Fankurve von Roter Stern Leipzig (Archivfoto) Fankurve von Roter Stern Leipzig (Archivfoto) © Sportbuzzer-Archiv
Fankurve von Roter Stern Leipzig (Archivfoto)

Roter Stern beklagt Angriffe in Schildau – TSV kritisiert Leipziger

Spieler von Roter Stern Leipzig sind beim Auswärtsspiel am Sonntag in Schildau bespuckt und beleidigt worden. Der TSV-Vorstand sieht eine Mitverantwortung bei den Messestädtern.

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Leipzig. Sportlich gesehen war es das Kellerduell in der Landesklasse Nord: Tabellenletzter Roter Stern Leipzig musste am Sonntagnachmittag beim Vorletzten TSV Schildau antreten. Am Ende siegten die Messestädter klar mit 4:0 (1:0) – doch wirklich freuen konnten sich die Sterne nach eigenen Angaben über ihre drei Punkte nicht. Am Rand der Partie war zu viel Negatives passiert.​

Flankiert von rechten Parolen seien die RSL-Kicker am Sonntagnachmittag auf dem Schildauer Sportplatz von einigen unter den 472 Zuschauern bespuckt und beleidigt worden. Unter anderem wurde „Judensterne“ und „Zeckenpack“ gerufen, sagt RSL-Sprecher Conrad Lippert. Nach Abpfiff habe die Polizei dann eingreifen müssen, weil eine Gruppe Vermummter in Richtung RSL-Fanblock strebte. Und nicht zuletzt seien die Messestädter auch bei ihrer Heimreise trotz Beamtenbegleitung noch einmal attackiert worden. Verletzt wurde dabei niemand, aber Fahrzeuge beschädigt.

Rechtsradikale und antisemitische T-Shirts

Um die Vorwürfe zu stützen, hat der Verein inzwischen Fotos von den Angreifern ins Netz gestellt. Darauf sind mehrere rechtsradikale und antisemitische Textilien im Schildauer Fanblock zu sehen. Der Sicherheitsdienst der Platzherren hätte diese Personen trotz der Nazi-Symbolik gewähren lassen, kritisieren die Messestädter. Ganz im Gegensatz zum zeitgleichen Umgang mit RSL-Spielern: Diese seien aufgefordert worden, ihre Aufwärm-Shirts aufgrund des darauf abgebildeten Motivs ausziehen. Auf der Oberbekleidung stand „Nazis raus aus den Stadien“. Verantwortliche beim Gastgeber und beim Fußball-Verband hätten dieses Motto als „Provokation“ empfunden.

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Posted by Roter Stern Leipzig on Montag, 16. Oktober 2017

Laut Uwe Tempel, Vereinsvorsitzender beim TSV Schildau, wurden die Sterne nicht zum Ausziehen gezwungen. „Als wir gesehen haben, was darauf stand, haben wir mit Polizei, Verband und Roter Stern gesprochen und darum gebeten, die Shirts während des Spiels nicht mehr zu zeigen. Es sollte einfach nicht noch mehr Öl ins Feuer gegossen werden. Zum Warmmachen und nach dem Spiel hatten die Spieler die T-Shirts aber an.“ Bestätigen kann Tempel zumindest, dass es zu verbalen Ausfällen und zum Bespucken von Leipziger Spielern kam. „Als der Schiedsrichter uns darauf hingewiesen hat, haben wir den Bereich, aus dem das kam, doppelt abgesichert. Und ja, es gab eine extrem angetrunkene Person, die dumme Sachen auf den Platz gerufen hat. Den habe ich persönlich des Platzes verwiesen“, sagte der TSV-Vorsitzende am Dienstag gegenüber LVZ.de.

TSV: Angreifer wurden angelockt

Nicht verhehlen will Tempel auch, dass es weitere problematische Zuschauer auf Seiten der Schildauer Fans gab. „Das waren aber völlig Fremde, die ich bis zu diesem Spiel noch nie bei uns gesehen habe. Zum Teil kamen die ja aus Brandenburg – und wurden erst durch die Provokationen im Vorfeld angelockt. Da hieß es ja auf Seiten des Roten Sterns, man fahre wieder ins braune Hinterland.“ Ähnlich moniert auch Schiedsrichter Stefan Gärtner (Dresden) in einem Sonderbericht an den Sächsischen Fußball-Verband (SFV). Er sei im Vorfeld im Internet auf Plakate von Roter Stern Leipzig gestoßen, welche die Stimmung unnötig angeheizt hätten, schreibt Gärtner. Er hat dies als unsportliches Verhalten beim Verband angezeigt und bezichtigt die Messestädter zudem, den Fußball als politische Plattform zu missbrauchen. „Der TSV Schildau ist nur ein kleiner, neutraler Verein, der von Roten Stern für sein Engagement missbraucht wird. Und das schon seit Jahren“, ergänzt auch TSV-Chef Uwe Tempel.

Als der Schiedsrichter die Partie am Sonntag bereits zu den Akten gelegt hatte, musste die Polizei zumindest noch zweifach eingreifen: erst auf dem Schildauer Sportplatz, dann in der Innenstadt. „Als Roter Stern nach Abpfiff sein Banner präsentiert hat, gab es dumme Menschen, die zu denen rüber wollten. Auch bei den Gästen gingen einige auf den Platz. Die Polizei hat beide Lager dann zurückgedrängt“, berichtet Tempel. Bei der Abreise der Leipziger, die von den Beamten begleitet wurde, kam es zudem auf dem Marktplatz zu einem Angriff: Unbekannte versuchten den Tross anzuhalten, beschädigten einige der Leipziger Fahrzeuge. Verletzt wurde niemand, die Polizei konnte mehrere Angreifer stellen und Personalien aufnehmen.

RSL: Engagement gegen Nazis ist keine Provokation

Roter Stern Leipzig wehrt sich indes vehement dagegen, dass Engagement gegen Nazis im Stadion unangebracht sei. „All diejenigen, die Kritik an Faschisten, Rassisten und Antisemiten als unzulässige Provokation auffassen, haben etwas Grundlegendes nicht verstanden oder stehen politisch selbst dort, wo die vom Grundgesetz gezogene Linie der Meinungsfreiheit überschritten wird“, erklärte RSL-Sprecher Lippert. Zumal auch der Deutsche Fußball-Bund von jedem Verein verlange, sich grundsätzlich gegen Rechtsextremismus zu positionieren. Durch die Vorfälle in Schildau in der Notwendigkeit bestärkt, will der Verein sein Engagement auch künftig fortsetzen.

Noch deutlicher wird der Grünen-Politiker und Rechtsanwalt Jürgen Kasek, der eine seit Jahren bestehende bewusste Verharmlosung von Rassismus und Neonazismus beklagt: "Es ist in den letzten Jahren deutlich geworden, dass es an vielen Orten in Sachsen ein Problem mit Einstellungsmustern der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit gibt. Diesen Problem müssen sich endlich auch die Vereine und der SFV stellen. Und ich erwarte hier eine klare Stellungnahme des SFV gegen Rassismus und Neonazismus. Die Vorwürfe des Schiedsrichters und des TSV sind geradezu grotesk und sind eine Umkehrung von Tätern und Opfern. Die Probleme in Schildau sind seit Jahren bekannt und der Verein kann sich nicht immer rausreden."

Bereits 2010 hatte es beim Auswärtsspiel von Roter Stern Leipzig in Schildau Angriffe auf Gästefans und die Polizei gegeben. Etwa 60 Personen aus der rechtsradikalen Szene hatten sich damals unter die Zuschauer gemischt und versuchten die Leipziger zu attackieren. Die Polizei nahm neun Angreifer fest. Seither kämpft der TSV Schildau gegen Stigmatisierungen. Zuletzt musste ein Spiel der Nordsachsen im Mai 2017 beim VfK Blau-Weiß Leipzig nach einem Platzsturm abgebrochen werden. Unbekannte hatten die TSV-Spieler damals als Nazis und Faschisten beschimpft und waren anschließend unerkannt entkommen.

Region/Leipzig Roter Stern Leipzig 99 TSV 1862 Schildau Roter Stern Leipzig 99 (Herren) TSV 1862 Schildau (Herren) Landesklasse Sachsen Nord (Herren) Kreis Leipzig

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