28. August 2018 / 13:36 Uhr

Färbt die Fan-Euphorie auf die Spieler ab? Ortega: "Das mag ich überhaupt nicht"

Färbt die Fan-Euphorie auf die Spieler ab? Ortega: "Das mag ich überhaupt nicht"

Simon Lange
Antonio Carlos Ortega schaut nicht begeistert. Das Spiel gegen den VfL Gummersbach gewannen die Recken dank einer Aufholjagd. 
Antonio Carlos Ortega schaut nicht begeistert. Das Spiel gegen den VfL Gummersbach gewannen die Recken dank einer Aufholjagd.  © imago/Eibner
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Der TSV Hannover-Burgdorf startete mit einem Sieg in die Saison, der fast in letzter Sekunde klar gemacht wurde. Ein Kraftakt, der Trainer Carlos Ortega nicht gefiel. Was ihm zusätzlich missfällt, ist die Euphorie des Umfelds, die auf das Team abfärbt. 

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Die Recken schlugen eiskalt zu wie eine Spitzenmannschaft. Siegtor in letzter Sekunde, Gegner k. o.! Spiel gewonnen, obwohl man die schlechtere Mannschaft war. Das 26:25 in Gummersbach zum Auftakt der zehnten Recken-Saison in der Handball-Bundesliga brachte nur wenig Erquickliches. „Das einzig Gute war, dass wir bis zum Ende gekämpft haben“, krittelte ein unzufriedener Trainer Carlos Ortega, dessen Team gegen den Abstiegskandidaten ge­rade noch die Kurve bekommen hatte.

Ziemer: "Zäh wie ein Kaugummi"

Das aber auch nur, weil taktische Maßnahmen des Trainers endlich saßen und sich Gummersbach zu blöd anstellte, den greifbaren Sieg abzusichern. „Sie haben versucht, den Vorsprung über die Zeit zu retten, haben das Tempo verschleppt“, sagte Recken-Torwart Martin Ziemer, „das war zäh wie ein Kaugummi – und es ist von uns bestraft worden.“

Olsen dreht spät auf

Hannover war lange ei­nem Rückstand hinterhergelaufen, erst in der heißen Schlussphase war man in Schlagdistanz. Ziemer hielt einen Siebenmeter, Gummersbach lud die Recken mit einer doppelten Unterzahl zum Torewerfen ein – und zum Glück hatte Morten Olsen nach schwachem Start noch in die Partie gefunden. Der Spielmacher war am Ende bester Recke und bester Werfer (sechs Tore).

Siegtorschütze Timo Kastening fühlte sich direkt an die vergangene Saison erinnert: „Da hatten wir genauso ein Spiel – nur eine Woche vorher.“ Die Recken standen in der ersten Pokalrunde ge­gen Lübbecke schon vor dem Aus, mit einer Energieleistung bogen sie aber einen Sieben-Tore-Rückstand in einen Sieg um. Es war der Dosenöffner für die beste Saison aller Zeiten. Hannover legte in der Liga einen Re­kordstart mit 10:0 Punkten hin. Am Ende landeten die Recken auf Platz sechs und sicherten mit der Pokalfinal-Teilnahme die EHF-Cup-Qualifikation.

Morten Olsen (links) wird vom Gummserbacher Marvin Sommer (17) frontal angegriffen. Olsen verdanken die Recken sechs Tore und damit einem wesentlichen Anteil am knappen 26:25-Sieg.
Morten Olsen (links) wird vom Gummserbacher Marvin Sommer (17) frontal angegriffen. Olsen verdanken die Recken sechs Tore und damit einem wesentlichen Anteil am knappen 26:25-Sieg. © imago/Eibner
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Kastening: "Das nimmt etwas Dampf vom Kessel"

„Es war brutal wichtig, in Gummersbach zu siegen. Das nimmt etwas Dampf vom Kessel“, sagte Kaste­ning. Der Druck gegen den Bergischen HC am kommenden Sonntag daheim in der Swiss-Life-Hall (16 Uhr) wäre immens gewesen.

Erst Gummersbach, jetzt BHC, danach Göppingen und Minden – das klingt nach einem vermeintlich leichten Auftaktprogramm und wieder nach einem Top-Start mit möglichen 8:0 Punkten. Doch der Diensttrip ins Bergische Land hat gezeigt: Von allein geht nichts in der stärksten Liga der Welt. Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen, geht meist nach hinten los.

Mehr zum Spiel: Gummersbach vs. Recken

Ortega gefällt die abfärbende Euphorie nicht

Nach zuletzt drei Erfolgen gegen Gummersbach (letztes Spiel der Vorsaison plus zwei Partien in der Vorbereitung) war die Siegesgewissheit der Spieler vor Anpfiff möglicherweise sehr ausgeprägt. An der Vorbereitung habe es nicht gelegen, be­tonte Ortega: „Ich denke, wir haben uns sehr gut für dieses Spiel präpariert. Ich war wirklich zufrieden mit dem Training.“ Aber er verspürte in der Woche vorm Liga-Start Schwingungen, die ihm nicht gefielen. „Da war was in der Luft“, erklärte der Spanier nach dem Rumpel-Auftritt in Gummersbach. „Die Euphorie in Hannover und im Um­feld der Recken – alles ist fantastisch, alles ist gut! Das mag ich überhaupt nicht. Es färbt nämlich auf die Spieler ab.“

Ortega: "Wenn wir denken, wir seien gut, wäre das der Anfang vom Ende"

Ortega war noch nicht fertig mit seiner Moralpredigt. „Die Spieler müssen sich davon frei machen, dürfen nicht abheben. Wenn wir immer wie Krieger kämpfen, können wir Gutes schaffen“, sagte der Trainer mit Nachdruck: „Aber wenn wir denken, wir seien gut, wäre das der Anfang vom Ende.“ Ob Ortegas Ansage ankommt?

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