Sabine Kehm ist die Managerin von Michael Schumacher. Sabine Kehm ist die Managerin von Michael Schumacher. © dpa
Sabine Kehm ist die Managerin von Michael Schumacher.

Sabine Kehm über Michael Schumacher: "Eine ikonische Legende!"

Die 100. Folge „Diese eine Sekunde - über bewegende Schicksale, große Momente, starke Persönlichkeiten“: Im letzten Teil der preisgekrönten Interviewreihe mit den Größten des Sports spricht Michael Schumachers Managerin Sabine Kehm über „Schumis“ Lebensleistung - und gibt einen tiefen Einblick, wie der Formel-1-Pilot abseits der Strecke war.

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Dreieinhalb Jahre liegt er jetzt zurück, dieser verflixte 29. Dezember 2013, als Michael Schumacher bei einem Skiunfall ein Schädel-Hirn-Trauma erleidet. Erinnern Sie noch den Moment des ersten Anrufs, den Sie bekamen?

Sogar sehr gut. Ich war bei meinen Eltern, wir hatten zuvor Weihnachten gefeiert. Da rief mich ein französischer Journalist an. Michael Schumacher sei verunglückt, er wolle eine Bestätigung. Am Nachmittag wusste ich, dass die Situation ernst ist. Am nächsten Morgen war ich dann im Krankenhaus in Grenoble.

Bilder, die um die Welt gingen. Und Sie mittendrin als Krisenmanagerin.

Der Druck der Medien war massiv. Es war eine große Aufgeregtheit, ein regelrechtes Jagdfieber. Ein Journalist hatte sich als Priester verkleidet, ein anderer angegeben, Michaels Vater zu sein. Den Mitarbeitern im Krankenhaus war anfangs nicht klar: Wer ist hier eigentlich wer? Eine schwierige Zeit.

Zum Gesundheitszustand Schumachers schweigen Sie seither beharrlich. Warum?

Michael ist eine Person des öffentlichen Lebens, die Öffentlichkeit hat das Recht zu erfahren, dass etwas passiert ist. Wir haben außerdem sehr deutlich gemacht, dass etwas Schwerwiegendes passiert ist. Michael hat jedoch sehr konsequent eine klare Grenze zwischen der öffentlichen Person und der Privatperson gezogen. Das haben die Fans und Medien immer akzeptiert. Die Entscheidung, die Privatsphäre vor der Öffentlichkeit zu schützen, ist in Michaels Interesse getroffen worden. Es ist das Recht der Familie, damit so umzugehen, wie es am besten ist für die Familie.

Sabine Kehm lernt Schumacher 1994 kennen. Es ist seine erste wirklich erfolgreiche Saison: Schumacher kämpft um die WM, Kehm ist Sportreporterin. „Er war im Umgang distanziert, vorsichtig“, sagt sie heute.

Wie haben Sie den Sportler Michael Schumacher in Erinnerung?

Als extrem leidenschaftlich in seinem Kampf. In manchen Kämpfen gar als rücksichtslos. Als Mann, der alles dem Sieg untergeordnet hat, der bereit war, zu sich selbst fast schon gnadenlos zu sein. Michael hat alles dafür getan, Rennen zu gewinnen. Um dem Team das zu geben, was das Team von ihm wollte: Siege. Außerdem hat er dem Team Führung und Stärke gegeben durch seine Art: geradlinig, klar, energetisch, motivierend.

Und als Mensch?

In all den Formel-1-Jahren hatte er wirklich zwei Persönlichkeiten. Privat war er ein komplett anderer Typ. Sehr locker, sehr rheinländisch, sehr großzügig, auch sensibel. Ein äußerst liebevoller Familienvater und Familienpartner. Die Familie war immer das Wichtigste. Das war immer ganz klar. Ein guter, verlässlicher, manchmal bis ins Alberne gehende Freund, der Spaß haben wollte und konnte im Leben.

2000 wurden Sie seine Medienberaterin, später übernahmen Sie das komplette Management. Wie kam es dazu?

Im Zuge der Hysterie um seinen Beinbruch 1999 und die wieder verloren gehende WM hat sich Michael von seinem damaligen Pressesprecher getrennt und danach mich kontaktiert. Über die Jahre habe ich mehr und mehr weiterführende Aufgaben neben der reinen Medienarbeit übernommen. 2009 bot Michael mir dann das Management komplett an. Seither bin ich für das gesamte Bild verantwortlich.

Haben Sie Ihre Meinung über ihn geändert?

Ja, natürlich. Ich kannte vorher nur den öffentlichen Schumacher. Ich hatte auch keinen besonders guten Draht zu ihm. Den Menschen abseits der Strecke kannte ich bis dahin nicht. Er ist mir sehr lieb geworden, ebenso wie seine Familie.

Schumacher ist geliebt worden. Viel mehr als zum Beispiel Sebastian Vettel heute geliebt wird …

Michael ist immer noch ein absoluter Weltstar. Das liegt natürlich zunächst mal an seinen Erfolgen als erfolgreichster Formel-1-Fahrer in der Geschichte des Sports, und es liegt natürlich auch an Ferrari, mit denen er fünf seiner sieben Titel holte; die Strahlkraft beider Marken befruchtet sich gegenseitig. Dann liegt es an seiner Art, die ich vorhin geschildert habe, an seiner Haltung niemals aufzugeben und alles bis zuletzt zu probieren. Ich glaube, dass Weltstars Menschen sind, die polarisieren. Man liebt sie oder man hasst sie, dazwischen gibt es nichts. Sie lassen niemanden kalt. Aber wenn Sebastian mit Ferrari gewinnt, wird auch bei ihm die Liebe wieder hochschießen.

Was war Ihr größter Moment in der Zusammenarbeit mit Schumacher?

Dieser WM-Gewinn 2000 in Japan. Das war der Explosionsgewinn. Da kam so viel raus bei der Mannschaft. Das war irre. Die WM mit Ferrari in Suzuka war auch für Michael der allergrößte Moment. Obwohl es schon sein dritter Titel war – es war der wichtigste. Darin steckte so viel Herzblut und Feuer nach den Misserfolgen und der Kritik. Da war so viel Druck. Das war die tollste und entscheidende WM für ihn; sie hat aus einem erfolgreichen Rennfahrer eine ikonische Legende gemacht.

Heute managen Sie auch seinen Sohn Mick, der auf dem besten Weg ist, in Michaels Fußstapfen zu treten.

Er macht dieses Jahr den Schritt von der Formel 4 in die Formel 3, ein sportlich großer Schritt. Die Autos sind nicht mehr weit weg von der Formel 1, der Wettbewerb ist extrem eng. Das erste Jahr ist ein Lernjahr. Mick macht das perfekt, er geht unbeirrt seinen Weg, lässt sich nicht unter Druck setzen und nimmt sich die Zeit, die es braucht, um ein kompletter Rennfahrer zu werden.

Das Interview mit Sabine Kehm ist der letzte Teil der preisgekrönten RND-Serie "diese eine Sekunde". Aus den ersten 50 Folgen ist ein Fußball-Buch entstanden: Bewegende Schicksale, große Momente, starke Persönlichkeiten. Mehr Infos auf dieseeinesekunde.de

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