RB-Sportdirektor Ralf Rangnick hat die Situation bei den Roten Bullen stets fest im Blick. RB-Sportdirektor Ralf Rangnick hat die Situation bei den Roten Bullen stets fest im Blick. © dpa
RB-Sportdirektor Ralf Rangnick hat die Situation bei den Roten Bullen stets fest im Blick.

RB Leipzigs Sportdirektor im Interview: „Die Hütte muss gegen Bayer brennen“

Ralf Rangnick glaubt an die Fans der Roten Bullen – und nicht an einen Stimmungsboykott im Spiel gegen Leverkusen.

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Leipzig. Interviews mit Ralf Rangnick haben sich in jüngerer Vergangenheit ausgedünnt. Der Sportdirektor der Rasenballer ist im Dauerstress, plant die kommende Saison und gibt an vielen Fronten Gas, um die aktuelle zu einem Erfolg zu führen. Vor dem Montag-Hit gegen Bayer Leverkusen (20.30 Uhr, Red-Bull-Arena) nahm sich der 59-Jährige Zeit für den SPORTBUZZER, blickte auf das vorweggenommene Endspiel um eine erneute Champions-League-Qualifikation. Weitere Themen: Der Europapokal-Kraftakt beim 1:0 am vergangenen Donnerstag gegen Marseille sowie Dortmunds Neuzugang Matthias Sammer. Rangnick zeigt klare Kante in Sachen Wir-Gefühl. Er will ein volles Haus („Die Hütte muss gegen Bayer brennen“) und ist überzeugt, dass es nicht zu einem von diversen RB-Fans angeregten Stimmungsboykott wegen des ungeliebten Montag-Termins kommen wird. „Dazu sind unsere Fans viel zu reflektiert und im positiven Sinne anders.“

Ralf Rangnick: Seine besten Spüche

Der Vierte empfängt den Fünften. Mit einem Sieg gegen Bayer würde Ihre Mannschaft gegenüber Leverkusen auf vier Punkte davonziehen. Mehr Hit und Brisanz geht nicht.

Absolut. Es ist eines der bisher wichtigsten Spiele der Saison. Wenn wir in diesem vorweggenommenen Endspiel gegen Leverkusen gewinnen, machen wir einen Riesenschritt Richtung Champions-League-Qualifikation. Im ehrlichsten Wettbewerb, unserem täglichen Brot, der Bundesliga. Die erneute Qualifikation wäre in einer Saison mit Doppelbelastung eine unglaubliche und nicht hoch genug einzuschätzende Leistung.

Und wer Euch an diesem (Mon)Tag nicht zu unterstützen gedenkt, möge daheim bleiben, Fernsehen gucken und auf der Couch Chips essen.

Das haben Sie gesagt. Ich halte unsere Fans für zu reflektiert und im positiven Sinne anders, als dass sie uns ausgerechnet jetzt hängen lassen würden. Ich wünsche mir, dass jeder, der über einen Stimmungsboykott auch nur nachdenkt, nochmal in sich geht und für sich beantwortet, wen oder was er damit erreicht. Und wem er damit schaden würde.

Fan-Gruppierungen anderer Clubs haben ihr Mütchen an Montagsspielen gekühlt. Könnte es sein, dass einige RB-Anhänger diese Protestaktionen imitieren wollen, um der Bundesliga zu zeigen: Wir können das auch, wir trinken keinen Champagner, wir sind normale Fans, wir müssen gemeinsam den Montag als Spieltag killen.

Dafür hätte ich kein Verständnis. Und, wie gesagt: Ich habe unsere Fans anders kennen gelernt. Unsere Fans wissen, wo wir herkommen. Vor drei Jahren haben wir den Aufstieg in die zweite Liga gefeiert ...

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... und mussten ab und an montags spielen.

Wir durften ab und zu montags spielen. Weil der Montag als Auszeichnung für Geleistetes verstanden wurde und RB live und in Farbe in die deutschen Wohnzimmer gehievt hat. Ja, das war so.

Kann es sein, dass die Hintergründe des Bundesliga-Montags schlichtweg schlecht oder gar nicht öffentlich kommuniziert worden sind?

Fakt ist, dass alle 18 Erstligisten ja zu den fünf Montagsspielen gesagt haben. Und es ist auch Fakt, dass dieses Bekenntnis am vergangenen Freitag erneuert wurde. Das Ganze hat keinen kommerziellen Hintergrund, die fünf Montage machen weniger als ein Prozent der TV-Gelder aus. Der Sinn der Montagspiele ist, dass die Clubs, die am Donnerstag Europa League spielen, einen Tag länger Pause haben. Um in der Liga und international wettbewerbsfähig zu bleiben. Um möglichst viele Punkte für die Rangliste der Uefa zu sammeln. Und auch um den Sonntagspieltag des Amateurfußballs ein Stück weit zu schützen.

Die Vertreter von Eintracht Frankfurt haben sich kürzlich hingestellt, als hätten Sie nicht mit abgestimmt beziehungsweise gegen Montagsspiele gestimmt. Sie ließen gegen RB Hunderte Fans im Innenraum protestieren und freuten sich des montagkritischen Lebens.

Clubs, DFB, DFL und Fans sitzen am Ende doch alle in einem Boot. Alle wollen attraktiven und erfolgreichen Fußball. Und alle wollen möglichst viele deutsche Mannschaften im internationalen Geschäft.

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Und wer das eine will, muss das andere - Montage - mögen.

Zumindest akzeptieren. Fünf von 305 Spielen finden montags statt. Es wird künftig kein einziges Spiel mehr als jene fünf montags stattfinden. Das ist keine Zerstückelung des Spieltages, das hat nichts mit Geldgier zu tun, sondern ist sinnvoll und mehr als nachvollziehbar. Wir haben in dieser Saison übrigens ein einziges Montag-Heimspiel.

Beim 3:2 in Hannover gab es aus Protest gegen Club-Chef Martin Kind einen Stimmungsboykott. Die 2000 RB-Fans hatten die AWD-Arena im Griff. Fürchten Sie gegen Leverkusen Hannoveraner Verhältnisse?

Nein, fürchte ich nicht. Wie gesagt: Unsere Fans haben ein gutes Gespür für Situationen. Und ich bin mir sehr sicher, dass innerhalb der Fanszene bis zum Anpfiff rege diskutiert wird und wurde und wir gegen Leverkusen eine top Stimmung haben werden. Wir brauchen jeden einzelnen Fan, wie brauchen ein volles Stadion, die Hütte muss gegen Bayer brennen.

Was hat Ihnen am Spiel gegen Marseille gefallen?

Das Ergebnis – und dass wir kein Gegentor kassiert haben. Und die Stimmung im Stadion war fantastisch.

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Und sonst so?

Wir haben etwas zu viel zugelassen, den Gegner zu oft unbedrängt in gefährliche Zonen kommen lassen. Das müssen wir im Rückspiel und auch gegen Leverkusen wieder besser machen. Unser Netz war gegen Bayern München engmaschiger.

Leverkusen hat keine Doppelbelastung.

Das merkt man ihrem Spiel an. Wir hatten in der letzten Saison diesen Vorteil. Aber ich sehe kein grundsätzliches körperliches Problem bei uns. Die Trainingssteuerung funktioniert sehr gut.

Was treibt Ihr neuer Chefscout Paul Mitchell eigentlich so? Man sieht und hört nichts von ihm.

Ich sehe Paul und höre ihn auch.

Und haben diverse Topspieler in der Pipeline?

Gehen Sie davon aus, dass wir uns intensiv mit spannenden jungen Fußballern beschäftigen und auch in der kommenden Saison einen Kader haben werden, der Spaß macht.

Borussia Dortmund hat Matthias Sammer als externen Berater gewonnen. Gute Entscheidung?

Der BVB wird sich etwas dabei gedacht haben. Ich schätze Matthias sehr, er ist ein Fachmann, kennt das Geschäft von allen Seiten. Es macht Spaß, ihm zuzuhören.

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