Kapitän, Urgestein, Wortführer: Benedikt Höwedes ist seit sechs Jahren Kapitän des FC Schalke 04. Kapitän, Urgestein, Wortführer: Benedikt Höwedes ist seit sechs Jahren Kapitän des FC Schalke 04. ©
Kapitän, Urgestein, Wortführer: Benedikt Höwedes ist seit sechs Jahren Kapitän des FC Schalke 04.

Schalke-Kapitän Höwedes exklusiv: "Als Profi lebst du in einer Parallelwelt"

Er ist Anführer auf Schalke und Weltmeister. Mit dem Sportbuzzer sprach Benedikt Höwedes über die hohen Profi-Gehälter, das gestiegene Selbstbewusstsein der Nachwuchstalente und die Abschottung der Fußballstars.

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Herr Höwedes, Sie sind seit zehn Jahren Bundesliga-Spieler, sind Schalke-Kapitän und Weltmeister. Versetzen Sie sich einmal in die Anfangszeit Ihrer Profikarriere zurück. Was sind die krassesten Veränderungen in der Liga von damals zu heute?

Benedikt Höwedes (28): Die jungen Spieler, die heute zu den Profis hochkommen, sind deutlich selbstbewusster. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen.

Wie meinen Sie das genau?

Ich bin noch in der Zeit groß geworden, als man sich als Junger hinten anstellen musste, auch wenn man im Training besser war, hat dies keine Rolle gespielt, weil die Alten gespielt haben. Es soll aber nicht so negativ klingen. Wir profitieren von den Jungen, von der Unbekümmertheit und ihrer Dynamik. Aber bei uns musste man sich erst einmal durchboxen und demütig sein. Das ist heute nicht immer der Fall. Demut würde manchen jungen Spielern ganz guttun.

In Brasilien: Höwedes mit seiner Frau Lisa. Gemeinsam leben sie aktuell in Düsseldorf. In Brasilien: Höwedes mit seiner Frau Lisa. Gemeinsam leben sie aktuell in Düsseldorf. ©

Die Profis werden immer jünger und die Gehälter immer höher. Sollte eine Gehaltsobergrenze für „Teenagerprofis“ eingeführt werden?

Das Problem ist meist, dass viele junge Spieler verhätschelt werden. Es wird ihnen erzählt: „Du bist der Beste! Du bist der Beste!“ Und das gleich von fünf Mannschaften, weil alle dieses eine Talent haben wollen. Wenige trauen sich, zu sagen: „Du machst nicht alles gut. Das hier sind deine Schwächen. Daran musst du arbeiten.“ Die Folge ist dieses Selbstbewusstsein, das bis zu uns hochgetragen wird.

Zurück zur Ausgangsfrage: Sollte es eine Gehaltsobergrenze für Jungprofis geben?

Ein 17-Jähriger sollte keine zwei Millionen Euro im Jahr verdienen. Das sind Summen, die utopisch für dieses Alter sind. Damit zurechtzukommen ist nicht einfach. Wie soll man es verarbeiten, wenn man als 17-Jähriger so viel verdient wie sein Vater in 15 Jahren?

Immer für ein cooles Foto zu haben

Stellen Sie sich mal vor, dass Sie in den Siebzigerjahren Fußballspieler gewesen wären. Was, glauben Sie, hätte Ihnen in dieser Zeit als Bundesliga-Profi so richtig gut gefallen?

Die Art und Weise, wie man als Fußballer auf die Straße gehen konnte, weil nicht jeder ein Handy hatte, mit dem heute alles festgehalten wird. Klar, Fans wollten auch damals Autogramme und einen Hype um Fußballer gab es auch schon, aber es war nicht diese totale Kontrolle wie heute, dieses „Big Brother is watching you“-Gefühl.

Was meinen Sie damit genau?

Wenn ich heute im Restaurant essen gehe und am Nebentisch einer sitzt, der sieht, wie ich kleckere und einen Fleck auf dem Hemd habe, sagt er über mich: „Guck dir den Affen mal an, der kann nicht richtig essen.“ Dann macht er davon ein Foto und lädt es im Internet hoch. Mir ist das noch nicht passiert, aber es ist sinnbildlich. Es wird einem als Fußballer überall auf die Finger geguckt. Das ist verrückt.

Höwedes in Zahlen

  • "Bene" hat bisher 228 Spiele für Schalke 04 absolviert
  • 43 Mal lief er für die Deutsche Nationalmannschaft auf
  • Sein Heimatverein ist der TuS Haltern, für den er in der Jugend spielte​
  • Für S04 traf er bislang 11 Mal in der Bundesliga

Was macht dieses Gefühl der totalen Überwachung mit einem?

Man kapselt sich vielleicht noch mehr ab. Man lebt als Profi ohnehin in einer Parallelwelt, weil man in diesen Gehaltsregionen liegt, in der Öffentlichkeit steht, weil jeder einen kennt. Man lebt kein normales Leben mehr.

Ist das schlimm?

Irgendwann ist das Fußballerleben mal vorbei und dann musst du wieder ein normales Leben führen. Aber das kennen dann viele gar nicht mehr. Es werden einem alle Sachen abgenommen. Doch wenn man in das normale Leben zurückkommt, sind da nicht mehr fünf Leute um dich herum, die dir sagen, was zu machen ist.

Benedikt Höwedes und sein größter Triumph. Gemeinsam mit der deutschen Nationalmannschaft gewann er die WM 2014 in Brasilien. Benedikt Höwedes und sein größter Triumph. Gemeinsam mit der deutschen Nationalmannschaft gewann er die WM 2014 in Brasilien. ©

Wie selbstständig leben Sie als Profifußballer?

Ich versuche, normal zu leben. Ich fahre auch mal mit der Bahn, gerade weil mich dort keiner erwartet. Wenn man aber mit dem Lamborghini über die „Kö“ fährt, dann denken die Leute natürlich gleich: „Hm, wer könnte das wohl sein?“ Wenn man einen Lamborghini fährt, darf man sich auch nicht beschweren, wenn man angesprochen wird. Ich bin in Düsseldorf meist mit dem Fahrrad oder der Bahn unterwegs, wenn ich nicht gerade einkaufen muss.

Gladbach-Legende Rainer Bonhof sagt, dass Fußballer heute behandelt werden wie früher nur Popstars. Stimmt das?

In gewisser Weise ist das so. Es gibt dabei natürlich Unterschiede. Ob ich ein Zweitliga- oder Erstligaspieler bin und auch, ob ich ein durchschnittlicher Erstligaspieler bin oder Cristiano Ronaldo – das ist noch mal ein Quantensprung. Ich persönlich möchte kein Cristiano Ronaldo sein, weil ich dann auch nicht mehr auf die Straße gehen könnte.

Seine Erfolge

  • Deutscher A-Jugendmeister, 2006
  • U21-Europameister, 2009​
  • DFB-Pokalsieger mit Schalke, 2011​
  • Weltmeister in Brasilien, 2014​

Meinen Sie das ernst?

Ja, das meine ich ernst. Ich bin im Nachhinein auch froh, dass ich 2014 das Tor im WM-Finale nicht geschossen habe, sondern das Ding an den Pfosten gesetzt habe. Weltmeister bin ich auch so geworden und ich glaube, wenn ich dieses Tor damals gemacht hätte, stünde ich noch mal ganz anders im Fokus. So kann ich zumindest noch ein bisschen anonymer durch die Gegend laufen.

IMG_4806 Sportbuzzer-Reporter Robert Hiersemann im Gespräch mit Benedikt Höwedes © Privat
Fussball Bundesliga FC Schalke 04 (Herren) Benedikt Höwedes (FC Schalke 04)

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