18. April 2018 / 08:42 Uhr

Riss in RB Leipzigs Fankurve: „Solche Szenen darf es nicht wieder geben“

Riss in RB Leipzigs Fankurve: „Solche Szenen darf es nicht wieder geben“

Thomas Fritz
Ein Teil der RB-Anhänger hatte gegen Leverkusen zum Treukott aufgerufen.
Ein Teil der RB-Anhänger hatte gegen Leverkusen zum "Treukott" aufgerufen. © Picture Point
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Boykott oder nicht? Beim Heimspiel der Roten Bullen gegen Bayer Leverkusen führte diese Frage zu Zerwürfnissen unter den RB-Fans, die in Rangeleien gipfelte. Der SPORTBUZZER hat mit RB-Anhänger Matthias Busse darüber gesprochen. 

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Leipzig. Beim Duell RB Leipzig gegen Bayer Leverkusen spielten sich in der RB-Fankurve in Sektor B hässliche Szenen ab zwischen Anhängern des Boykotts gegen Montagsspiele und Gegen-Boykottierern. Matthias Busse vom Fanclub Schwabenballisten hat den „schwarzen Montag“ live im Stadion miterlebt. Vorm Heimspiel gegen Hoffenheim spricht der 34-Jährige über Gewalt im Block und wie wieder eine einige Kurve geschaffen werden kann.

150 bis 200 ultranahe RB-Fans hatten sich dem Stimmungsboykott angeschlossen und mit Trillerpfeifen ihren Unmut geäußert. Was stört euch daran?

Zunächst war von Trillerpfeifen keine Rede. Die Boykott-Fraktion hatte nur angekündigt, in der ersten Hälfte auf jegliche Fan-Utensilien zu verzichten und keine Lieder anzustimmen. Was uns aber mehr gestört hat: Die Trillerpfeifen richteten sich auch gegen eigene Fans, die in Halbzeit eins ihr Team lautstark unterstützt haben. Schließlich kam es sogar zu Beschimpfungen und Rangeleien von Seiten der Boykottierer.

Aber auch die Gegenseite soll die Ultras angegangen haben.

Einige Leute haben ihren Frust abgelassen. Die sogenannte „Treukott“-Fraktion hat sich ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckert. Solche Szenen darf es nicht wieder geben.

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Lehnt Ihr den Boykott gegen Montagsspiele grundsätzlich ab?

Wir halten Montagsspiele für diskussionswürdig. Gerade für Auswärtsfahrer sind sie ein Ärgernis. Wer die Spiele boykottieren will, kann das gerne tun. Dazu gehört es aber auch, andere Meinungen auszuhalten.

Was stört euch am Boykott, der ja im Vorfeld von den großen Fanclubs L.E. Bulls und Bulls Club unterstützt wurde?

Mein Eindruck ist: Den Ultras, die den Boykott federführend inszeniert haben, geht es mehr um Anerkennung durch andere Fanszenen. Sie nehmen sich selbst zu ernst. Mir geht das Selbstironische, das die Kurve lange ausgezeichnet hat und weswegen ich zu RB gefunden habe, immer mehr verloren.

Woran machen Sie das fest?

Etwa am Duktus des Protestschreibens. Das wirkt wie abgekupfert von anderen Ultraszenen. Es ist zudem bezeichnend, dass typisch selbstironische Lieder wie „Wir sind Schweine“ lange vernachlässigt wurden und man sich für die eigene Besonderheit eher schämt, anstatt sie stolz zu vertreten.

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Auch die Vorsänger im Fanblock haben den Boykott unterstützt. Wie bewerten Sie die Rolle der Capos?

Die Capos machen seit Jahren einen guten Job. Aber sie dürfen sich nicht als Sprachrohr einzelner Fangruppen verstehen. Sie müssen den ganzen Block im Blick haben. Gegen Leverkusen hat ihnen das Gespür gefehlt, dass die überdeutliche Mehrheit den Boykott ablehnte. Es wäre besser gewesen, sich auf die Kurve einzulassen, als diese mit Singen begann. Da ist viel Vertrauen und Akzeptanz verloren gegangen.

RB hat sich im Vorfeld deutlich gegen den Boykott ausgesprochen. Trägt der Klub eine Mitverantwortung für den Riss?

Nein. Die Haltung des Vereins ist völlig legitim. Leverkusen war ein Schlüsselspiel. Wenn die Ultras so tun, als ob die Fanmehrheit wegen der Aufrufe der RB-Verantwortlichen so lautstark reagierte, unterschätzen sie die anderen Anhänger gewaltig.

Was könnte der Klub tun?

Ich schätze 90 Prozent der Fans sind genervt von einigen Aktionen der Ultras. Wenn einzelne Fans sich partout gegen die absolute Mehrheit im Block stellen, muss darüber nachgedacht werden, sich von bestimmten Gruppen zu trennen. Andernfalls befürchte ich, dass sich normale Stadionbesucher abwenden oder es einen Dauerstreit mit den Ultras gibt.

Wie könnte die Fankurve wieder zusammen agieren?

Das wird kein Selbstläufer. Alle Seiten müssen sich an einen Tisch setzen, am besten unter dem Dach des Fanverbands. Die Boykott-Organisatoren sollen nicht zu Kreuze kriechen. Gerade die Ultras haben für RB durch viele tolle Choreographien einiges geleistet. Aber das darf kein Freibrief sein, der Fanmehrheit eine Meinung aufzuzwingen. Schon gar nicht durch Aggressionen.

Zur Person: Matthias Busse (34) ist seit 2011 RB-Leipzig-Fan und stellvertretender Vorsitzender des Fanclubs „Schwabenballisten“ aus Baden-Württemberg.

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