26. Oktober 2017 / 00:54 Uhr

Schiedsrichter Zwayer wird für Fans von RB Leipzig zum Feindbild Nummer eins

Schiedsrichter Zwayer wird für Fans von RB Leipzig zum Feindbild Nummer eins

Matthias Roth
Felix Zwayer zeigt Naby Keita die gelb-rote Karte.
Felix Zwayer zeigt Naby Keita die gelb-rote Karte. © dpa
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Ralf Rangnick stürmt auf den Rasen, Elfmeter werden gegeben und zurückgenommen, andere gibt es gar nicht. Der Unparteiische sorgte im DFB-Pokal RB gegen Bayern München für reichlich Gesprächsstoff.

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Leipzig. Das Feindbild hatte am Mittwochabend seit der 35. Minute für die Fans von RB Leipzig einen Namen: Felix Zwayer. Der Schiedsrichter pfiff zunächst einen Elfmeter für die Gastgeber, nahm nach einer Besprechung mit seinem Assistenten die Entscheidung aber zurück und gab Freistoß an der Strafraumgrenze. Was war passiert? Arturo Vidal foulte im Laufduell Emil Forsberg und der Schwede stürzte in den Sechszehnmeter-Raum. Für Zwayer eine ganz knifflige Situation. Der Bayern-Spieler hatte vor der Box zu seiner Aktion angesetzt und den Schwede schließlich wenige Zentimeter vor der Linie getroffen. Auch die mehrfachen Wiederholungen der TV-Bilder brachten keine eindeutige Aufklärung, weil der Zweikampf erst im Strafraum endete. "Ich würde sagen, ja es war Elfmeter. Ich bin weiter gegangen und wollte den Abschluss, da grätscht er noch einmal. Es war ganz nah am Strafraum. Ich will aber nicht über die Entscheidung klagen, das ist Fußball", so Emil Forsberg.

Pokalhammer RB - Bayern: Fußballfieber in Leipzig

Rangnick und der "Handybeweis"

RB-Sportdirektor Ralf Rangnick brodelte auf der Tribüne innerlich wie ein Vulkan nach dieser Szene und machte sich schon Minuten vor dem Pausenpfiff auf den Weg zum Spielfeld. Sekunden vor der Halbzeit musste Robert Kampka, der vierte Offizielle, den 59-Jährigen zurückhalten und noch einmal auf die Bank schicken.

Mit dem Abpfiff war Rangnick nicht mehr zu halten, mit zackigem Schritt nahm er Kurs auf das Schiedsrichtergespann und fuchtelte mit dem Handy herum. "Es gab ja heute keinen Videobeweis. Den wollte er da wahrscheinlich nachliefern", kommentierte Ralph Hasenhüttl die Szene später. Bis zu den Unparteiischen drang er aber nicht vor, weil Mats Hummels zusammen mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic ihm den Weg versperrten und Rangnick somit schützten. „Es geht natürlich nicht, dass man da hingeht und dem Schiedsrichter das Handy zeigt. Ich habe ihm gesagt, dass es unsportlich ist", so Hummels.

Torhüter Sven Ulreich, ein ehemaliger Weggefährte aus Stuttgarter Zeiten, redete schließlich beruhigend auf Rangnick ein. "Es ging sehr schnell, ich bin der Meinung, es war Elfmeter, habe aber noch keine Bilder gesehen. Ich will dem Schiedsrichter keinen Vorwurf machen. Er meinte, dass der Schlag außerhalb war", kommentierte Marcel Sabitzer die strittige Szene.

DURCHKLICKEN: Rangnick stürmt auf den Platz

Eklat in der Halbzeitpause des Spitzenspiels zwischen RB Leipzig: Sportdirektor Ralf Rangnick stürmt auf den Platz. Zur Galerie
Eklat in der Halbzeitpause des Spitzenspiels zwischen RB Leipzig: Sportdirektor Ralf Rangnick stürmt auf den Platz. ©
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Frühzeitiges Ende für Keita

Zwayer baute seinen Ruf als Hassobjekt Nummer eins bei den Fans in der zweiten Hälfte gleich weiter aus. Kurz nach Wiederanpfiff brachte Jérôme Boateng seinen Gegenspieler Jean-Kévin Augustin zu Fall. Die Aktion ereignete sich dieses Mal klar im Strafraum. Zwayer ließ weiterspielen. Boateng habe auch den Ball getroffen. Die Menge tobte aufgebracht auf den Rängen und wurde auch nicht ruhiger.

Der nächste Aufreger folgte nämlich gleich in der 53. Minute. Der bis dahin bärenstarke Naby Keita zupfte Robert Lewandowski beim Sprintduell am Trikot und der Pole brach einfach ab. Taktisches Foul - gelbe Karte. In der 45. Minute hatte der Leipziger schon einmal Gelb gesehen und musste zum Duschen. Mit Übermut und Diszplinlosigkeiten wie bei den Platzverweisen in den vergangenen Wochen hatten die Keita-Aktionen dieses Mal nichts zu tun. Besonders bitter. Die teils rüden Fouls gegen Keita in Durchgang eins wurden mit keiner Karte geahndet. „Ich habe mich vor allem darüber geärgert, dass nach dem zweiten Foul von Naby und der zweiten gelben Karte, die er dann gekriegt hat, das passiert ist, was keiner sehen will. Das so ein Spiel kaputt gemacht wird", ärgerte sicher RB-Trainer Ralph Hasenhüttl. Ihm fehle bei Naby ein bisschen die Gleichbehandlung vom Schiedsrichter.

Kurze Versöhnung mit den Fans in der 67. Minute: Boateng fuhr auf der Strafraumlinie das Bein aus, Yussuf Poulsen stürzte - Elfmeter. Die gelbe Karte blieb aber stecken, sonst hätte auch der Nationalspieler vom Feld gemusst. "Leipzig bekommt einen unberechtigten Elfmeter", sagte Boateng kurz und knapp. Mats Hummels wird da noch deutlicher: "Das war die Königin der Konzessionsentscheidung."

Freunde wurden Zwayer und die Fans aber nicht mehr. Die Bayern bekamen dazu ihr Fett weg. "Ohne Schiri habt ihr keine Chance", sangen die Zuschauer.

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RB Leipzig - FC Bayern München (Imago) (11) Zur Galerie
RB Leipzig - FC Bayern München (Imago) (11) ©

Reichlich Gesprächsbedarf

Und auch in der Verlängerung blieben die Entscheidungen knifflig. Thiago riss in der 95. Minute das Bein hoch und traf Diego Demme mit dem Vollspann im Gesicht. Die Situation erinnerte an den Tritt von Keita gegen den Gladbacher Christoph Kramer. Zwei Unterschiede: Kramer blutete danach stark, Demme nicht. Keita bekam die rote Karte, Thiago nur die gelbe.

Bei allen Diskussionen muss aber auch gesagt werden, Timo Werner stand in der 114. Minute bei seinem Treffer tatsächlich mit einer Schuhspitze im Abseits.

Die Zuschauer erlebten trotz oder vielleicht auch wegen der Millimeter-Entscheidungen einen unvergesslichen Fußballabend mit Gesprächsstoff für den Rest der Woche. Nur einer wollte nicht reden: Felix Zwayer.

Rangnick hatte beim "SPORTBUZZER-Fantalk 3.0" am Dienstagabend in Leipzig noch gefordert: Schiris sollten nach dem Spiel in der Mixedzone auch Rede und Antwort stehen. Zwayer hatte offenbar nicht eingeschaltet.

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Emil Forsberg: „Für mich war es ein Elfmeter. Es ist schwer zu sagen. Es tut weh. Wir haben ein super Spiel abgliefert. Wir waren über 60 Minuten mit einem Mann weniger auf dem Platz. Das Leben geht weiter.“ (@ Imago) Zur Galerie
Emil Forsberg: „Für mich war es ein Elfmeter. Es ist schwer zu sagen. Es tut weh. Wir haben ein super Spiel abgliefert. Wir waren über 60 Minuten mit einem Mann weniger auf dem Platz. Das Leben geht weiter.“ (@ Imago) ©
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