13. September 2018 / 19:06 Uhr

Reit-WM auf der Baustelle

Reit-WM auf der Baustelle

Jens Kürbis
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 In der Dressur: Kai Rüder mit Colani Sunrise.
 In der Dressur: Kai Rüder mit Colani Sunrise. © HFR
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Der Blieschendorfer Kai Rüder (47) hat auf seinem Wallach „Colani Sunrise“ das deutsche Vielseitigkeitsteam bei den Weltreiterspielen in Tryon (USA) zum Dressur-Auftakt auf Platz vier geführt. Im Sportbuzzer-Gespräch  berichtet er zudem von der riesigen Baustelle in North Carolina.

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Überall drehen sich Kräne und Bagger. Straßenasphaltiermaschinen schieben sich über ein Kiesbett. Die Weltreiterspiele in Tryon sind eröffnet, doch in jeder Ecke wird gebohrt, gehämmert, geschraubt. Tag und Nacht. „Selbst während der Eröffnungsfeier. Auf der Tribüne waren die Arbeiter hinter uns die ganze Zeit mit der Bohrmaschine zugange, sogar während der Hymne“, berichtet Kai Rüder, der das deutsche Vielseitigkeitsteam in der ersten von vier Dressur-Runden unter 16 Teams auf Platz vier geführt hat. Ihm folgen Julia Krajewski sowie am Freitag Andreas Dibowski und Ingrid Klimke.

Pfleger übernachteten in Zelten

Und das auf einer Baustelle: Der große Traum des Immobilien- Milliardärs Mark Bellisimo, der sein ohnehin schon großes Reitgelände zu einem Disneyland für acht Pferdesport-Disziplinen ausbauen wollte, wächst sich zum Albtraum aus. Von zwei Luxushotels steht nur das Fundament. Einige Pfleger mussten anfangs in 24-Mann-Zelten in Stockbetten übernachten. „Am großen Dressur-Stadion fehlten am Tag vor der Eröffnung noch Fenster und Stützen. Doch dann war alles fertig. Ein Wunder“, berichtet Rüder, der froh ist, dass er mit der Vielseitigkeitsequipe weit weg vom großen Lärm ist. „Unsere Pferde und die Wettkampfstätten sind in einem älteren Teil der Anlage, der schon fünf Jahre steht. Das ist ganz vorteilhaft.“ Reiter und Trainer sind 40 Minuten entfernt, im 37.000-Einwohner-Städtchen Spartanburg untergebracht. „Am Gelände zu wohnen wäre besser, aber alles ist halb so wild und machbar. Außerdem muss man fair sein – die Amerikaner sind erst vor 18 Monaten nach der Absage aus dem kanadischen Bromont eingesprungen“, erzählt Rüder.

Das Gelände in North Carolina ist eine Baustelle.
Das Gelände in North Carolina ist eine Baustelle. © dpa
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Rüder ist der deutsche Pathfinder

Mit der Erfahrung aus 30 Jahren Spitzensport bringen den Blieschendorfer die Umstände bei seinen zweiten Weltreiterspielen (nach 2002 in Jerez) nicht aus der Ruhe. Auch nicht die befürchteten Ausläufer des Hurrikans Florence. „Erstens soll der südlich vorbeiziehen. Und wenn, ändern, können wir es nicht. Jetzt haben wir 30 Grad, Sonne – alles ist gut. Ich bin bester Dinge, freue mich, dass es endlich losgegangen ist.“

Rüder ist mit seinem Wallach „Colani Sunrise“ als erster Deutscher in das Dressur-Viereck geritten, belegte mit 30,2 Fehlerpunkten Platz vier.  Nach einem Viertel des Starterfeldes führt Frankreich vor Neuseeland und Australien. Auch am Samstag im Gelände auf der 5700 Meter langen Strecke ist Rüder der Vorreiter. „Ich bin der Pathfinder, der Pfadfinder, an dem sich die anderen orientieren.“

Während der Eröffnungsfeier wurde hinter den Tribünen gebohrt.
Während der Eröffnungsfeier wurde hinter den Tribünen gebohrt. © imago

Reitschülerin Ida Navers kümmert sich um "Colani"

Der gelernte Landwirt und Pferdewirtschaftsmeister ist mit dem WM-Debüt von "Colani Sunrise" zufrieden. Er hatte schon vor dem Start bemerkt: „Er ist sehr wach, sehr motiviert.“  Er weiß sein Oldenburger Springpferd zudem in guten Händen. Mit ihm und „Colani Sunrise“ ist die Fehmaranerin Ida Navers nach Tryon gereist. Die Reitschülerin kümmert sich als Pflegerin um den WM-Novizen „Colani“, der mit dem Team dann am Sonntag aufs Podest springen soll. Die deutsche Equipe  ist Titelverteidiger.


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