H2411729 Derzeit kein Einzelfall: ein Rasenplatz, der eher den Namen Acker verdient. An Fußball ist hier nicht zu denken. Der Frost hat alles nur verschlimmert. © Björn Hake
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Sorge wegen vieler Spielausfälle

Wintermonate bleiben im Amateurbereich ein Ausnahmezustand

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Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen: Die Wintermonate waren, sind und bleiben ein Ausnahmezustand, wenn es darum geht, Fußballspiele im Amateurbereich auszutragen. Jedenfalls solche auf Naturrasenplätzen. Und so stehen wir fast Jahr für Jahr – der Klimawandel verschärft das Ganze noch – vor dem Dilemma: Wann sollen die Pflichtbegegnungen denn überhaupt ausgetragen werden? Und Jahr für Jahr folgt in schöner Regelmäßigkeit – nichts! Außer dem Lamentieren natürlich über die unbefriedigende Situation, weil das Wetter mal wieder nicht mitspielt.

Es wird viel geredet, ja. Aber gehandelt wird nicht. Weil eine praktikable Lösung nicht in Sicht scheint. Wirklich nicht? Oder machen es sich viele Betroffene – Spieler wie Funktionäre – einfach zu leicht, nach einem anderen Weg zu suchen?  Mit einem „Weiter so“ wie in der Politik ist niemandem geholfen. Da geht das Warten nur weiter. Das Warten auf Änderungen, die einfach nur mal angeschoben werden müssen.

Dies soll kein Appell sein an Funktionäre oder Verbände, die sich ja gerne mal in Verhaltensstarre befinden, weil es bequem ist. Bequemer jedenfalls, als nach neuen Lösungen zu suchen. Nein, der Appell gilt den Betroffenen selbst: Spielern, Trainern,  Vereinen. Also der Basis. Von da muss der Anstoß erfolgen; Profis können mit ihrer Lage gut leben. Die
 müssen keine Diskussion darüber führen, ob man besser auf ein Kalenderspieljahr umstellt oder warum es so wenige Kunstrasenplätze gibt. Im großen Landkreis Osterholz nämlich bisher keinen einzigen, auch keinen im noch größeren Landkreis Rotenburg. Jedem Dorfverein das Allwetter-Areal zu verpassen – schön wär‘s ja, bleibt aber Wunschdenken, weil nicht finanzierbar. Aber warum nicht mal über einen Vorschlag wie den von Hambergens Trainer Eric Schürhaus nachdenken? Schürhaus schweben Kunstrasenplätze nach Stützpunkt-Art
 vor, nutzbar von mehreren Vereinen.

Der Weg zu Änderungen ist keineswegs fest vorgegeben. Wer sagt denn, dass der von den Verbänden aufgestellte Rahmenspielplan auch auf alle Zeiten so fortgeführt werden muss? In diesem Winter jedenfalls hat er zu nichts geführt außer zu Frust und Ärger, weil zum Beispiel das Training mal wieder für die Katz war, wenn es denn überhaupt stattfinden konnte,
 oder auf die Schnelle kein Testspielpartner mit einem heiß begehrten Kunstrasenplatz gefunden werden konnte.

Nehmen wir nur mal als Beispiel für die so genannte Winterpause die Bezirksliga Lüneburg 3, die vom 18. Dezember 2017 bis 1. Februar 2018 dauerte. Angesetzt wurden aber bereits Nachholspiele ab dem 21. Januar. Weil es der Rahmenspielplan so will. Und in der Realität? Ein reines Roulette-Spiel. Denn so verbindlich kann keine Wetterprognose sein, als
dass man nach ihr einen Spielplan aufstellen könnte. Insofern taugt auch die Lösung nicht, es Woche für Woche neu zu probieren, nur weil es ja die theoretische Möglichkeit dazu gibt.

Was kommt dabei heraus? Eher eine Wettbewerbsverzerrung. Weil zwei Vereine aus dem Landkreis Verden mit Kunstrasen ausgestattet sind. So haben der FC Verden 04 und der TV Oyten bereits 17 Punktspiele ausgetragen, aus dem Landkreis Osterholz dagegen konnten der SV Komet Pennigbüttel, der FC Hambergen, der VSK Osterholz-Scharmbeck und der SV
Lilienthal-Falkenberg nur 13-mal auflaufen. Wann und wie sollen letztgenannte Teams denn ihre Spiele austragen? Zumal schon am 27. Mai die Saison beendet ist.

Einen langjährigen Trainer wie Axel Sammrey bringt das auf die Palme. Sammrey, früher hochrangiger Spieler und aktuell Coach des TV Oyten, fragt: „Was soll eine Sommerpause? Das ist verschenkte Zeit. Beim schönsten Fußball-Wetter des Jahres wird kein Fußball gespielt.“ Sammrey tritt ein für eine Spielzeit von März bis November. Okay, das ist ein
Standpunkt, der es freilich auch nötig macht, über die nachgelagerten Probleme zu reden wie Auf- und Abstiege oder das Überführen in anders strukturierte Wettbewerbe.

Eine ähnliche Stoßrichtung kommt aus dem Heidekreis-Fußballverband. Derzufolge soll eine „verlässliche“ Winterpause von Anfang November bis Ende Februar eingeführt werden. Heidekreis-Vorsitzender Joachim Plesse begründet: „Seit Anfang November stehen Spielausschuss und Vereine im Stand-by-Modus. Da haben wir keinen Bock mehr drauf.“ Auch die
Heidekreis-Idee klingt charmant, wenngleich sie zur Folge hätte, dass die Punktspielsaison bereits Mitte Juli beginnen müsste und im Folgejahr erst Anfang oder Mitte Juni beendet wäre.

„Und wann sollen die Plätze regenerieren, wenn nicht in der Wachstumszeit?“, wirft Jürgen Stebani ein, der Vorsitzende im Bezirksspielausschuss. Da hat er nicht ganz Unrecht. Fakt ist aber auch: Weniger strapazierte Rasenflächen müssen weniger lange regenerieren. Stebani führt weitere Argumente auf, weshalb er gegen eine Spielplanreform ist. Natürlich ist es nicht einfach, zum Beispiel auch die Pokalansetzungen noch in dem ohnehin schon engen Terminplan unterzubringen. Nein, es gebe noch „1000 Sachen“, so Stebani, und eine lange Liste mit Pro und Kontra. Nur den einen Königsweg gebe es nicht.

Im Übrigen verschließe er sich keinen neuen Vorschläge, niemand handele gegen den Willen der Vereine: „Aber bei jedem Staffeltag, wenn wir über den Rahmenspielplan sprechen, sehe ich nur Schulterzucken.“ Und dass aus dem Verband „von oben“ Vorschläge komme, schließe er aus: „Da ist der DFB nicht zuständig.“ Was noch ein Argument dafür ist, dass sich
 an der Basis etwas tun muss. Im eigenen Interesse. Amateur-Fußball ist und bleibt vom Wetter abhängig. Darum muss man ihn in eine Zeit verlegen, in der er für alle attraktiv ist. Und es müssen viel mehr Kunstrasenfelder angelegt werden: für bessere Trainings- und gerechtere Wettbewerbsbedingungen. Sonst könnte das eintreten, was Bornreihes Trainer Sasa Pinter befürchtet: „Dann laufen uns auf dem Land die Fußballer weg, vor allem die jungen.“

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Region/Bremen Bezirk Lüneburg

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