23. August 2018 / 06:15 Uhr

Schalke-Boss Christian Heidel: "Bayern wird nicht noch einmal so dominant sein"

Schalke-Boss Christian Heidel: "Bayern wird nicht noch einmal so dominant sein"

Robert Hiersemann
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Sportvorstand Christian Heidel geht in seine dritte Saison auf Schalke. 
Sportvorstand Christian Heidel geht in seine dritte Saison auf Schalke.  © Imago-Montage
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Schalkes Sportvorstand Christian Heidel spricht im Interview über den Verkauf von Thilo Kehrer, die Machtverhältnisse im deutschen Fußball und seinen Trainer Domenico Tedesco. 

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Seit Christian Heidel die Geschicke auf Schalke lenkt, läuft es bei den Königsblauen wieder. Der Sportvorstand hat im Verein vieles umgekrempelt und ihn gemeinsam mit Trainer Domenico Tedesco in der letzten Saison zur Vize-Meisterschaft geführt. Vor dem Auftakt gegen Wolfsburg zeigt sich der 55-Jährige angriffslustig.

Herr Heidel, fallen Sie abends ins Bett und schlafen sofort ein oder grübeln Sie noch lange?

Ich kann schlecht einschlafen, bei mir rattert es meist noch im Kopf.

Was machen Sie dann?

Ich schalte mir im Bett den Fernseher an und schaue Netflix. Meine Frau schläft dann schon. Am nächsten Morgen werde ich ausgeschimpft, weil der Fernseher immer noch läuft. Ich bin großer Serienfan, schlafe aber häufig dabei ein.

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Welche Serie schauen Sie aktuell?Designated Survivor. Ein Mann wird unverhofft Präsident der Vereinigten Staaten und sein Leben dreht sich komplett.Wo kommen Ihnen die besten Ideen?

Unter der Dusche und im Auto. Ich genieße es, alleine längere Strecken Auto zu fahren. Fast alle meine Ideen entstehen dabei.

Wie merken Sie sich, worüber Sie nachdenken?

Ich bin kein Freund von Zetteln, doch ich male mir Schaubilder. Bei mir zu Hause hängen Flipcharts. Ich male mir Schalke auf und unterteile farblich nach Häuptlingen, Indianern, Qualitäten und noch vielem mehr. Das ist ein Hobby von mir, es hilft. Und glauben Sie mir: Ich habe ziemlich viele bunte Bilder zu Hause hängen (lacht).

Zuletzt verkauften Sie Thilo Kehrer für 37 Millionen Euro nach Paris. Ob das den Fans gefällt?

Kritiker wird es immer geben, aber ich muss wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen. Zudem wird Thilo oft als Eigengewächs der Schalker Nachwuchsabteilung dargestellt, eigentlich war er nur zweieinhalb Jahre in der Knappenschmiede.

"Zwölf Jahre Schalke und dann ein Abschiedsspiel  – die Zeiten sind vorbei"

Profis wie Leroy Sané spielten länger dort und wurden verkauft.

Das wird es immer geben, so lange es etwas über Schalke gibt. Aber es darf in meinen Augen kein Argument sein, dass wir Spieler nicht abgeben, weil sie aus unserem Nachwuchs kommen. Spieler wie Sané oder Kehrer bringen uns hohe Geldbeträge, die uns die Möglichkeit geben, die Mannschaft und den Verein weiterzuentwickeln.

Für den Kehrer-Transfer gab es verhältnismäßig wenig Kritik.

Das ist ja auch richtig. Denn wenn ich mir in anderen Vereinen die aktuellen Profikader anschaue, sehe ich auch dort kaum Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Der Fußball hat sich einfach verändert. Es wäre wünschenswert, aber es ist einfach Fußball-Romantik, wenn man glaubt: Ein Spieler muss auf Schalke ausgebildet werden, zu den Profis kommen und zwölf Jahre später hier sein Abschiedsspiel geben. Diese Zeiten sind leider vorbei!

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Mit ihrem Trainer Domenico Tedesco haben Sie vorzeitig bis 2022 verlängert. Welche Summe müsste man Ihnen zahlen, damit Sie ihn doch abgeben?

Das steht nicht zur Diskussion. Mit Domenico würde Schalke den Erfolg abgeben. Einen guten Trainer zu ersetzen, ist das Schwierigste, was es im Profifußball gibt. Und deshalb haben wir Domenico proaktiv einen neuen Vertrag ohne jegliche Ausstiegsklausel vorgeschlagen, den er angenommen hat.

Der FC Bayern ist in dieser Transferperiode bisher ohne Topzugang ausgekommen. Ist Schalke dadurch wieder näher herangerückt?

Da traue ich dem Frieden noch nicht so ganz. Aber wir haben keinen Einfluss auf die Bayern, wir müssen unseren Job machen. Es gibt eine ganze Reihe von Klubs, die es verstehen, sich Schritt für Schritt zu verbessern. Jetzt müssen wir alle da sein, wenn die Bayern mal schwächeln. Aber auf Dauer mit ihnen mitzuhalten wird nicht einfach. Dazu sind sie wirtschaftlich zu überlegen.

Wie dominant wird Bayern in dieser Saison sein?

Mein Gefühl sagt mir, dass der FC Bayern in den nächsten zwei Jahren nicht noch einmal so dominant sein wird, um mit 20 Punkten Vorsprung Meister zu werden. Das wollen wir nicht und die Bayern ja auch nicht (lacht).

Ist Ihr Verein sportlich besser aufgestellt als vergangene Saison?

Unser Kader ist in der Breite noch besser als in der vergangenen Spielzeit. Wenn alle fit sind, wird es für Domenico schwierig sein, zu entscheiden, wen er aufstellt. Aber wir tanzen auf drei Hochzeiten und müssen auf Verletzungen reagieren können. Das funktioniert nur, wenn wir auf allen Positionen mehrfach gut besetzt sind. Trotzdem ist die Kadergröße noch überschaubar.

Was antworten Sie auf die lästige Titelfrage?

Die wird mir nie gestellt. Das ist so eine Schalke-Mär. Es wird schon wieder geschrieben, dass Schalke von der Schale träumt. Doch wir sind total realistisch, genau wie unsere Fans. Bisher hat mir kein Schalke-Anhänger gesagt, dass wir in dieser Saison Meister werden müssen.

"Das Ronaldo-Risiko wäre Bayern zu groß"

Der Wechsel von Cristiano Ronaldo zu Juventus Turin überstrahlt in diesem Transfersommer alles. Würde ein Spieler dieser Kategorie auch der Bundesliga gut tun?

In der Kategorie von Ronaldo ist nur noch Lionel Messi. Doch die Verpflichtung eines Ronaldo passt nicht zur deutschen Kaufmanns-Mentalität. Wir sind für solche Toptransfers zu vorsichtig.

Weshalb sind wir zu vorsichtig?

Ich bin großer Ronaldo-Fan, doch er ist 33 Jahre alt und bekommt vier Jahre Vertrag. Was passiert, wenn er sich mal schwer verletzt? Das Risiko ist einfach zu groß. Den Ronaldo-Transfer sollte man aber nicht heute sondern in vier Jahren bewerten.

Ohnehin würde wohl nur der FC Bayern für einen solchen Transfer infrage kommen.

Doch auch der FC Bayern wäre das Risiko Ronaldo vermutlich nicht eingegangen. Für die Serie A ist es toll, und wäre Ronaldo zu Bayern München gewechselt, würde sich bei uns jetzt alles um ihn drehen. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, ob alle Bundesligaklubs zusammenlegen, um einen Spieler wie Ronaldo nach Deutschland zu holen (lacht).

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