04. Juli 2018 / 12:22 Uhr

Ruderer Aaron Erfanian: Aus der Sahneschnitte zur WM

Ruderer Aaron Erfanian: Aus der Sahneschnitte zur WM

Stefan Dinse
Einer der Hoffnungsträger im deutschen Rudersport: Aaron Erfanian vom DRC Hannover.
Einer der Hoffnungsträger im deutschen Rudersport: Aaron Erfanian vom DRC Hannover. © Florian Petrow
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Das Rudertalent vom DRC Hannover ist ein heißer Kandidat bei der nächsten Weltmeisterschaft im August in Tschechien. Zuletzt war ein immenser Leistungssprung beim 17-jährigen Gymnasiasten und Modellathleten zu beobachten.

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Neulich hat Aaron Erfanian einen Krebs gefangen. Und ruckartig stand bei einer wichtigen Regatta das ganze Boot still. Einen Krebs ziehen oder fangen ist nicht so selten beim Rudern.

Es bedeutet, dass sich das Blatt verklemmt hat, weil es nicht sauber eingetaucht worden ist. Das kann mitunter gefährlich sein, weil das Ruder blockiert, sogar Rippenbrüche sind möglich.

Entscheidend im Fall von Erfanian aber war, dass sein Boot das Rennen trotz des groben Patzers nicht verlor. Der für den DRC Hannover startende 17-Jährige holte den beträchtlichen Rückstand auf das restliche Feld mit seinem Doppelvierer noch auf und gewann den Vorlauf.

Erfanian zeigt seine Ruderkünste, dieses Mal ganz ohne einen Krebs zu fangen.

Bei den Bundestrainern auf dem Zettel

Das große Talent darf bei der U19-WM Anfang August im tschechischen Racice auf einen Platz im Vierer hoffen. Meist lässt Erfanian etliche Konkurrenten zunächst an sich vorbeiziehen.

Besonders, wenn er im Einer sitzt – was er am liebsten tut. „Es dauert immer etwas, bis ich richtig in die Pötte komme. Aber bei etwa 1.250 Metern sammle ich die anderen in der Regel ein“, sagt der Gymnasiast der Schillerschule la­chend.

„Ich komme nicht über den Start, sondern über die Mitte.“ Dass er sich nicht abhängen lässt, liegt nicht allein daran, dass der Kirch­röder so schnell ist. „Aaron hat eine enorme Wettkampfstärke. Anderen macht die Nervosität zu schaffen, er nutzt sie sogar für sich. Er holt das Maximum aus sich heraus“, attestiert DRC-Cheftrainer Thorsten Zimmer.

Leistungsexplosion: Von gut zu überragend

Vor neun Monaten hat Erfanian, der deutsch-iranische Wurzeln hat, einen enormen Leistungssprung gemacht. Vorher waren die Ergebnisse recht gut, dann wurden sie prima. „Das hat Lust auf immer mehr gemacht, es ist faszinierend“, sagt der 1,86 Meter große und 82 Kilo schwere Ruderer, der als Kind eher pummelig war.

Er versuchte es mit Tennis, Leichtathletik und Judo. „War irgendwie alles nichts für mich“, sagt Erfanian, der über eine Schul-AG zum HRC kam und im vergangenen Jahr zum DRC wechselte. Längst ist er ein Modellathlet und nimmt passenderweise bei einem kurzen Schau-Training im Einer namens „Sahneschnitte“ Platz.

Schneidig auf dem Wasser: Aaron Erfanian im Einer Sahneschnitte.
Schneidig auf dem Wasser: Aaron Erfanian im Einer "Sahneschnitte". © Florian Petrow
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Wissbegierig und trainingsfleißig eilt Erfanian von Sieg zu Sieg

Zuletzt bei der Jahrgangsmeisterschaft fuhr er zu Gold im Doppelvierer und Silber im Doppelzweier. „Einfach geil war das. Zu merken, dass sich die ganze Schufterei gelohnt hat“, sagt Erfanian, der es etwa auf 16 Stunden Training wö­chentlich bringt.

Die altersübergreifende Trainingsgruppe mit dem HRC und die Arbeit am Bundesstützpunkt haben sich ausgezahlt. „Aaron lernt schnell. Er löchert einen, wie er es besser machen kann“, berichtet DRC-Coach Frederik Stoll.

​„Da ist nur noch Adrenalin."

Nächste Woche geht es ins Trainingslager nach Berlin. Dort entscheiden die Bundestrainer, ob und in welchem WM-Boot Erfanian sitzen wird.

Große Sorgen, dass er nicht dabei sein könnte in Racice, haben weder Erfanian noch seine Trainer. Stoll: „Aaron ist unerschrocken. Der kommt und macht einfach.“

Erfanian formuliert es so: „Wenn die Sirene ertönt, fällt alles von dir ab. Dann hast du es selbst in der Hand.“ Das Risiko, einen Krebs zu fangen, schert ihn dann nicht mehr: „Da ist nur noch Adrenalin.“

Der 17-Jährige freut sich schon auf die nächsten Aufgaben.
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