Heiko Thürnau, VfL Bückeburg Heiko Thürnau ist nicht weiter Trainer beim VfL Bückeburg. © ph
Heiko Thürnau, VfL Bückeburg

Revolte gegen den Systemfußball von VfL Bückeburg Trainer Heiko Thürnau 

Differenzen zwischen der Mannschaft und dem Trainer führen zur Trainerendlassung

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Lange passiert nichts, dann ballen sich die Ereignisse plötzlich. So wie jetzt beim VfL Bückeburg. Stunden vor der Mitgliederversammlung der Fußballabteilung, in der Uwe Völkening am Donnerstag seinen Rückzug erklärte, trennte sich der Landesligist von Cheftrainer Heiko Thürnau.

Fast wäre diese Sensation auf der Sitzung gar nicht zur Sprache gekommen, hätte nicht Klaus Feldhaus kurz vor Schluss beim neuen Fußballvorsitzenden Tom Cross angefragt: „Was ist eigentlich bei unserer Ersten los?“ Es habe Differenzen zwischen der Mannschaft und dem Trainer gegeben, erklärte der neue Chef. Man habe am letzten Montag den Mannschaftsrat befragt. Aus anfänglicher Unruhe sei eine Ablehnung des Trainers entstanden, der Riss nicht mehr zu kitten. Darum habe man sich schweren Herzens trennen müssen. „Das ist natürlich eine Tragödie“, sagte Cross und spielte damit auf die Verdienste Thürnaus an.

Ob man ihn nicht für Aufgaben in der Nachwuchsarbeit gewinnen könne, wollte ein Fußballfreund wissen. Derzeit wolle er Abstand, erklärte Cross. „Aber wir werden ihn eines Tages ansprechen. Der VfL Bückeburg hat ihm unglaublich viel zu verdanken.“

Was war in den letzten Wochen beim sonst so ruhig arbeitenden VfL passiert? Thürnau, bis vor gut einem Jahr ausschließlich Nachwuchscoach, fand bei der Landesligatruppe offensichtlich nicht den richtigen Ton. Die jüngeren Kräfte akzeptierten ihn scheinbar, doch bei den älteren, gestandenen Spielern soll es Probleme gegeben haben. So wie viele andere heutige Trainer wollte auch Thürnau die Mannschaft nach einem verordnetem taktischen Plan spielen lassen, das betonte er auch gegenüber unserer Zeitung immer wieder. Doch die Spontanität, das Intuitive, bleibt bei den „Laptop-Trainern“ häufig auf der Strecke. Im Profifußball mag das akzeptiert werden und auch das VfL-Team hätte den Plan sicher gebilligt, wenn sich Erfolg eingestellt hätte. Doch der blieb aus. Der Landesligist droht gerade im Mittelmaß stecken zu bleiben. Dass sich die Mannschaft offen gegen Thürnau aussprach, war das Ergebnis wochenlanger Unzufriedenheit – auch mit der Kommunikation.

In den Netzwerken rumorte es schon länger. „Wir werden sowas zukünftig kommunikativ früher abfangen“, versprach Cross. Die Frage ist, wie es jetzt weitergeht. Nico Felix hatte im Sommer eigentlich seinen Rücktritt als Co-Trainer erklärt, war aber nie wirklich weg. Deshalb war er die einzig richtige, aber auch die einzig mögliche Alternative. „Kovac“ verkörpert fast das Gegenteil von Thürnau. Er führt freundschaftlich, er wirkt entspannt, er lässt es auch mal laufen. Er ist Fußballfachmann mit Erfahrung als DFB-Stützpunkttrainer und wurde auch bei anderen Vereinen schon häufig als Trainerkandidat genannt.

Anderweitige interne Lösungen boten sich ohnehin nicht an. Der amtierende Co-Trainer Björn Schütte hat zu wenig Erfahrung und ist erst einige Wochen dabei. A-Jugendtrainer Thorsten Rinne ist erfolgreich, scheint sich aber eher für die Nachwuchsarbeit zu eignen. Jan-Werner Schmitz, der Trainer der Zweiten, ist auch erst seit Sommer im Amt und hat genug mit seiner Truppe zu tun. Sollte es mit Felix nicht weitergehen, hat der VfL allerdings ein Problem. Mitten in der Saison einen neuen Trainer zu verpflichten, ist nämlich nicht ganz einfach, das weiß auch Cross. Man schaue sich um. „Aber wir werden niemand abwerben“, verspricht der 41-Jährige.

Wer könnten Kandidaten sein? Steffen Mitschker, der kam aber gerade beim VfL Evesen unter. Duran Gök ist beschäftigungslos, erwies sich aber in früheren Zeiten als Nachwuchstrainer beim VfL als nicht vereinskompatibel. Torben Brandt hätte ehemals sehr gerne Bückeburg trainiert, ist jetzt aber in Minden bei der FT Dützen. Martin Prange wäre heute wahrscheinlich erste Wahl, wanderte aber zum SV Obernkirchen ab. Ehemalige Bezirks- und Kreisligatrainer wie Mirko Undeutsch oder Günther Buchholz haben Erfahrung, kommen aber wohl auch nicht in Betracht. Es muss halt passen. Aber weil der VfL Bückeburg insgesamt bestens aufgestellt ist, weil Uwe Völkening aus der Fußballabteilung in 80 Jahren Vorstandsarbeit ein intaktes Flaggschiff des Schaumburger Fußball gemacht hat, ist sich Vereinspräsident Martin Brandt sicher: „Wir vergeben den besten Trainerjob in Schaumburg. Die Bewerberliste wird lang.“

Region/Schaumburg ezimport VfL Bückeburg (Herren) Landesliga Bezirk Hannover (Herren)

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