13. März 2018 / 00:10 Uhr

Ronald Reng in der Viererkette: Per Mertesacker ist ein echter Anführer

Ronald Reng in der Viererkette: Per Mertesacker ist ein echter Anführer

Ronald Reng
Per Mertesacker ist nicht nur für Oliver Bierhoff ein echter Anführer.
Per Mertesacker ist nicht nur für Oliver Bierhoff ein echter Anführer. © imago
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In seiner Kolumne schreibt der Bestseller-Autor Ronald Reng über das Phänomen der Bühnenangst, das auch im Fußball bekannt ist und schildert, warum Per Mertesacker Bewunderung verdient - und keine Häme.

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Jeden Tag, dreißig Jahre lang, erschien der Schriftsteller Joseph Mitchell in seinem Büro, setzte sich an die Schreibmaschine und schrieb nichts. 1965 hatte Mitchell mit „Joe Goulds Geheimnis“ einen gefeierten Debütroman publiziert. Danach starrte er 30 Jahre lang jeden Tag das leere Papier an. Es kam nichts mehr.

Das Phänomen, dass Menschen in einem Beruf hochbegabt sind, dessen Ausübung sie aber quält, ist nicht selten. Barbara Streisand, gepackt von Bühnenangst, vergaß 1967 mitten in einem Konzert vor 100 000 Fans ihren Liedtext und gestand Jahre später, sie habe sich „vor Konzerten ziemlich oft übergeben“.

Mertesackers Äußerungen gelten als Sensation: Warum?

Der deutsche Fußball-Weltmeister Per Mertesacker hat nun in einem Interview berichtet, dass es ihm genauso ergehe. Nach gut 15 Jahren als Profi bekomme er noch immer vor jeder Partie Durchfall und müsse würgen.

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Weil Profisportler, anders als Künstler, eher das Image des Unantastbaren aufrechterhalten, wurden Mertesackers Schilderungen vielerorts als Sensation angesehen: Medien schrieben vom „unmenschlichen Druck im Fußball“. Weltmeister Lothar Matthäus meinte, im Gegenteil, wer den Druck nicht aushalte, solle es halt lassen. Beide Verallgemeinerungen sind falsch.

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Bühnenangst existiert auch im Fußball

Per Mertesacker hat sich nicht über ein unmenschliches System beklagt, sondern nur auf ruhige, offene Art geschildert, dass die Bühnenangst – natürlich – bei einigen auch im Fußball existiert. Einer meiner Freunde, der mit Mertesacker in der Nationalelf spielte, litt seine gesamte Karriere hindurch unter Schweißausbrüchen. Mit dem Karriereende verschwanden die Schwitzattacken. Sehr viel mehr Profis können sich dagegen an Drucksituationen geradezu berauschen.

Mertesackers Beispiel zeigt, wie wichtig es wäre, dass Spieler mit Angstsymptomen versuchten, ihre Probleme anzugehen statt zu unterdrücken. Und es zeigt gewiss nicht – wie Lothar Matthäus suggeriert –, dass Per Mertesacker kein echter Mann wäre. Menschen mit Bühnenangst, auch das gehört zum Phänomen, zählen trotzdem oft zu den Besten ihres Berufs. Als ich kürzlich mit Oliver Bierhoff sprach, dem Manager der Nationalelf, sagte er mir: „Wer die Rolle des Anführers im Team wirklich mit Herz ausfüllte, war Per Mertesacker.“

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Immer dienstags wechseln sich an dieser Stelle Bestseller-Autor Ronald Reng, die Erfolgstrainer Lucien Favre (aktuell OGC Nizza) und Hans Meyer (Kult) und Jochen Breyer, Moderator des ZDF-„Sportstudios“, mit Meinungsbeiträgen ab. Sie sind Kolumnisten des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), dem auch der SPORTBUZZER angehört.

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