20. Dezember 2017 / 08:43 Uhr

RB Leipzigs Oliver Mintzlaff: „Haben weder Krise noch Mini-Krise“

RB Leipzigs Oliver Mintzlaff: „Haben weder Krise noch Mini-Krise“

Guido Schäfer
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RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff ist mit dem Verkauf des Fußballjahres für seinen Club mehr als zufrieden.
RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff ist mit dem Verkauf des Fußballjahres für seinen Club mehr als zufrieden. © Picture Point
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Der Geschäftsführer der Roten Bullen blickt im Exklusiv-Interview auf ein bewegtes Fußball-Jahr 2017.

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Leipzig. Die Fußballer von RB Leipzig verabschiedeten sich am Montag nach kurzen Andachten von Sportdirektor Ralf Rangnick, 59, und Coach Ralph Hasenhüttl, 50, in die Winterferien. Am 2. Januar wird wieder trainiert, am 13. Januar, 18.30 Uhr, steigt das Heimspiel gegen Schalke. RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff tritt am Mittwoch seinen Urlaub an, entspannt in der Bonner Heimat und nahm sich vorher eine Stunde Zeit zum exklusiven Interview. Mintzlaff, 42, über Höhen und Tiefen des Fußball-Jahres 2017, Stadionausbau, kalte Unioner Winde und Ziele/Wünsche für 2018. Wohltat: Nach Sportbuzzer-Informationen steigen die nationalen TV-Gelder für RB 2018 von 25 Millionen Euro auf annähernd 40 Millionen Euro. Grund ist eine andere Wohltat: Die im Mai errungene Vizemeisterschaft.

Als ehemaliger Mittelstreckler sind Ihnen die Segnungen eines Waldlaufes bekannt. Wie viele Kilometer und Glückshormone hat es gebraucht, um das 2:3 gegen Berlin zu verpacken?

Ich laufe immer aus Lust, nie aus Frust. Dass wir enttäuscht über den Ausgang des Spiels waren, ist klar. Aber als Sportsmänner müssen wir anerkennen, dass es Hertha besser als wir gemacht hat. Ich habe Hertha nach dem Spiel gratuliert und nächstes Jahr greifen wir wieder an. Unser Ziel bleibt, dass wir uns wieder für Europa qualifizieren.

Durchklicken: Bilder vom Hinspiel gegen Hertha

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In den vergangenen Wochen mussten Sie des Öfteren gratulieren. Der Mainzer Profi Fabrizio Hayer hat in einer Krise einmal gesagt, er wisse auch nicht, wo der Wurm hängt. Wissen Sie es?

Wir haben weder eine Krise noch eine Mini-Krise. Hinter den Bayern ist alles eng. Mit einem Sieg gegen Hertha wären wir Zweiter. Jetzt sind wir Fünfter mit 28 Punkten. Es stimmt, wir haben Punkte liegen lassen, aber immer noch ein sehr ordentliches ersten Halbjahr hingelegt. Schauen Sie sich mal die vergangene Saison und die Probleme arrivierter Mannschaften wie Wolfsburg, Leverkusen oder Gladbach an. Noch mal: Wir hätten gerne auf die fünf sieglosen Spiele verzichtet, sind aber absolut im Soll. Wir haben den Bayern einen sensationellen Pokalfight geliefert, ich bin auch mit den sieben Punkten in der Champions League nicht unzufrieden. Und die Spiele gegen Neapel in der  Europa League sind gefühlt zwei weitere in der Champions League.

Die Teilnahme an der Königsklasse spült über 20 Millionen Euro in die Kasse. Wenn man davon die Prämien abzieht, bleibt eine nette Summe.

Natürlich ist die Champions League nicht nur sportlich höchst interessant, sondern auch finanziell höchst lukrativ.

Platz zwei macht sich in der Fünf-Jahres-Wertung bei der Verteilung des nationalen TV-Topfes bemerkbar. Zuletzt kassierte RB schmale 25 Millionen Euro und Bayer Leverkusen über 70. Dank der Vizemeisterschaft kassiert RB 2018 an die 40 Millionen...

In den Betrachtungszeitraum fallen natürlich unsere zwei Jahre in der zweiten Liga. Dementsprechend sind die Einnahmen aus dem nationalen TV-Topf bisher sehr überschaubar. Mit jedem Jahr in der Ersten Bundesliga und einer ordentlichen Platzierung verbessern wir diese Einnahmequelle signifikant.

Was war für Sie der emotionalste Moment der Saison 2016/2017?

Es gab in der Vorrunde ein lang anhaltendes Gefühl, das fast rauschhaft war. Wir waren ewig unbesiegt, haben achtmal hintereinander gewonnen. Das war unglaublich. Aber so richtig emotional berührt war ich beim Heimspiel gegen Leverkusen. Willi Orban fliegt vom Platz, es steht unentschieden, und unsere Jungs wollen mehr. Und dann macht Yussi kurz vorm Ende den Siegtreffer. Da wusste ich, dass das ein besonderes Team ist. Und eine Mannschaft im Wortsinn eben doch mehr ist als die Addition aus elf Einzelspielern.

Durchklicken: Bilder vom Sieg gegen Leverkusen

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War und ist die Vizemeisterschaft auch ein Ballast?

Wenn, dann ist es ein schöner Ballast. Wir betreiben Leistungssport und haben uns diesen zweiten Platz erarbeitet. Wir sind nicht im Aufzug gefahren, wir haben die Treppe genommen. Und das mit einer unglaublichen Geschwindigkeit. Als wir nach dem Bundesliga-Aufstieg 2016 von einer hoffentlich sorgenfreien ersten Bundesliga-Saison sprachen, war das keine Tiefstapelei, sondern geschah aus Überzeugung. Keiner hatte eine derartige Saison auch nur ansatzweise auf dem Schirm. Dass die Erwartungen der Öffentlichkeit und der Fans nach der Vize-Meisterschaft brutal gestiegen sind, kann man nicht wegdiskutieren.

Wie geht man mit Erwartungen um?

Wir machen uns nicht kleiner als wir sind, streben auch in unserem erst zweiten Bundesliga-Jahr das Optimum an. Wir vergessen aber auch nicht, wo wir hergekommen sind, dass wir nach wie vor eine junge Mannschaft haben und in Sachen Etat um Platz sechs, sieben mitspielen müssten. Wir haben uns die Dreifach-Herausforderung mit Bundesliga, Pokal, Champions League sehr hart erarbeitet und können dann nicht jede Woche die Dreifach-Belastung thematisieren. Fakt ist aber, dass die Situation neu für uns alle ist und wir Lernende sind.

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Könnte es sein, dass das Münchner Interesse an Herrn Hasenhüttl „dank“ des mäßigen Jahresausklanges erkaltet ist?

Ich weiß nichts von einem Münchner Interesse an unserem Cheftrainer. Ralph Hasenhüttl steht bis 2019 unter Vertrag – und wir werden uns zu gegebener Zeit zusammensetzen und über eine Vertragsverlängerung sprechen. Da ist kein Druck auf dem Kessel. Wir sind glücklich mit unserem Trainer. Und wir schauen bei der Bewertung von Mannschaft und Trainer übrigens nicht nur von Wochenende zu Wochenende. Die letzten 18 Monate waren fantastisch.

Die Gespräche mit Marcel Sabitzer...

... laufen. Wir wollen, dass Sabi noch lange bei uns spielt.

Dann legen Sie ihm doch ein fantastisches Angebot vor.

Es geht nicht nur ums Geld. Marcel will genau wissen, wie es weitergeht, wie eine gemeinsame Entwicklung aussehen kann.

Sabitzer will Titel gewinnen.

Dagegen haben wir grundsätzlich nichts einzuwenden.

Marvin Compper wechselt zu Celtic Glasgow. Bekommt er von RB eine Art Wegzehr? Kassiert RB eine Ablöse?

Ich äußere mich nicht zu Zahlen.

Mehr zum Personal

Dominik Kaiser kam zuletzt geradezu inflationär zum Einsatz. Ist sein winterlicher Abgang damit vom Tisch?

Wir haben Dominik viel zu verdanken, er ist und bleibt bei uns willkommen. Aber der Fußball ist unberechenbar. Wenn Dominik morgen ein sensationelles Angebot eines anderen Vereines bekommt und das machen will, sprechen wir miteinander.

Dayot Upamecano hat eine 100-Millionen-Euro-Ausstiegsklausel. Da haben Sie ziemlich gut verhandelt, Herr Mintzlaff.

Über Vertragsinhalte habe ich nie geredet und fange jetzt nicht damit an. Unser Dank gilt bei Dayot vor allem Ralf Rangnick. Er hat ihn für uns entdeckt und zu uns geholt. Ralf ist der Motor unseres Erfolges, er hat bei Transfers eine fantastische Erfolgsquote und insgesamt einen unfassbaren Mehrwert geschaffen.

Sie waren federführend bei den Verhandlungen mit der Uefa in Sachen Startplatz Champions League. Das Ja-Wort der Sittenwächter hing am seidenen Faden?

Es waren sehr intensive Wochen und Monate, in denen wir unsere Hausaufgaben gemacht haben. Der Austausch mit der Uefa war immer offen und zielführend. Es wurde wirklich jeder Stein hochgehoben. Das mit dem seidenen Faden ist ihre Interpretation. Wir waren und sind froh, dass die Angelegenheit zu einem guten und richtigen Ende geführt hat.

Lassen Sie künftig die Finger von Salzburger Spielern?

Wir schließen natürlich nicht aus, dass wir auch künftig einen Spieler aus Salzburg verpflichten. Ralf Rangnick hat in seiner Zeit in Salzburg viele Eckpfeiler gesetzt, beide Clubs suchen nach ähnlichen Fußballern. Wo ist das Problem?

Mehr zur Hinrunde

Ihr Kontrakt läuft 2019 aus, Dietrich Mateschitz hätte an dieser Stelle gerne Planungssicherheit. Wann verlängern Sie?

Ich werde mich im Januar mit dem Aufsichtsrat darüber abstimmen.

Wann wird Hand ans Stadion gelegt? Und in welchem Umfang?

Wir werden uns darüber im Januar mit allen Beteiligten in einem Workshop verständigen. Was wird gemacht, was erhöht das Erlebnis und den Komfort für unsere Fans, was ist auch aus finanzieller Sicht Erfolg versprechend? 250 Stufen bis zum Sitzplatz wollen wir unseren Fans nicht mehr zumuten. Der Zuschauer darf sich nicht mehr die Frage stellen, ob er in der Pause auf die Toilette geht oder ein Bier trinkt, weil er beides zusammen zeitlich nicht schafft. Wir wollen auch den digitalen Service verbessern. Beispielsweise mit einer Service-App über die kürzeste Anreise, den kürzesten Weg zum Platz, die neuesten Merchandising-Angebote.

Gegen Mainz und Berlin war die Red-Bull-Arena nicht ausverkauft. Ist vor diesem Hintergrund ein Ausbau von 43. 000 auf 52. 000 oder 57. 000 Plätze vorgesehen?

Ersteres. Mit der Option auf 57. 000 auszubauen. Mit der Zuschauer-Resonanz sind wir absolut zufrieden, kleinere Dellen sind normal.

Wann rollen die Bagger?

Geplant ist, dass im Sommer der erste größere Aufschlag erfolgt. Aber bis dahin müssen wir noch viel Vorarbeit erledigen.

Blick zurück: Der Bau des Leipziger Zentralstadions

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Der Altersschnitt der RB-Fans ist vergleichsweise hoch.

Wir sind total happy mit unseren treuen Fans, müssen aber natürlich auch für Nachwuchs sorgen. Wir kooperieren mit der Uni, mit Schulen und sprechen somit auch mehr und mehr junge Leute an. Kidsklub, Fußballschulen, Kampagnen, unsere Sportler – wir gehen auch auf die jungen Menschen zu, ohne unsere treuen Fans zu vernachlässigen.

Der Präsident von Union Berlin würde niemals nie einen Spieler von RB Leipzig verpflichten, sagt er. Weil die schrecklich verderbt sind beziehungsweise sein müssen.

Wir stehen vor dem Fest der Liebe. Ich wünsche dem Mann ein frohes Fest.

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