henkel sammer Geniales Duo: Eurosport-Experte Matthias Sammer (l.) und Moderator Jan Henkel. © Nadine Rupp
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Relegation VfL Wolfsburg gegen Holstein Kiel: Jan Henkel "mag diese Spiele"

Er war 17 Jahre lang ein Gesicht von Sky, aber seit dieser Saison  moderiert Jan Henkel bei Eurosport – und zwar an der Seite von Experte und Ex-Nationalspieler Matthias Sammer. Am Donnerstagabend (20.30 Uhr), wenn der VfL im Relegations-Hinspiel gegen Zweitligist Holstein Kiel ran muss, sendet das geniale Duo aus der VW-Arena. Vor den nervenaufreibenden Duellen sprach WAZ-Sportredakteur Engelbert Hensel mit dem 44-Jährigen Henkel über Sammer, den VfL-Absturz und Underdog Kiel.

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Bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber Sky etwa verwenden Experten wie Erik Meijer modernste Technik, um dem Zuschauer taktische Dinge zu erklären. Matthias Sammer als Eurosport-Experte und Sie dagegen setzen auf die gute alte Taktik-Tafel. Ist das nicht ein bisschen Old-School-mäßig?
Gegenfrage: Ist  Pep Guardiola für Sie Old School?

Nicht wirklich...
...Pep Guardiola arbeitet in der Halbzeitanalyse mit seinen Mannschaften nur mit der Magnettafel.

Wer hatte die Idee, so etwas auch in die Sendung mit einzubeziehen?
Dafür muss ich ein bisschen ausholen: Nach einem Gespräch mit Julian Nagelsmann von 1899 Hoffenheim vor eineinhalb Jahren habe ich mich mal gefragt: Verstehe ich das alles noch, was er gerade in Sachen Taktik gesagt hat? Verstehen es die Zuschauer noch? Denn der Fußball hat sich verändert. Es ist nicht mehr nur Gras fressen und Gas geben. Es steckt eben mehr dahinter. Damals entstand die Grundidee, so etwas mal zu machen. Matthias hat dann zu Beginn unserer gemeinsamen Arbeit gesagt: Ich brauche eine Taktiktafel. In den ersten beiden Sendungen hatten wir diese gar nicht mit drin. Aber er hat sie ständig benutzt, er braucht die Tafel während des Spiels.

Was macht er da genau?
Er schiebt für seine Analysen die Magnetsteinchen hin und her. Dann habe ich mal in einer Pause der Sendung zu ihm gesagt: Jetzt lass uns mal das Ding mit dazunehmen. Mittlerweile ist es ein festes Element in der Sendung, weil er es einfach braucht, wenn er Fußball schaut.

Sind Sie unter Sammer ein richtiger Taktik-Fuchs geworden?
Sagen wir es mal so: Ich bekomme durch seine Analyse einen viel tieferen Blick auf das Spiel.

Was sehen Sie jetzt auf dem Platz, was Sie vorher nicht gesehen haben?
Mehr Räume. Ich achte gar nicht so sehr auf den Spieler, der den Ball hat, sondern achte auf die Spieler, die die Räume finden sollen. Ich schaue jetzt anders Fußball. Das Großartige ist, dass Eurosport sagt: Ja, wir geben euch die Möglichkeit, dem Zuschauer ein Fußballspiel so viel detaillierter erklären zu können.

Matthias Sammer und Sie duzen sich – war das schon immer so?
Nein. Als Matthias Sportdirektor beim DFB war, war er auch schon Sky-Experte, daher kannten wir uns. Wenn man dann bei Champions-League-Reisen viel Zeit miteinander  verbringt, ist es irgendwann normal, dass man sich unter Sportlern einfach duzt. Daher wäre es nicht glaubwürdig, es anders zu machen, wenn die Kamera an ist.

Am Donnerstagabend schaut Fußball-Deutschland dann wieder auf Sammer und Sie, wenn die Relegation ansteht. Sind Sie ein Freund dieser Alles-oder-Nichts-Spiele?
Das sind die Spiele, bei denen die Menschen mit Herzklopfen im Stadion sitzen. Das sind die Spiele, an denen ich Spaß habe. Gerade in Zeiten, in denen die deutsche Meisterschaft für wenig Herzklopfen sorgt, freue ich mich auf solche Abende. Aber für die Beteiligten sind die hart.

Haben Sie für sich schon eine Erklärung gefunden, warum der VfL Wolfsburg erneut nachsitzen muss?
Ja, wer führungslos in eine Saison geht, wird irgendwann Probleme haben. Der Leidtragende war Olaf Rebbe, der einen guten Job gemacht hat. Er war jedoch allein auf weiter Flur – und dann wird es irgendwann schwierig.

Haben Sie nachvollziehen können, dass der VfL in der Winterpause seinen Kapitän Mario Gomez verkauft hat?
Naja, zu solch einem Wechsel gehören immer drei Parteien. Ich sehe erst einmal den Menschen – und wenn der Mensch Mario Gomez gerne wieder nach Hause möchte und es eine Einigung aller Parteien gibt, ist das für mich eine nicht zu kritisierende Konstellation.

Aber Gomez war vor allem in der Rückrunde der vergangenen Spielzeit mit seinen vielen Toren die VfL-Lebensversicherung...
Trotzdem: Den VfL-Absturz allein an Gomez festzumachen, ist mir zu einfach. Es gibt Bundesliga-Manager, die sagen: Gebt uns als Verein diese VfL-Mannschaft und wir spielen um die Europa League. Aus meiner Sicht sind im strukturellen Bereich viele, viele Fehler gemacht worden.

So schnitten die Spieler des VfL Wolfsburg in der Hinrunde ab.

Im vergangenen Jahr hieß der VfL-Gegner in der Relegation Eintracht Braunschweig, jetzt ist es Kiel: Ist Holstein stärker als das Eintracht-Team der Vorsaison?
Ich möchte die Kieler nicht mit Braunschweig vergleichen. Ich vergleiche Kiel und den VfL und freue mich auf dieses Duell, weil Holstein einen Fußball spielt, der den Zuschauern Spaß macht. Die Kieler lieben das Spiel mit dem Ball, sie spielen den positiven Fußball, den ich mir gern anschaue. Holstein wird eine ganz große Chance haben.

Welche Spieler ragen bei Holstein heraus?
Mir ist es zu einfach zu sagen: Mensch, bei denen läuft alles über Marvin Ducksch und Dominick Drexler. Das ist nicht der Hauptgrund, warum dieses Team so stark ist. Kiel ist deshalb so gut, weil sie mit Markus Anfang einen Trainer haben, der seinem Team ein Konzept und Lösungen mit auf den Weg gibt, damit der Ball immer wieder im letzten Drittel ankommt. Der vom Gegner ausgemachte schwächste Spieler der Kieler ist immer in der Lage, Lösungen zu finden. Das ist die Stärke dieser Mannschaft.

Wer ist für Sie der Favorit?
Für mich gibt es den nicht, das ist eine 50:50-Geschichte. Der Kopf spielt eine ganz entscheidende Rolle: Die Kieler haben nichts zu verlieren, die Wolfsburger schon. Und wenn ich auflaufe und weiß, ich habe was zu verlieren, dann kommt vielleicht doch mal der Wackelfuß heraus und der Pass beim Mitspieler eben nicht an. Es sind Extremsituationen, und in denen können Sachen passieren, die normalerweise nicht passieren. Ich mag diese Spiele.

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