13. Januar 2018 / 06:00 Uhr

Manager Christian Heidel im Interview: Schalke und Tedesco - das passt!

Manager Christian Heidel im Interview: Schalke und Tedesco - das passt!

Guido Schäfer
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Gemeinsame Zukunft: Christian Heidel verspricht den Fans eine lange Zusammenarbeit mit Coach Tedesco. 
Gemeinsame Zukunft: Christian Heidel verspricht den Fans eine lange Zusammenarbeit mit Coach Tedesco.  © imago
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Schalke-Trainer Domenico Tedesco soll noch lange bleiben, verrät Sportvorstand Christian Heidel im exklusiven SPORTBUZZER Interview. Der Schalke-04-Manager über alte Mainzer, die neue Schalker Liebe und das Topspiel am Samstag gegen RB Leipzig in der Red-Bull-Arena.

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Seit Christian Heidel Sportvorstand bei Schalke 04 ist, hat der Kultclub in Steine und Beine investiert. Allein 80 Millionen Euro fließen bis 2021 in die Schalker Infrastruktur. Trainingszentrum, Knappenschmiede, Rasenplätze, Bürokomplex. Der ewige Mainzer Manager Heidel, 54, über königsblaue Arbeitsbedingungen, die Mentalität im Pott, eine Bewährungsprobe, die keiner wollte, sieben Jahre Jürgen Klopp, fünf Jahre Thomas Tuchel, ein Jahr Markus Weinzierl und sechs Monate Domenico Tedesco. Am Samstagabend 18.30 Uhr, tritt Schalke (30 Punkte) bei RB Leipzig (28) an. Übrigens: Heidel war schon Manager in Mainz, als der Fragesteller im Mainzer Trikot mit gerichtsverwertbaren Fouls auffällig wurde.

Sie sind gebürtiger Mainzer, haben Ihren FSV 2016 nach über 20 Jahren Richtung Schalke verlassen. Kann man zwei Vereine lieben?

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich emotional so schnell an einen Club, der nicht Mainz 05 heißt, binden kann. Aber das ist passiert. Ich habe mich mit Haut und Haaren auf Schalke und die Menschen im Pott eingelassen. Vor meinem Dienstantritt war ich hier im Kino, habe einen Bergbaufilm gesehen. Ich war in einer Zeche, in Kneipen. Die Menschen sind sehr direkt, das bin ich auch. Es gab nie Anpassungsprobleme. Aber natürlich bleibt auch Mainz und Mainz 05 immer in meinem Herzen. Schalke ist mein Zuhause, Mainz ist meine Heimat und ich wünsche den 05er wirklich immer alles Gute außer in den Spielen gegen uns.

Sie sollen eine Sieben-Tage-Woche haben und sich dabei auch noch gut fühlen.

Mainz war kein 9-bis-17-Uhr-Job, Schalke ist auch keiner. Mein Terminkalender ist jeden Tag voll. Ich empfinde das nicht als Belastung, freue mich jeden Tag auf diesen wunderbaren Club, bin stolz, für Schalke arbeiten zu dürfen.

"Fans sollen und müssen euphorisch und glücklich sein. Wir müssen und können alles gut einsortieren"

Der 20-Uhr-Absacker in „Charlys Schalker“ im Erdgeschoss der Geschäftsstelle ist nach wie vor fixer Bestandteil?

Ja, ich musste nur dafür sorgen, dass Wein auf die Karte kommt. Auf Schalke regiert das Bier.

Schalke ist Zweiter, die Fans träumen von der Champions League.

Fans sollen und müssen euphorisch und glücklich sein. Wir müssen und können alles gut einsortieren. Mit vier Punkten weniger wären wir Achter. Wir haben uns jeden einzelnen Punkt hart erarbeitet, sind auf einem guten Weg und schwer zu schlagen. Die internationalen Plätze gehen bis Rang sechs. Es muss jetzt unser Ziel sein, da nicht mehr rauszufallen. Natürlich wollen wir ins internationale Geschäft. Leider gibt es mehr Bewerber als Plätze.

Der Lustgewinn beim Zuschauen hielt sich des Öfteren im Rahmen.

Hurra-Fußball und verlieren macht auch keinen Spaß. Im ersten Schritt wollten wir kompakter stehen. Das ist uns gelungen. Jetzt wird mehr Wert auf die Offensive gelegt. Aber spektakulär war es trotzdem häufig.

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Tuchel wird wieder einen Topclub trainieren

Schalke hat den 4:4-Sieg erfunden. 4:4 beim BVB.

Das war das verrückteste Spiel, bei dem ich dabei war. Wir hatten nach 30 Minuten gefühlt ständig den Ball, lagen 0:4 hinten und hätten 5:4 gewonnen, wenn es noch ein paar Minuten gegangen wäre.

Apropos BVB: Sie haben Thomas Tuchel 2009 zum Bundesliga-Trainer gemacht. Heute gilt Tuchel als wenig anschmiegsam und schwierig. Sind Sie der Einzige, der mit Tuchel kann?

Es geistern viele Unwahrheiten über Thomas umher. Vorneweg: Er ist ein sensationeller Trainer und wird in absehbarer Zeit wieder einen Top-Club trainieren. Ich kann und möchte die Dortmund-Zeit nicht bewerten. Thomas und ich kamen sechs Jahre prima klar. Wie die meisten Toptrainer ist er ein akribischer und detailversessener Trainer ...

... der das Hütchen beim Training fünf Zentimeter nach rechts schiebt und auch auf einem fliegenden Teppich nach Webfehlern sucht.

Auch das gehört zu Thomas. Er hat ständig neue Ideen, ist voller Tatendrang und nie zufrieden. Er hasst Oberflächlichkeit.

Tuchel und Pep Guardiola sind demnach Brüder im Geiste.

Ja, sie sind ja auch befreundet.

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Gehört zur Ernsthaftigkeit derart gestrickter Trainer auch, dass sie nicht ganz so geniale Menschen nicht ernst nehmen und sie das auch spüren lassen?

Ich habe meinen Trainern immer ihren Weg gehen, ihre Erfahrungen sammeln, sich entwickeln lassen. Thomas ist 100 % authentisch und sehr offen und direkt. Vielleicht fehlt ihm hier und da dann mal die Gelassenheit in Gesprächen, darüber haben wir auch gesprochen.

Ist offenbar links rein- und rechts rausgegangen.

Thomas verbiegt sich nicht. Wissen Sie, was Thomas 2009 zu mir gesagt hat, als ich ihn vom A-Jugendtrainer zum Bundesliga-Trainer machen wollte?

Er fragte nach Kohle, Dienstwagen etc.?

Er wollte vier Wochen Bedenkzeit. Bedenkzeit, jeder andere hätte mir die Füße geküsst. Thomas ist einfach anders. Aber gerade das macht ihn besonders.

Wolfgang Frank hat die graue Maus Mainz 05 bunt angemalt, mit Jürgen Klopp kamen Bundesliga und bundesweite Anerkennung, unter Tuchel ...

... hat Mainz 05 die erfolgreichsten fünf Jahre der Vereinsgeschichte hingelegt. Es waren auch für mich fünf intensive Jahre.

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Heidel über Klopp: "Wir telefonieren und simsen regelmäßig. Er hat mich schon 50 Mal nach Liverpool eingeladen, irgendwann besuche ich ihn."

Aus dem Zweitligaspieler Klopp wurde 2001 der Zweitligatrainer Klopp. Sie sind damals All-In gegangen. Am Rosenmontag.

Die öffentlichen Reaktionen waren keineswegs alle positiv – im Gegenteil. Man hat an meinem Verstand gezweifelt. Der Rest ist bekannt.

Wie intensiv ist Ihr Kontakt zu Klopp?

Wir telefonieren und simsen regelmäßig. Er hat mich schon 50 Mal nach Liverpool eingeladen, irgendwann besuche ich ihn.

Was waren Ihre Mainzer Highlights?

2004 – unser erster Bundesliga-Aufstieg. 2008 – der Abschied von Kloppo am Theaterplatz. 2010 – der Startrekord mit sieben Siegen, darunter beim FC Bayern. 2011 – die Einweihung unseres neuen Stadions.

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So kam es zur Tedesco-Verpflichtung

Kommen wir zu Ihrem aktuellen Coach. Domenico Tedesco kommt wie Tuchel aus der Nachwuchsförderung, ist zarte 32 und wird bei gleichbleibendem Erfolg irgendwann ManCity oder Bayern trainieren.

Er bleibt noch lange auf Schalke, das kann ich ihnen versprechen.

Wie kamen Sie auf Tedesco?

Als ich noch Manager in Mainz war, hat unsere U19 gegen die U19 von Hoffenheim gespielt. Mir sind damals zwei Dinge aufgefallen: Wir sind ziemlich chancenlos und der TSG-Typ am Seitenrand ist 90 Minuten unterwegs, stellt gefühlt 17-Mal die Taktik um, ist der zwölfte Mann. Er hat mich schon an Thomas und Jürgen erinnert.

Dann hat der TSG-Typ Erzgebirge Aue die zweite Liga erhalten.

Wenn man nur Domenicos Bilanz in Aue nimmt, wäre Aue Dritter geworden. Er hat die Mannschaft auf dem letzten Platz übernommen und hat derselben Mannschaft Leben und Struktur eingehaucht.

Stimmt es, dass Aues Boss Helge Leonhardt nach Ihrem Anruf um ein Haar aus dem Kellerfenster gesprungen wäre?

Er war verständlicherweise nicht glücklich. Domenico schwärmt aber auch heute noch von diesem besonderen Club und auch von Helge. Aue hat 16 000 Einwohner und spielt zweite Liga. Unglaublich. Wir kommen im Sommer zur Stadioneröffnung nach Aue.

Wann waren Ihnen klar, dass Tedesco der Richtige für Schalke ist?

Ich habe mich mit ihm in Mainz getroffen und auf meiner Terrasse mit ihm gesprochen. Sechs Stunden lang. Danach wusste ich: das passt!

Das wussten/ahnten Sie ein Jahr vorher bei Markus Weinzierl doch wohl auch.

Es hat nicht so funktioniert und zusammengepasst, wie wir uns das alle vorgestellt haben. Das kann passieren.

Und Sie bekamen nach fünf Niederlagen am Stück zu Saisonbeginn kein Auge mehr zu.

Ich habe schon besser geschlafen.

Kann man sagen, dass die ganze Saison 2016/2017 eine große Bewährungsprobe für Sie, den Vorstand, Clemens Tönnies und die Fans war?

Ja, aber eine, die sich keiner gewünscht hat.

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"Nach der Sitzung hast du auch mit über 50 das Gefühl, du könntest auflaufen und Bundesliga spielen. Domenico ist außerdem ein wunderbarer Mensch. Ehrlich. Loyal und anständig."

Der mächtige Aufsichtsratschef Tönnies blieb auffallend unauffällig.

Wir haben intern diskutiert und da auch kein Blatt vor den Mund genommen. Wir haben ein offenes und sehr freundschaftliches Verhältnis. Wir vertrauen uns.

Wie schwer war es für Sie, nach Weinzierl einen 32-jährigen Trainer durchzudrücken?

Durchgedrückt wird bei uns gar nichts, aber ich habe alle Beteiligten mitgenommen, alle involviert. Den Vorstand, den Aufsichtsrat, es gab Telefonkonferenzen. Und dann bin ich mit Domenico zu Clemens Tönnies gefahren. Der war hinterher genauso beeindruckt wie ich.

Platz zwei, dreißig Punkte, laut Kicker ist Schalke der Überflieger der Vorrunde. Alles richtig gemacht in Sachen Trainerbesetzung?

Ja, aber unabhängig vom Tabellenstand. Domenico ist ein exzellenter und extrem ehrgeiziger Trainer. Sie müssten mal bei einer Mannschaftssitzung dabei sein. Die sind einfach außergewöhnlich. Er wechselt vom Deutschen ins Französische, Englische, Spanische, reißt alle mit. Er holt Spieler nach vorne und fragt bei der Videoanalyse: „Wie würdest du diese Situation lösen?“ Nach der Sitzung hast du auch mit über 50 das Gefühl, du könntest auflaufen und Bundesliga spielen. Domenico ist außerdem ein wunderbarer Mensch. Ehrlich. Loyal und anständig. Er ist wirklich auf Schalke angekommen und die Schalker mögen ihn.

Er gilt als Workaholic.

Das stimmt und sicher muss er lernen, ab und zu einen Gang rauszunehmen. Ich sag‘ ihm dann: Nimm Deine Familie und geht mal in die Stadt, Coach.

Leon Goretzka hat seit Sommer das beste Schalker Angebot der Historie vorliegen.

Und wir haben seitdem auch nicht mehr nachverhandelt. Leon war mit der finanziellen Seite einverstanden, wollte abwarten, wie sich Schalke sportlich entwickelt. Wir sind Zweiter – mehr geht in der Bundesliga nicht. Wir stehen im Pokal-Viertelfinale (daheim gegen Wolfsburg; Red.) – mehr geht an dieser Stelle auch noch nicht. Wir haben alles gemacht, was in unseren Möglichkeiten steht.

Falls Goretzka Schalke in Richtung München verlässt, müssten Sie ihn dann noch schnell an die Bayern verkaufen?

Darüber mache ich mir jetzt keinen Kopf. Unsere Gedanken drehen sich um unser erstes Spiel, um Leipzig.

Ab wann wäre der Auftakt bei RB für Sie ein gelungener?

Wir kämpfen wie immer mit allem, was wir haben, um drei Punkte. Wenn es am Ende einer wird, wäre das auch in Ordnung. Leipzig ist sehr stark.

Beim 2:0 auf Schalke ...

... sind wir phasenweise unter Druck geraten. Dafür muss man sich gegen so eine Mannschaft nicht schämen. Wir haben trotzdem wenig zugelassen, verdient gewonnen.

Sie haben Marko Pjaca von Juventus Turin ausgeliehen. Der ersten Eindrücke waren sensationell. Gibt es eine Kaufoption?

Nein, die wäre auch in Dimensionen, über die wir nicht nachdenken müssen.

Über 25 Millionen Euro?

Über 25 Mio. hätte Juve geschmunzelt.

Das internationale Abschneiden der Bundesliga ist bescheiden. Nur eine Momentaufnahme?

Ich würde jedenfalls nicht die große Krise ausrufen. Der BVB ist einer schwächeren Phase aus der Champions League ausgeschieden, und in der Europa League waren nicht die üblichen Verdächtigen vertreten. So ein Jahr kann passieren.

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Heidel über die Werner-Schwalbe

Die Schere zwischen der Premiere League und der Bundesliga wird sich nicht mehr schließen. Muss 50 + 1 weg?

Der englische Pay-TV-Markt ist nicht mit dem deutschen zu vergleichen, die Premiere-League lässt sich mit Clubs wie ManCity, ManUnited oder Chelsea auch weltweit ganz anders vermarkten. Der Vorsprung ist einfach zu groß. Aber wem oder was soll der Wegfall von 50 + 1 bringen? Glauben Sie, dass alle Bundesliga-Clubs für strategische Partner interessant sind? Die Schere in Deutschland ginge noch weiter auseinander. Oder wollen wir die ausländische Investoren, die unsere Clubs als Spielzeug nutzen? Da haben wir ja schon ein Beispiel bei einem Traditionsverein im Süden Deutschlands, auch ohne 50+1. Ich finde das deutsche Modell okay. Die Bundesliga muss weiter die Nachwuchsarbeit forcieren und besser als andere arbeiten.

Eine Frage hätten wir noch: Was sagt Ihnen der Name Timo Werner?

Super Fußballer, höllisch schnell, tolle Entwicklung.

Und sonst so, Herr Heidel?

Ja, ja, die Schwalbe. Schnee von vorgestern. Längst abgehakt.

Sie blieben damals auffallend ruhig.

Es war weder die erste noch die letzte Schwalbe des deutschen Fußballs.

Das Leipziger Krisenmanagement war suboptimal.

Hätte man besser machen können, aber hinterher ist man immer schlauer.

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