssen einen Spieler dann herausnehmen, auch wenn er sich selber gut fühlt und positiven Stress in der Form hat, dass er immer Tore schießt. Man muss Spieler trotzdem auch dann schützen, wenn sie im Grunde immer spielen wollen.

RB Coach Ralph Hasenhüttl über Timo Werner: Man muss Spieler trotzdem auch dann schützen, wenn sie im Grunde immer spielen wollen. RB Coach Ralph Hasenhüttl über Timo Werner: Man muss Spieler trotzdem auch dann schützen, wenn sie im Grunde immer spielen wollen. © Christian Modla

Timo Werner hat bis zu seiner kreislaufbedingten Auswechslung in Istanbul keine Pause bekommen. War das samt Confed-Cup im Sommer vor allem eine körperliche Überbelastung oder gibt es inzwischen andere Erkenntnisse zu den Ursachen?

Hasenhüttl: Die Blockade im Halswirbel kommt von einer Überbelastung, durch die zahlreichen Spiele in kurzer Zeit. Klar, dass man dann anfälliger ist. Deswegen können wir die Zeit jetzt glücklicherweise nutzen, um ihm eine Pause zu geben.

Mehr zum Thema: Warnsignale für Werner! RB Leipzig-Coach Hasenhüttl: "Unterm Strich enorme Belastung!"

Gehen Sie davon aus, dass er nächsten Samstag in Dortmund wieder dabei ist?

Hasenhüttl: Wir werden die Belastung zu Beginn der Woche langsam steigern und schauen, wie er das verkraftet. Ich hoffe, dass er gegen Dortmund wieder einsatzbereit ist.

Bis auf die drei Nachwuchsakteure Palacios, Abouchabaka und Kühn sind schon alle 22 Feldspieler zum Einsatz gekommen. Wie zufrieden sind Sie mit der Rotation?

Hasenhüttl: Wir haben bisher 13 Punkte aus sieben Spielen geholt. Das ist trotz der Dreifachbelastung fast so viel wie letzte Saison. Das ist eigentlich noch höher einzuschätzen als die Leistung im letzten Jahr, denke ich. Generell haben wir das gut gemacht, auch wenn es mal Ansätze von Kritik gibt, weil man Spiele nicht gewinnt, so wie in Augsburg. Aber damit muss man umgehen. Es gibt nicht so viele Bundesligisten, die schon jedem Spieler eine Chance gegeben haben. Das sorgt dafür, dass wir eine gute Stimmung in der Truppe haben und sich jeder gebraucht fühlt. Das wird ein wichtiger Schlüssel sein übers Jahr, um bei allen die Motivation so hoch wie möglich zu halten.

Ralph Hasenhüttl ist mit den bisher erreichten Ergebnissen in der Bundesliga zufrieden: Ralph Hasenhüttl ist mit den bisher erreichten Ergebnissen in der Bundesliga zufrieden: "Wir haben bisher 13 Punkte aus sieben Spielen geholt. Das ist trotz der Dreifachbelastung fast so viel wie letzte Saison." © Christian Modla

Von den sieben Neuzugängen konnten bisher vor allem Augustin, Bruma und Kampl auf sich aufmerksam machen. Sind das auch die drei Spieler, von denen Sie am meisten erwartet haben?

Hasenhüttl: Wir erwarten von jedem Spieler viel. Aber das waren zumindest die namhaftesten Neuzugänge und die, die bisher die meisten Spielzeiten bekommen haben. Wir haben auch mit Ibrahima Konaté noch einen sehr interessanten Spieler dazu bekommen, der uns helfen wird. Konrad Laimer hat es auch immer sehr gut gemacht, wenn er gespielt hat. Das Problem ist, dass wir auf dieser Position viel Konkurrenz haben. Mit den Neuzugängen bin ich sehr zufrieden. Ich habe immer die Möglichkeit, gut zu rotieren.

Dafür sieht es bei Dominik Kaiser, Marvin Compper und Benno Schmitz mit Einsatzzeiten noch mau aus. Bei Kaiser und Schmitz war das nach der vergangenen Saison etwas abzusehen. Aber bei Compper ist es überraschend, weil er letztes Jahr viele Spiele gemacht hat.

Hasenhüttl: Wir haben den Auftrag, einen Spieler wie Dayot Upamecano zu entwickeln, weil er ein Riesen-Potenzial hat und ihm auf dem Niveau, auf dem wir uns bewegen, die Zukunft gehört. Er ist ein sensationeller Innenverteidiger, der die Spiele braucht. Dieser Ansatz geht zum Teil vielleicht auch zu Lasten der erfahrenen und älteren Spieler, aber auch die haben eine Aufgabe zu erfüllen. Und zwar das Niveau im Training hochzuhalten, der verlängerte Arm des Trainers zu sein. Diese Spieler sind sich dieser Rolle bewusst und füllen sie so aus, wie wir das erwarten.

Sie fordern immer wieder mehr Arbeit gegen den Ball und in der Defensive. Warum funktioniert das noch nicht so gut, wie im Premierenjahr in der Bundesliga?

Hasenhüttl: Das ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass wir uns in diesem Bereich nicht so viele Automatismen erarbeiten können. Das haben wir in der Saisonvorbereitung versucht, auch weil wir einige neue Spieler haben. Aber wir müssten das genauso auch während der Saison schulen. Das geht nur leider gerade nicht. Daraus resultiert, dass man defensiv ein bisschen anfälliger ist. Dafür haben wir nach vorne mehr Lösungen. Das spricht dafür, dass wir uns mehr in die Richtung entwickeln, die sich nicht aufhalten lässt. Nämlich dass wir eine Spitzenmannschaft werden wollen und müssen. Weil Mannschaften gegen uns wesentlich defensiver stehen, als das noch vor einem Jahr der Fall war.

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung, wenn ihr Team das Spiel gestalten muss?

Hasenhüttl: Da haben wir in den letzten Wochen große Fortschritte gemacht. Das Rad lässt sich nicht zurückdrehen. Wir kommen jetzt als Champions-League-Teilnehmer irgendwo hin. Da stellen sich viele erstmal hinten rein und versuchen, ihren eigenen Laden sauber zu halten. Der Gegner tut uns immer weniger den Gefallen, Bälle im Mittelfeld zu verlieren, sondern spielt meist lang. Es wird immer öfter darauf ankommen, dass wir im Ballbesitz noch variabler werden.

Ralph Hasenhüttl: Ralph Hasenhüttl: "Wir müssen bei Ballbesitz noch variabler werden." © Christian Modla

Sie haben in den zwei Wettbewerben unterschiedliche Rollen: In der Champions League als Neuling, in der Bundesliga als Vizemeister – wo fühlen Sie sich wohler?

Hasenhüttl: Wir fühlen uns in beiden Rollen wohl. Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, wo wir herkommen und dass es alles andere als selbstverständlich ist, auf beiden Bühnen eine bedeutende Rolle spielen zu können und zu wollen. Man merkt, dass sehr schnell von einer Krise gesprochen wird, wenn wir in Augsburg nicht gewinnen, weil die Ansprüche vielleicht auch ein Stück weit mitgewachsen sind. Wir haben fast so viele Punkte wie letztes Jahr zu dem Zeitpunkt, aber es fühlt sich anders an. Ich sehe uns in der Champions League tatsächlich als Außenseiter. Aber in dem Wettbewerb haben wir noch alle Chancen, uns für die nächste Runde zu qualifizieren. Wir wären aber nicht die erste Mannschaft, die in ihrem ersten Jahr in der Champions League noch nicht die Sterne vom Himmel spielt, weil viel Neues auf das junge Team einprasselt.

Naby Keita und Emil Forsberg zeigen sich noch nicht von ihrer besten Seite. Woran liegt das?

Hasenhüttl: Fakt ist, dass die Vorbereitung von beiden durch Verletzungen oder Krankheiten unterbrochen war. Emil wird jetzt aber immer fitter. Das ist ein gutes Zeichen. Was ihm noch ein bisschen fehlt, sind die Erfolgserlebnisse, dass er ein Tor macht und sich belohnt. Das löst auch die Blockade bei einem Offensivspieler. Naby hat sich natürlich mit der Roten Karte (gegen Gladbach, anschließend drei Spiele Sperre, d. Red.) keinen Gefallen getan, weil er dadurch den Rhythmus ein wenig verliert und zusätzlich mit kleineren Verletzungen zu kämpfen hatte. Natürlich hängen sie auch noch ein bisschen ihren eigenen Ansprüchen hinterher, die sehr hoch sind. Dass, was sie letztes Jahr geleistet haben zu toppen, ist nicht leicht. Emil war der beste Vorlagengeber, Naby hat überragende Spiele gemacht. Ich gehe fest davon aus, dass sie nach den Länderspielen wieder ihre Topleistungen bringen. Das wird notwendig sein, auch weil die Konkurrenz innerhalb des Kaders groß ist.

Fotos: Naby Keita bei RB Leipzig

Emil Forsberg hat in Köln zum zweiten Mal die Kapitänsbinde getragen, obwohl Diego Demme, der zum Mannschaftsrat gehört, auf dem Feld stand. Warum eigentlich?

Fotogalerie: Emil Forsberg bei RB Leipzig

Hasenhüttl: Das lief nicht ganz so wie geplant. Es wurde falsch an den Schiedsrichter weitergegeben. Diego weiß, dass er eigentlich Kapitän hätte sein sollen. Emil weiß, dass er für mich eigentlich auch ein Kapitän ist. Damit waren beide zufrieden, und wir haben das Spiel gewonnen.

Im zweiten Teil des Interviews lesen Sie in unserer morgigen Ausgabe, wie sehr Ralph Hasenhüttl die ständigen Transfergerüchten belasten und welche altersgerechten Geschenke er von seinen Spielern zum Geburtstag bekommen hat.

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