18. September 2018 / 06:00 Uhr

Sky-Chef Carsten Schmidt kritisiert Bundesliga: "Wir sind enttäuscht vom Wettbewerb um die Meisterschaft"

Sky-Chef Carsten Schmidt kritisiert Bundesliga: "Wir sind enttäuscht vom Wettbewerb um die Meisterschaft"

Imre Grimm
Sky-Chef Carsten Schmidt spricht im SPORTBUZZER-Interview über die Entwicklung der Bundesliga und die Vergabe von TV Rechten
Sky-Chef Carsten Schmidt spricht im SPORTBUZZER-Interview über die Entwicklung der Bundesliga und die Vergabe von TV Rechten © dpa
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Sky-Chef Carsten Schmidt spricht im SPORTBUZZER-Interview über die Entwicklung der Bundesliga, die künftige Rolle seines Senders im Fußball, Veränderungen bei den Anstoßzeiten und die anstehende Champions-League-Saison.

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Carsten Schmidt ist seit Juni 2015 Vorstandsvorsitzender der Sky Deutschland AG. Er arbeitet seit 1999 im Unternehmen, das damals noch Premiere hieß. Als Sportchef verantwortete er die Redaktion und Produktion des Sportangebots sowie des Nachrichtensenders Sky Sport News HD, bevor er 2006 in den Vorstand eintrat. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über...

SPORTBUZZER: Herr Schmidt, Sky hat zuletzt wichtige Sportrechte verloren: die Premier League an DAZN, die Formel 1, das Freitagsspiel in der Bundesliga an Eurosport. Es muss Ihnen doch wehtun, dass Sie in Sachen Bundesliga nicht mehr mit dem Slogan „Alle Spiele, alle Tore“ werben können.

Carsten Schmidt (54): Wir waren natürlich nicht einverstanden damit, dass das Bundeskartellamt für die Bundesliga eine „No Single Buyer Rule“ für die Live-Rechte eingeführt hat…

…dass also das gesamte TV-Rechtepaket nicht mehr an einen einzigen Anbieter vergeben werden durfte.

Das ist aus unserer Sicht nicht der richtige Schritt für die Konsumenten. Es war natürlich nicht in unserem Interesse, dass Sky-Zuschauer das Freitagsspiel jetzt nicht mehr bei uns verfolgen können. Trotzdem sehen unsere Kunden auch weiterhin exklusiv nur bei Sky 266 der 306 Spiele der Bundesliga. Zudem gibt es nur bei Sky die 2. Bundesliga live und exklusiv.

In der Champions League müssen Sie sich die Rechte mit DAZN teilen. Der Modus klingt kompliziert: In der Gruppenphase zeigen Sie je ein Einzelspiel, mittwochs haben Sie immer die erste Wahl, dienstags drei Mal. DAZN zeigt dann die weiteren Einzelspiele. Im Achtel- und Viertelfinale zeigt DAZN die Hinspiele einzeln exklusiv in voller Länge, nur Sky darf die Rückspiele zeigen. Im Halbfinale und Finale übertragen Sie beide. Wer soll da noch durchsteigen?

Fußballfans sind auch weiterhin bei uns am besten aufgehoben, denn nur bei Sky gibt es alle Spiele und alle Tore der UEFA Champions League live in der Original Sky Konferenz. Zudem sehen Kunden bei uns die meisten Einzelspiele der deutschen Mannschaften live: Wir zeigen in der Vorrunde fünfmal Bayern, viermal Dortmund, zweimal Schalke, einmal Hoffenheim. Und das Mittwochsspiel im ZDF gibt es eben nicht mehr – das läuft jetzt bei Sky.

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Aber Livesport wird allmählich so kompliziert wie Handytarife. Verstehen Sie den Unmut darüber? Hätten Sie nicht mit Eurosport einig werden können über den Freitagabend?

Es gab intensive Gespräche. Aber wir müssen immer auch die Wirtschaftlichkeit im Blick haben. Die Bundesligaausschreibung 2017 hatte aus meiner Sicht nur einen Gewinner – nämlich die deutschen Bundesligaklubs. Wir als Unternehmen müssen unsere Investments natürlich refinanzieren. Glauben Sie mir: Es geht bei uns immer darum, dem Kunden das bestmögliche Angebot zu unterbreiten. Wir sind durchaus fähig, gute Kooperationen im Sinne der Zuschauer einzugehen, mit DAZN, mit der Deutschen Telekom oder auch mit der ARD beim Handball ist dies der Fall. Mit Eurosport ist uns das bisher noch nicht gelungen.

Ist die Bundesliga überhaupt noch attraktiv für Sie? Die Meisterschaft ist doch im Prinzip Weihnachten entschieden.

Wir sind enttäuscht vom Wettbewerb um die deutsche Meisterschaft in den letzten fünf Jahren. Wer deutscher Meister wird, war sehr früh klar. Ich mache mir durchaus Gedanken darüber, welche Auswirkungen diese fehlende Spannung hat. Eine Lösung hierfür muss aber der deutsche Fußball finden. So, wie es jetzt ist, ist es für die Fans bestimmt nicht optimal. Da hilft auch der intensive Wettbewerb um die Plätze zwei bis 18 nicht.

Und nun ist auch noch der HSV abgestiegen.

Der HSV bereichert die 2.Liga in dieser Saison. Aber er muss in die 1. Bundesliga zurück, denn er ist eine nationale Institution und eine großartige Marke, ähnlich wie zwei oder drei andere Klubs. Er hat Fans in ganz Deutschland. Ich war am letzten Spieltag der vergangenen Saison in Hamburg im Stadion – es herrschte eine große Traurigkeit, aber auch eine totale Entschlossenheit, um den sofortigen Wiederaufstieg zu kämpfen.

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Die Langeweile in der Meisterschaft hat doch aber auch mit der Verteilung der Sky-Gelder zu tun. Die reichen Klubs werden noch reicher. Würden Sie sich einen anderen Schlüssel wünschen?

Wir sind nicht Teil dieses Prozesses. Das macht die DFL und da gibt es eine Menge kluger Menschen. In einer perfekten Welt würde ich sagen, dass die Champions-League-Teilnehmer, die sowieso schon sehr stark von europäischen TV-Geldern profitieren, vielleicht im Bundesliga-Verteilungsschlüssel nicht ganz so stark berücksichtigt werden müssten. Wir müssen sehr aufpassen, dass uns nicht Zustände blühen, bei denen sich die Attraktivität der Bundesliga nur noch am Abstiegskampf oder am Kampf um die Champions-League-Plätze bemisst. Das ist auf Dauer nicht erfolgreich.

Viele Fans nervt auch die Zersplitterung des Spieltags. Sie haben gesagt, dass Sie darauf keinen Einfluss haben. Aber profitieren tun Sie schon davon, oder?

In Spanien gibt es zehn Anstoßzeiten für zehn Spiele, in England und Italien gibt es ebenfalls mehr als bei uns. In Deutschland gibt es fünf Anstoßzeiten für neun Spiele, von denen die meisten am Samstagnachmittag laufen. Das halte ich für eine sehr maßvolle und gute Lösung. Um das deutlich zu sagen: Sky fordert nicht mehr Anstoßzeiten.

Ihr Interesse an den Bundesligarechten bleibt also hoch? Auch 2021?

Selbstverständlich.

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Gleichzeit aber wollen Sie die Dominanz des Fußballs im Sky-Angebot verringern. Das ist doch ein Balanceakt.

Unsere Aufgabe ist es, den deutschen Markt der Pay-TV-Interessierten noch besser zu durchdringen. Die Marke Sky soll Marktführer im Fußball bleiben. Das sind wir bereits heute mit der Bundesliga, 2. Bundesliga, UEFA Champions League und DFB-Pokal. Wir werden den Fußball niemals als Lokomotive für unser Angebot unterschätzen. Wir definieren ihn aber neu. Und gleichzeitig bauen wir die Entertainment-Kompetenz deutlich aus.

Sie haben im Sommer 25 WM-Spiele in Ultra-HD gezeigt. Wie fällt die Bilanz aus?

Da waren wir etwas enttäuscht. Das sage ich ganz offen. Wir hatten mit Wolff-Christoph Fuss den besten Kommentator. Zudem haben wir mit Ultra HD die bestmögliche Bildqualität präsentiert. Trotzdem müssen wir konstatieren, dass, wenn ARD und ZDF von einem Großereignis wie WM, EM oder Olympia berichten, die Sehgewohnheiten doch stark auf diese beiden fixiert sind.

Das frühe Aus der deutschen Nationalmannschaft war auch nicht gerade förderlich.

So ist es. Das galt ja für die gesamte deutsche Fußballwelt. Wir waren bei unserem UHD-Engagement schon davon ausgegangen, dass die deutsche Mannschaft zumindest unter die letzten Vier kommt.

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