13. Februar 2018 / 06:00 Uhr

Ronald Reng in der Viererkette: Lohnt sich Doping im Fußball?

Ronald Reng in der Viererkette: Lohnt sich Doping im Fußball?

Ronald Reng
Wird im Fußball gedopt? SPORTBUZZER-Kolumnist Ronald Reng erklärt, warum es Sinn machen könnte.
Wird im Fußball gedopt? SPORTBUZZER-Kolumnist Ronald Reng erklärt, warum es Sinn machen könnte. © imago/MIS/Montage
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Welche Spieler im Fußball benutzen Doping zur Leistungsföderung? Offiziell nicht viele. Die Dunkelziffer scheint aber groß. SPORTBUZZER-Kolumnist Ronald Reng erklärt, warum auch im Fußball gedopt wird, aber nach seinen Indizien tatsächlich viel weniger als im Radsport oder Skilanglauf.

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Im Magazin „Der Spiegel“ las ich unlängst, dass ich dope. Zwei englische Fußballprofis waren durch die Dopingprobe gefallen, schrieb das Magazin, weil sie das Asthmamittel Salbutamol angewandt hatten. Den Namen des Mittels kannte ich doch, schoss es mir bei der Lektüre durch den Kopf, und rannte gleich ins Bad, um nachzuschauen: Tatsächlich, da war es. Der Lungenarzt verschreibt es mir, weil ich seit der Jugend bei Bewegung an Asthma leide.

Über Doping wird jetzt bei den Olympischen Winterspielen zwangsweise fast so viel gesprochen wie über Medaillen. Die Frage, hat er oder hat er nicht, begleitet jede Siegerehrung in Ausdauersportarten wie Skilanglauf. Im Fußball dagegen gibt es keine differenzierte Dopingdiskussion, allenfalls hier und da platte Behauptungen von Mehmet Scholl („Doping bringt im Fußball nichts“) und Verschwörungstheoretikern („Die dopen doch alle“).

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Deshalb wird auch im Fußball gedopt

Ich möchte versuchen, in aller Kürze zu erklären, warum auch im Fußball gedopt wird, aber nach meinen Indizien tatsächlich viel weniger als im Radsport oder Skilanglauf. Dort entscheidet die körperliche Leistungsfähigkeit zu 90 Prozent über den Sieg, das heißt ein Skilangläufer, der seinen Sauerstofftransport durch Blutdoping verbessert, erzielt auf jeden Fall einen leistungssteigernden Effekt. Im Fußball dagegen kann Doping einen Effekt haben.

Auch hier spielt die athletische Leistung eine große Rolle. Die Anzahl der Sprints, die ein Außenstürmer pro Spiel absolviert, hat sich in 20 Jahren verdoppelt, von rund 18 auf 36. Aber die athletische Fähigkeit wird beim Ballsport immer nur ein Faktor unter Dutzenden bleiben. Ein gedopter Außenstürmer mag auch noch den 37. Sprint im Höchsttempo laufen – aber damit daraus ein Tor entsteht, muss auch die Flanke technisch sauber kommen, der Mittelstürmer den Kopfball richtig platzieren, der Schiedsrichter kein Abseits sehen und so weiter. Taktik, Technik und Zufallssituationen bestimmen das Resultat ebenso massiv wie die Athletik.

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Entscheider täten gut daran, dass Problem offensiver, aggressiver zu bekämpfen

Weil aber Sportler alles für den Erfolg tun, haben auch Fußballer schon immer versucht, das Spielglück durch Doping zu beeinflussen. Bereits 1964 wurde der Trainer des AC Bologna gesperrt, weil er fünf Spielern Aufputschmittel verabreicht hatte. Um 2003 erlebte ich, wie im spanischen Fußball verdächtig viele Radsportärzte auftauchten, Eufemiano Fuentes, Sabino Padilla. Doch weil offenbar gedopte Teams nicht durchweg erfolgreich waren – Real Sociedad San Sebastián wurde in Zeiten, als es Fuentes beschäftigte, mal Zweiter, mal Fünfzehnter in Spanien – machte sich im Fußball keine systematische Dopingkultur breit wie im Radsport. Von den rund 20 Fußballern, mit denen ich seit Jahren in völliger Offenheit über das Spiel spreche, berichteten mir nur zwei von vermutlichen Dopingversuchen, der eine in der griechischen Liga, der andere in Italiens Serie B.

Fußballer dopen nicht weniger, weil sie bessere Menschen wären als Skilangläufer, sondern weil sie das Glück haben, dass ihr Sport mehr verlangt als Athletik. Die Versuchung zu dopen wird dem zu Trotz auch im Fußball immer existieren. Deshalb täten die Entscheider gut daran, dass Problem offensiver, aggressiver zu bekämpfen, als es wie Mehmet Scholl zu leugnen.

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Nur bei mir, da stimme ich Scholl zu, bringt Doping im Fußball nichts: Ich verliere trotz Salbutamol immer gegen unseren elfjährigen Sohn.

Immer dienstags wechseln sich an dieser Stelle in der SPORTBUZZER-Viererkette Bestseller-Autor Ronald Reng, die Erfolgstrainer Lucien Favre (aktuell OGC Nizza) und Hans Meyer (Kult) und Jochen Breyer, Moderator des Aktuellen Sportstudios (ZDF), mit Meinungsbeiträgen ab.

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