Rudi Völler ist seit 2005 Sportdirektor bei Bayer Leverkusen Rudi Völler ist seit 2005 Sportdirektor bei Bayer Leverkusen © 2017 Getty Images
Rudi Völler ist seit 2005 Sportdirektor bei Bayer Leverkusen

Bayer-Sportdirektor Völler über Montagsspiele: "Entscheidung neu überdenken" 

Bayer-Sportdirektor Rudi Völler spricht im SPORTBUZZER-Interview über die umstrittenen Montagsspiele, Leverkusens neue Konkurrenten im Kampf um Europa und seine Skepsis beim Videobeweis.

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Herr Völler, am Montag muss ihr Klub Bayer Leverkusen im Topspiel bei RB Leipzig ran. Wie ist Ihre Meinung zu Montagsspielen allgemein?

Bayer-Sportdirektor Rudi Völler (57): Wir haben in der Vergangenheit donnerstags in der Europa League gespielt, mussten aber samstags schon wieder in der Bundesliga antreten. So etwas darf nicht mehr passieren! Nach einem Europa League-Spieltag sonntags anzutreten, das wäre okay. Hier aber gilt es, die Interessen des DFB zu berücksichtigen, der weitere Sonntagsspiele ablehnt, um den Amateurfußball zu schützen. Bleibt also nur der Montag. Wenn die Fans das aber ablehnen, muss man diese Entscheidung neu überdenken.

Auch der Videobeweis ist umstritten.

Auch ich war zu Saisonbeginn sehr skeptisch. Und das, wie sich gezeigt hat, zu Recht. Denn die Vorrunde war ganz schlecht. Erst in der Rückrunde wurde die Vorgabe, nur bei glasklaren Fehlentscheidungen einzugreifen, besser umgesetzt. Trotzdem bleibt eine gewisse Skepsis, die Unterbrechungen sind ein Emotionskiller. Zudem ist es für die Fans im Stadion bisweilen schwierig zu verstehen, warum so und nicht anders entschieden wird. Zu stoppen sein wird diese Entwicklung nicht, andere Ligen werden nachziehen.

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Ist der Fußball gerechter geworden?

Ich glaube schon, dass der Videobeweis prozentual für mehr Gerechtigkeit gesorgt hat. Die 15, 20 Prozent der Entscheidungen aber, die noch immer falsch sind, tun ganz besonders weh. Dem Schiedsrichter ist eine Fehlentscheidung in der Hektik des Spiels nachzusehen. Wenn der Videoassistent aber falsch liegt, ist das nur schwer zu verzeihen.

Zum Sportlichen: Bayer ist Fünfter, nur einen Punkt hinter RB. Ist man zurück im Kreis der Top-Teams?

Wir waren vor der schlechten Saison 2016/17 viermal in Folge in der Champions League. Dort wollen wir wieder hin. Es muss immer unser Ziel sein, unter die ersten Sechs, besser noch in die Champions League zu kommen. Und bis jetzt läuft es trotz einiger weniger Wellenbewegungen sehr ordentlich.

Mit Leon Bailey hat Bayer einen der spektakulärsten Spieler der Liga unter Vertrag. Zuletzt hatte man aber das Gefühl, dass er nicht mehr so frei aufspielt. Ist er abgehoben?

Dass Leons Leistungen und seine spektakulären Tore um die Welt gehen und er damit im Fokus steht, gehört zum Geschäft. Das haben wir in der Vergangenheit bei unseren jungen, sehr guten Spielern häufig erlebt. Wir wissen also, wie wir mit einer solchen Situation umzugehen haben. Wobei es ein Stück weit auch vom Spieler selbst abhängt. Und Leon ist weit weniger der Sunny Boy, als den ihn manch einer vielleicht sehen möchte. Er ist ernst, sehr lernwillig, trainiert sehr gut. Ich habe nicht das Gefühl, dass ihm bisher etwas zu Kopf gestiegen wäre.

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Mit Frankfurt und RB gibt es plötzlich neue Konkurrenten für Bayer im Kampf um Europa.

Die Eintracht hat sich das wirklich verdient. Dazu kommt seit vergangener Saison mit RB Leipzig ein Verein, den es vorher gar nicht gab, der musste erst erfunden werden. Und Leipzig ist gleich von null auf hundert durchgestartet. Deshalb wird es von Jahr zu Jahr schwieriger, sich in diesem Umfeld zu behaupten, zwischen Platz zwei und acht ist alles möglich. Achter wollen wir aber selbstverständlich nicht werden. Mindestens Europa League, so unser Anspruch.

Wäre die Europa League tatsächlich ein Grund zur Freude?

Jeder Klub, der schon einmal daran gerochen hat und wieder nah dran ist, wird alles versuchen, in die Champions League zu kommen. Aber in der vergangenen Saison, als wir Mitte der Rückrunde noch theoretische Chancen hatten, wären wir sehr froh gewesen, wenn wir die Europa League noch erreicht hätten.

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Ist das schwache Abschneiden der deutschen Klubs in Europa ein Warnzeichen?

Selbstverständlich war es nicht gut, dass die deutschen Europa-League-Starter schon in der Vorrunde ausgeschieden sind. Das war für eine Liga wie die Bundesliga nicht in Ordnung. Trotzdem können die Bayern die Champions League und RB noch die Europa League gewinnen. Würde das bedeuten, dass wir automatisch die beste Liga in Europa sind?! Eher nicht.

Würde sich etwas ändern, wenn die 50+1-Regel kippen würde?

Für den einen oder anderen Klub wären wahrscheinlich ein paar Zusatzeinnahmen drin. Ob das aber in Regionen gehen würde, in denen sich die Bayern mit ihren großen Werbepartnern bewegen, wage ich zu bezweifeln.

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Die Distanz zwischen den Bayern und den folgenden Teams wird ohnehin immer größer.

Das hat aber nichts damit zu tun, dass die anderen Klubs einen schlechten Job machen würden. Wenn man mit Abstand den höchsten Etat hat und Gehälter zahlen kann, die drei oder viermal höher sind als bei den anderen Teams, die um die Champions League spielen, müsste man in München schon sehr viele Fehler machen, um nicht Meister zu werden. Aber die macht man seit vielen Jahren nicht. Zudem ist diese Überlegenheit kein Einzelfall in Europa. Wirklich interessant ist aktuell nur die italienische Liga. Wir setzen uns Jahr für Jahr sehr hohe Ziele. Dazu gehört, in dieser Saison ins Pokalfinale zu kommen.

Aber da spielen Sie im Halbfinale gegen Bayern…

In einem K.o.-Spiel hat man immer mal eine kleine Chance, auch gegen die Bayern. Wir spielen zu Hause und wollen ihnen einen tollen Fight liefern.

Bayer 04 Leverkusen (Herren) Bayer 04 Leverkusen Bundesliga

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