15. September 2018 / 10:10 Uhr

Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz: Jan Ullrich bekam es "nicht auf die Reihe"

Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz: Jan Ullrich bekam es "nicht auf die Reihe"

Thomas Becker
Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz hat keine hohe Meinung vom ehemaligen Rad-Superstar Jan Ullrich.
Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz hat keine hohe Meinung vom ehemaligen Rad-Superstar Jan Ullrich. © imago
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Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz im SPORTBUZZER-Interview über das Ende im Cross Country, Alter, Probleme nach der Karriere - und was Jan Ullrich falsch gemacht hat.

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SPORTBUZZER: Frau Spitz, die Cross-Country-WM am vergangenen Wochenende fand ohne Sie statt – zum ersten Mal seit 1995. Zuvor hatten Sie Ihre Karriere in dieser olympischen Disziplin beendet. Wie kam’s?

Sabine Spitz (46): Der Sturz beim Weltcup in Val di Sole Anfang Juli hat mir sozusagen das Genick gebrochen. Eine Stauchung der Halswirbelsäule verursachte eine Schwellung im Rückenmark, die auf die Nerven im Arm gedrückt hat, sodass ich mehrere Wochen lang nicht auf dem Rad sitzen konnte. Geschlafen habe ich auf einem Hartgummiball, um die muskuläre Spannung in der Schulter wegzubekommen. Eigentlich wollte ich diese letzte WM genießen – aber so kann ich das nicht. Weil ich einen Anspruch an mich habe. Dann bleibe ich lieber weg.

Ihre Karriere ist aber nicht zu Ende: An diesem Wochenende starten Sie bei der MTB-Marathon-WM in Südtirol – ein großer Unterschied zu Cross Country?

Was die Leistungsanforderungen betrifft, liegt das schon weit auseinander. Ein Marathon ist über 80 Kilometer lang, dauert mehr als vier Stunden – das kommt dem nahe, was auch der Freizeitbiker fährt. Cross Country dauert gut eineinhalb Stunden, ist mit Sprüngen und Drops technisch aber viel anspruchsvoller, und was die Herzfrequenz angeht, bewegt man sich vom Startschuss weg im tiefroten Bereich. Diese Anforderungen bin ich nicht mehr bereit einzugehen – und auch die Risiken nicht. Mit zunehmendem Alter fragst du dich schon zweimal, was du da gerade machst.

Nach Verletzung vor Olympischen Spielen: "Konnte nicht damit abschließen"

Sie schalten sozusagen einen Gang runter – allzu verständlich, schließlich werden Sie im Dezember 47. Wieso können Sie nicht aufhören? Sind Sie radsportsüchtig?

Würde ich so nicht sagen. Der Spaß und die Leidenschaft am Mountainbiken sind einfach immer noch da.

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Haben Sie Kontakt zu anderen Oldies im Spitzensport?

Ich kenne Michael Teuber, den mehrfachen Paralympics-Sieger. Der ist noch ein paar Jahre älter als ich – und spricht noch von Tokio 2020. Wenn die Passion da ist und du auch finanziell mit dem Sport durchkommst: Warum nicht? Kann es was Besseres geben, als das Hobby zum Beruf zu machen? An der Mehrzahl der Tage genieße ich es, so einen tollen Beruf zu haben.

Aber man will ja auch einen schönen Schlusspunkt finden. Was haben Sie gedacht, als Ole Einar Björndalen seine Karriere mit 44 beendet hat? „Das müsste ich auch“?

Genau das hatte ich für Rio geplant, für meine fünften Olympischen Spiele. Durch eine Verletzung ist das zunichte gemacht worden (Spitz wurde 19., nach zuvor Gold, Silber und Bronze 2004, 2008 und 2012, d. Red.). Dass ich danach noch weiter im Weltcup gefahren bin, war diesem Ereignis geschuldet. Ich konnte nicht damit abschließen.

Jan Ullrich? "Zu viele schlechte Einflüsse"

Sie haben das Thema Geld angesprochen. Der Cross-Country-Weltcup ist für Sponsoren interessant – ist das die eher lose Marathon-Weltserie auch?

Man muss schauen, was man seinen Partnern bieten kann. Das Thema Bike-Camps werde ich künftig sicher forcieren.

Sollte es Programme für Profisportler geben, für einen langsamen Übergang vom Sport zum „normalen Leben“? Viele tun sich nach dem Karriereende ja schwer, siehe Jan Ullrich ...

Er hat sich ja schon während seiner Karriere als nicht besonders sportlich gezeigt. Der konnte es einfach nicht auf die Reihe kriegen, hatte zu viele schlechte Einflüsse um sich herum gehabt. Irgendwie war alles zu viel für ihn.

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Haben Sie einen Plan für das Leben danach?

Coaching ist ein Thema, das ich verstärkt angehen möchte. Und vielleicht einen Coffeeshop eröffnen.

Wie bitte?

Ich lebe im Südschwarzwald ja in einer absoluten Coffeeshop-Wüste – und das als bekennende Kaffeetante und -liebhaberin. Alle Radfahrer, die ich kenne, sind Kaffeejunkies. Da bleibt mir nichts anderes übrig, als selbst einen Laden aufzumachen: Cycle & Coffee.

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