20. September 2018 / 18:15 Uhr

SPORTBUZZER zu Besuch in der Hertha-Akademie: Jäger des Goldstaubs

SPORTBUZZER zu Besuch in der Hertha-Akademie: Jäger des Goldstaubs

Stephan Henke
Die Brandenburger Maximilian Gurschke (l.) und Justin Weber (2.v.r.) spielen in der A-Jugend von Hertha BSC.
Die Brandenburger Maximilian Gurschke (l.) und Justin Weber (2.v.r.) spielen in der A-Jugend von Hertha BSC. © Detlev Scheerbarth
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Bundesliga: Bei keinem Erstliga-Verein stehen mehr Eigengewächse im Kader als bei Hertha BSC – Besuch im Nachwuchsleistungszentrum der Berliner, das zu den besten Deutschlands zählt.

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An der Wand wird es langsam eng. Hinter Benjamin Weber hält Jerome Boateng den WM-Pokal, 64 weitere Bilder hängen dicht gedrängt im Besprechungsraum der Hertha-Akademie. Jedes zeigt einen Absolventen, der es in den Profibereich geschafft hat. „Am Ende steckt hinter jedem Spieler eine eigene, ganz individuelle Geschichte und das ist das Schöne an der Ausbildungsarbeit“, sagt Weber. Der 38-Jährige ist seit vier Jahren Leiter der Akademie – und noch nie war sie so erfolgreich.

Zwölf Eigengewächse stehen derzeit im Kader der Berliner, nur Eintracht Frankfurt kann in dieser Kategorie in der Bundesliga mithalten. Im Mai gewann die A-Jugend, die vom Hennigsdorfer Michael Hartmann trainiert wird, erstmals die Bundesliga. Tatsächlich gilt der Jahrgang als goldene Generation, kurzzeitig wurde er in der U15 auch vom heutigen Cheftrainer Pal Dardai trainiert, der nun die Früchte seiner Nachwuchsarbeit erntet.

Ex-Spieler als Jugendtrainer

Hartmann, Dardai, beide sind Ex-Hertha-Profis. „Manager Michael Preetz hat ab 2010 neben vielen jungen Trainern auch sehr stark auf ehemalige Hertha-Profis als Trainer im Nachwuchs gesetzt, die die Hertha-DNA weitergeben können und auch wissen, welche Entbehrungen man in jungen Jahren hinnehmen muss, um in der Bundesliga anzukommen“, erklärt Weber.

Im Nachwuchsleistungszentrum teilen sich neben Hartmann (U19) unter anderem mit Ante Covic (U23), Andreas Neuendorf (U17), Oliver Schröder (U16-Co-Trainer) und Sofian Chahed (U15) vier weitere Ex-Profis ein Trainerbüro. „Am Ende hilft uns dann auch, dass wir alle dicht zusammensitzen. Und Pal Dardai kennt die Strukturen und nutzt sie“, sagt Weber. Dardai erklärte erst kürzlich im Interview mit dem SPORTBUZZER: „Wir haben eine sehr gute Akademie. Ich sehe Hertha heute vielleicht als eine Art Mini-Ajax“ – die Nachwuchsarbeit des niederländischen Spitzenclubs aus Amsterdam gilt als stilprägend.

In Bildern: Der SPORTBUZZER zu Besuch in der Hertha BSC-Akademie.


Neueste Entdeckung: Dennis Jastrzembski schläft in Hertha-Bettwäsche und spielt inzwischen für die erste Mannschaft. Zur Galerie
Neueste Entdeckung: Dennis Jastrzembski schläft in Hertha-Bettwäsche und spielt inzwischen für die erste Mannschaft. © Detlev Scheerbarth
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Neben den informellen Flurgesprächen sitzen Covic, Hartmann und das Bundesliga-Trainerteam um Dardai jeden Montag zusammen und planen, wer in welcher Mannschaft zum Einsatz kommt. „Wir müssen versuchen, diese Jungs im besten Fall jedes Wochenende auf den Platz zu bekommen. Und wenn es bei den Profis nicht klappt, dann eben in der U23 oder U19. Nichts kann Spielpraxis für die Weiterentwicklung ersetzen“, erklärt Weber.

Lehren aus dem Fall Mukhtar

Es ist auch die Lehre aus Misserfolgen. Der Akademieleiter zeigt auf das Bild von Hany Mukhtar. „Er kam aus der B-Jugend nach oben und wir hofften, das ist der Nächste. Aber da müssen wir uns ehrlich eingestehen, den haben wir nicht kontinuierlich auf den Platz bekommen“, sagt Weber. „Der damalige Trainer Jos Luhukay hat zwar stark auf den Nachwuchs geblickt, Hany aber zu wenig eingesetzt.“

Mukhtar spielt inzwischen bei Brøndby IF in der ersten dänischen Liga. Für viele andere platzt der Profitraum ganz. Ein bis zwei Spieler sollen pro Jahr in der Bundesliga ankommen, das ist das Ziel der Berliner. Das bedeutet, dass es 18 Spieler nicht schaffen. „Die Schulthematik wird immer wichtiger, das merken wir auch bei den Eltern“, erzählt der Akademieleiter, der einst in Potsdam Sportwissenschaften studiert hat und mit einer kurzen Unterbrechung seit 2003 für die Hertha arbeitet.

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Ortswechsel. Drei Gehminuten vom Besprechungsraum auf dem Olympiagelände trainiert die U19. Einen Steinwurf entfernt ziehen die Schwimmer aus der Sportschule ihre Bahnen. Maximilian Gurschke ist seit der 7. Klasse an der Poelchau Schule, vor drei Jahren zog die Eliteschule des Sports direkt auf das Olympiagelände. „Es ist gut, dass jetzt alles auf dem Gelände liegt, so fallen die langen Fahrtzeiten weg“, sagt der Potsdamer, der im Mai ebenfalls deutscher Meister wurde. Weil der SV Babelsberg 03 damals keine Bambini-Mannschaft hatte, kam er über Hertha 03 Zehlendorf zur Hertha. Wenn es mit der Profikarriere nicht klappt, will der 18-Jährige studieren.

500 Schüler besuchen die Sportschule, knapp 100 davon sind Fußballer. „Selbst wenn es der allerbeste Fußballer ist, er aber kein gutes Sozialverhalten und keine guten Noten hat, dann kommt er nicht in unser Verbundsystem“, sagt Schulleiter Matthias-Carsten Rösner. Stimmen die Schulleistungen nicht, dann werden auch mal Trainingseinheiten gestrichen.

Investition in die Akademie

Dennis Jastrzembski hat den Großteil der Schulzeit schon hinter sich, 2019 macht er sein Abitur. Der 18-Jährige ist der Senkrechtstarter im Profi-Team, kam in drei Pflichtspielen der Saison zum Einsatz. Seit 2015 wohnt er im Hertha-Internat, das gerade saniert wird, zuvor spielte er bei Holstein Kiel. „Die gute Jugendarbeit von Hertha war bekannt, deshalb wollte ich den Schritt nach Berlin wagen“, erzählt der pfeilschnelle Linksaußen. Er ist laut Akademieleiter Weber allerdings die Ausnahme. „Wir haben einen klaren Fokus: Berlin, Brandenburg und die neuen Bundesländer.“

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Um die Bedingungen weiter zu verbessern, bauen die Berliner aktuell auf knapp 1000 Quadratmetern ein neues Trainings- und Medizinzentrum in den denkmalgeschützten Gemäuern der Geschäftsstelle. Während Bayern München kürzlich 70 Millionen Euro in ein neues Nachwuchsleistungszentrum investierte, begnügen sich die Berliner mit einem Bruchteil davon. „Das ist unser Gegenentwurf zu den vielen Neubauten von Nachwuchsleistungszentren. Das gesamte Verbundsystem aus Schule und Verein wird im Olympiapark gelebt“, sagt Benjamin Weber.

250 Jugendspieler besuchen derzeit die Akademie, davon sind rund 30 Brandenburger. Darunter sind womöglich Talente wie Arne Maier. Der 19-Jährige Ludwigsfelder hat sich in kürzester Zeit einen Stammplatz gesichert. In einem überhitzten Transfermarkt, in dem für Durchschnittskicker auch schon mal 30 Millionen Euro und mehr gezahlt werden, sind Eigengewächse wie Maier wie Goldstaub.

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