11. September 2018 / 15:35 Uhr

So bunt ist Oberhavel: 104 Fußballer aus 35 Nationen (mit Galerie)

So bunt ist Oberhavel: 104 Fußballer aus 35 Nationen (mit Galerie)

Knut Hagedorn
Wissam El-Din Shaheen aus dem Libanon (v.l.), Fabrice Onema Wotepa und der Chilene German Ormeno Velasco vom SV Glienicke. Sven Marten vom SV Altlüdersdorf im Angriff. OFC-II-Trainer Dietmar Müller erklärt seine Spielidee (Bilder von links nach rechts).
Wissam El-Din Shaheen aus dem Libanon (v.l.), Fabrice Onema Wotepa und der Chilene German Ormeno Velasco vom SV Glienicke. Sven Marten vom SV Altlüdersdorf im Angriff. OFC-II-Trainer Dietmar Müller erklärt seine Spielidee (Bilder von links nach rechts). © Roeske/Brandhorst/Verein
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Oberhavel-Fußball: 99 Spieler und fünf Trainer aus 35 verschiedenen Nationen bereichern die Fußballszene im Kreis.

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Dietmar Müller ist ein Fußballtrainer mit originellen Ideen und teils ungewöhnlichen Maßnahmen. Während der Trainingslager seiner Mannschaften sah man seine Spieler für die Kondition schon mal mit vollgefüllten Wasserkanistern in den Händen durch die Wälder laufen. Auch bei seiner aktuellen Trainerstation, dem Landesklassenteam des Oranienburger FC Eintracht II, war der 64-Jährige zu besonderen Maßnahmen gezwungen.

In Bildern: So bunt ist Oberhavel - 104 Sportfreunde aus 35 Nationen.

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„Wir haben fünf afrikanische Spieler bei uns im Team, die sich alle ungemein ähnlich sind. Um sie unterscheiden zu können, habe ich fünf T-Shirts in fünf verschiedenen Farben gekauft und den Jungs geschenkt. Die mussten sie immer tragen, so konnte ich mir dann ihre Namen und Gesichter einprägen.“ Doch nicht nur in Oranienburg sind Spieler mit ausländischen Wurzeln längst fester Bestandteil der Fußball-Mannschaften. Der gesamte Landkreis Oberhavel präsentiert sich in bunter Fußball-Vielfalt. Insgesamt 99 Spieler und fünf Trainer stammen nicht aus Deutschland und zeigen einmal mehr: Sport verbindet und baut Brücken.

„Zicke-Zacke“ geht schon

„Im Sport ist die Integration kein Thema und geht schneller als im normalen Lebensalltag. Wir wollen alle gewinnen, da ist die Herkunft egal“, sagt Dietmar Müller. Seit Juli ist der einstige Zehlendorfer Coach nun für die Reserve des OFC verantwortlich. Die Arbeit mit vielen ausländischen Spielern ist auch für ihn Neuland „Ich hatte zu meiner Zeit in Zehlendorf mit Petit Pambe mal einen Kameruner, aber sonst eher selten. In solch geballter Form – mit fünf Afrikanern und drei polnischen Spielern – hatte ich das noch nicht, es macht aber großen Spaß und die Jungs sind super.“

Sprachlich sei das schon eine Herausforderung, vor allem mit den Afrikanern. „Aber auch das geht“, lässt Müller wissen. „Ich spreche auch noch ein wenig Schulenglisch, dazu können zwei der Jungs Deutsch. Das passt. Bei unseren polnischen Spielern ist das gar kein Thema. Szymon Nabzdyk zum Beispiel ist Lehrer und spricht fließend Deutsch.“ Technisch seien alle sehr gut ausgebildet, schwärmt Müller von seinen afrikanischen Schützlingen, nur taktisch hätten sie noch Nachholbedarf. „Inzwischen können sie unser ,Zicke-Zacke’ im Kreis, wenn wir gewonnen haben – das ist fast genauso wichtig“, scherzt Dietmar Müller.

Alle sprechen Fußball

Beim Kreisligisten SV Glienicke/Nordbahn spielt das Multikulturelle eine übergeordnete Rolle, umfasst der Kader doch 14 verschiedene Nationalitäten. Dazu kommt Trainer Wissam El-Din Shaheen aus dem Libanon und hat in German Emilio Ormeno Velasco einen chilenischen Co-Trainer. „Unsere Sprache ist schlichtweg der Fußball, den versteht jeder bei uns. Das Beste ist aber, dass es kaum Gemecker auf dem Platz gibt – das würde eh keiner verstehen “, witzelt Fabrice Onema Wotepa, der Sportlicher Leiter des SVG, der selbst kongolesische Wurzeln hat.

„Im Training wird bei uns Deutsch gesprochen, dazu natürlich viel mit Händen und Füßen gestikuliert“, so der 32-Jährige. So viele unterschiedliche Nationen in die Bieselheide zu holen, war nicht das Ziel, habe sich dann aber so ergeben, heißt es aus dem Glienicker Lager. „Es muss menschlich passen und das funktioniert super. Zudem lernt man viele neue Kulturen und Gepflogenheiten kennen, das bereichert einen auch selbst. Vor kurzem hat unser Spieler aus Moldawien Geburtstag gehabt und Speisen seiner Heimat mitgebracht, natürlich habe ich dazu auch Bockwurst gereicht“, grinst Wotepa.

Generell sieht der Sportliche Leiter die vielen verschiedenen Herkunftsländer als schöne Abwechslung zum Alltag. „Ab und an machen unsere Brasilianer beim Training Musik und tanzen dann dazu. Dann kommen plötzlich die Afrikaner und machen selber Musik und tanzen, das ist einfach nur herrlich.“ Nur beim Thema Bier scheinen die Uhren andernorts anders zu gehen. „Ich hatte nach unserem ersten Sieg Bier für alle geholt, das wollten nur die Jungs, die schon lange in Deutschland wohnen. Der Rest wollte lieber Wasser. Inzwischen kaufe ich zu jedem Spiel mehrere große Wasserkanister“, erzählt Wotepa.

Angst vor Rassismus hat man in der Bieselheide nicht, was vor allem an den anderen Mannschaften und Vereinen liege, erklärt Wotepa. „Ich persönlich hatte schon ein wenig Respekt am Anfang der Saison, aber unsere Jungs überhaupt nicht. Und ich muss wirklich sagen, dass die anderen Mannschaften so toll eingestellt sind, dass sie sich teilweise sogar gegen die eigenen Zuschauer stellen, wenn diese pöbeln. Auch wir selbst sind immer hinterher und wollen nicht, dass sich unsere Spieler daneben benehmen.“

Rasen an den Handgelenken

Für den Altlüdersdorfer Sven Marten ist es längst Normalität, mit ausländischen Spielern in einem Team zu stehen. Beim Oberligisten aus dem Norden Oberhavels stehen seit vielen Jahren Spielern verschiedenster Herkunft im Kader. Für Marten, der in seine neunte Saison beim SVA geht, ist das nachvollziehbar: „Ich denke, umso höher man spielt, desto größer ist der Anteil, da man kaum Spieler mit dem entsprechenden Niveau in der Region findet, die sich dann auch trauen, in der Oberliga zu spielen. Dazu kommt natürlich auch das Finanzielle, junge deutsche Spieler haben extrem hohe Ansprüche.“

Zu Beginn seiner Altlüdersdorfer Zeit war es für den heute 28-Jährigen schon ungewöhnlich beim SVA: „Auch auf der Sportschule in Cottbus hatten wir wenige ausländische Spieler, demnach war es schon neu für mich, dass zum Beispiel Mitspieler in der Kabine gebetet haben.“ Noch eine Anekdote fällt ihm ein: „Ich hatte mal einen Mitspieler, der hat sich vor jedem Spiel kleine Rasenstücke aus beiden Strafräumen abgeschnitten und an die Handgelenke getapt, das sollte Glück bringen.“

Auch aktuell stehen viele Spieler mit Migrationshintergrund im lila-weißen Aufgebot, vor allem eine größere polnische Delegation. „Das ist alles kein Problem und sieht manchmal komplizierter aus als es ist. Wir sprechen in der Kabine und beim Training Deutsch, die ausländischen Spieler wollen auch alle zügig Deutsch lernen“, schildert Sven Marten.

Auch auf Funktionärsebene freut man sich über die Vielfalt der hiesigen Fußballszene. Für den Vorsitzenden des Fußballkreises Oberhavel/Barnim, Michael Reichert, hat das einen positiven Nebeneffekt: „Es gibt einige Vereine, die ohne den Zulauf von ausländischen Spielern schon von der Fußball-Landkarte verschwunden wären.“

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