Viele Berater suchen im Fußballgeschäft vor allem das schnelle Geld, sagt der scheidende Spielerberater Steffen Schneekloth. Viele Berater suchen im Fußballgeschäft vor allem das schnelle Geld, sagt der scheidende Spielerberater Steffen Schneekloth. © Uwe Paesler
Viele Berater suchen im Fußballgeschäft vor allem das schnelle Geld, sagt der scheidende Spielerberater Steffen Schneekloth.

Selbstbedienungsladen Profifußball

Spielerberater Steffen Schneekloth aus Kiel prangert die Geschäftsgebaren an und steigt aus

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Der Kieler Spielerberater Steffen Schneekloth, der zum Beispiel Fin Bartels (Werder Bremen), Raphael Schäfer (1. FC Nürnberg) und Ex-Nationalspieler Christian Rahn (FC St. Pauli, HSV) vertreten hat, hat nach über 20-jähriger Tätigkeit den Ausstieg aus diesem Geschäft gewählt. Der 53 Jahre alte Rechtsanwalt formuliert deutliche Kritik. Sein Credo: „Der Profifußball hat immer mehr Akteure angezogen, die das schnelle Geld verdienen wollen. Es hat sich dabei ein System von Eigennutzern und Selbstoptimierern entwickelt."

Schneekloth beklagt im Gespräch mit dem Sportbuzzer, dass heutzutage „in Deutschland jeder Agent im Fußball werden“ könne, „darunter auch ehemalige Klempner, Schrotthändler, Diskotheken-Betreiber, Pizzabäcker und Fanartikel-Verkäufer“. Der Insider sagt: „Heute sprechen Berater schon Kinder und Jugendliche im Alter von 13 bis 14 Jahren sowie deren Eltern an. Immer häufiger wird dabei mit Geld- und Sachleistungen geködert.“ Es gehe gar nicht mehr um Beratung oder Vermittlung: „Berater bieten sich den Talenten und deren Eltern ausschließlich aus dem Grund an, um sie an sich zu binden und mit ihnen im Optimalfall in späteren Jahren das große Geld zu verdienen.“

Doppelgeschäft im Fokus

Schneekloth prangert die Doppelgeschäfte im Profifußball an. Theoretisch müsse ein Spielerberater für den Spieler tätig sein und auch von ihm honoriert werden. „In der Realität wird der Berater jedoch von dem Verein honoriert, der mit dem Spieler den Arbeitsvertrag schließt“, sagt der Jurist. „Das passiert, indem zwischen Berater und Verein eine vertragliche Hilfskonstruktion gewählt wird, der zufolge der Verein den Berater beauftragt, ihm einen Spieler zu vermitteln, der die sportlichen Anforderungen für die angedachte Position erfüllt. Doch von einer Vermittlung kann nicht die Rede sein, da der Verein ja bereits im Vorfeld wegen des betreffenden und ihm bekannten Spielers den Berater kontaktiert hat. Diese Art der Vertragsgestaltung dient ausschließlich der Legitimation der vereinbarten Provisionszahlung an den Berater.“ Üblich sind zehn Prozent des Jahres-Brutto-Grundgehaltes des Spielers. Das durchschnittliche Einkommen eines Erstliga-Profis wird auf 1,5 Millionen Euro per anno taxiert.

Strafrechtliche Bedenken

Der scheidende Spielerberater fährt fort: „Noch fragwürdiger wird es, wenn die Vereine sogar Vätern von Spielern Provisionen dafür zusagen, dass der Vater dem Verein den Arbeitsvertrag mit dem Sohn angeblich vermittelt und/oder ihn bewogen haben soll, den Arbeitsvertrag bei dem Verein, bei dem er unter Vertrag steht, zu verlängern oder bei einem anderen Verein neu zu unterschreiben. Hier erhält der Vater eine Provision, obwohl er für den Klub gar keine Leistung erbracht hat.“ Der Anwalt warnt: „Gegebenenfalls ist den Klubvertretern gar nicht bewusst, was es rechtlich bedeutet, eine Nichtleistung mit einer Provisionszahlung zu honorieren. Unter strafrechtlichen Gesichtspunkten könnte man hier durchaus an den Tatbestand der Untreue denken.“

Schneekloth setzt noch einen drauf: „Eine noch größere Selbstbedienungsmentalität entfaltet sich, wenn die Berater zunächst längerfristige Arbeitsverträge zwischen Verein und Spieler sowie gleichzeitig Ausstiegsszenarien vereinbaren, an denen sie dann über die normale Provision hinaus finanziell nicht unerheblich beteiligt sind. Entwickelt sich der Spieler, hat der Berater gar kein Interesse mehr daran, dass der Spieler den Vertrag mit seinem Arbeitgeber erfüllt, sondern versucht, ihn schnellstmöglich anderenorts unterzubringen."

Sein Fazit: „Der Fußball hat sich dahingehend entwickelt, dass es nur noch um höher, schneller, weiter in möglichst kurzer Zeit ohne jede Rücksichtnahme geht. Dadurch gehen dem Fußball Identifikation und Glaubwürdigkeit verloren.“ Und damit, so Schneekloth, wolle er nichts mehr zu tun haben. „Seinen“ Spielern bietet er allerdings an: „Mit allen Spielern, die mir über die Jahre die Treue gehalten haben, bin ich freundschaftlich verbunden und helfe ihnen auf Wunsch auch weiterhin bei rechtlichen Fragestellungen.“

Das ausführliche Interview mit Steffen Schneekloth lesen Sie in der Montagausgabe der Kieler Nachrichten.

Region/Kiel

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