14. September 2018 / 18:53 Uhr

Sportchef des VfL Wolfsburg: „Der Frauenfußball muss mit in die DFL!"

Sportchef des VfL Wolfsburg: „Der Frauenfußball muss mit in die DFL!"

Andreas Pahlmann
Frauenfußball in die DFL? Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter des VfL, wäre dafür.
Frauenfußball in die DFL? Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter des VfL, wäre dafür. © Tim Schulze
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Auftakt: Am Wochenende startet die Frauenfußball-Bundesliga in die neue Saison. Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter des deutschen Meisters VfL Wolfsburg, ist mit der Vermarktung der Liga nicht einverstanden - und äußert im SPORTBUZZER-Interview eine spektakuläre Idee.

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Saisonstart in der Frauenfußball-Bundesligia: Vor dem Auftaktspiel des VfL Wolfsburg am Sonntag (14 Uhr) gegen den 1. FFC Frankfurt sprach AZ/WAZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann mit Ralf Kellermann (49), dem sportlichen Leiter des VfL, über die Liga und ihre Perspektiven.

Herr Kellermann, die Fußballerinnen des VfL spielen unter dem Dach eines Männer-Bundesliga-Klubs, der 1. FFC Frankfurt hat einst Maßstäbe als eigenständiger Frauenfußball-Verein gesetzt, wurde vielfach Meister und gewann zwischen 2002 und 2015 viermal die Champions League. Ist der Saisonauftakt am Sonntag in Wolfsburg ein Duell „neuer“ gegen „alter“ Frauenfußball?
Wie Frankfurt das gemacht hat, passte es zu der Zeit genau – es war damals aber auch deutlich einfacher, weil mit den Frankfurter Möglichkeiten fast niemand mithalten konnte. Die Konkurrenzsituation war anders. Das war einzigartig. Ob die Idee des eigenständigen Frauenfußball-Klubs in Zukunft konkurrenzfähig sein wird, ist zu bezweifeln. Auch wir müssen uns strecken, um im internationalen Maßstab konkurrenzfähig zu bleiben. Aber was für Frankfurt und genauso auch für Turbine Potsdam gilt: In der Liga können sie immer eine gute Rolle spielen, die anderen Klubs ärgern. Aber das einer von beiden in absehbarer Zeit die Champions League gewinnt, ist eher unwahrscheinlich.

In Frankfurt laufen Gespräche zwischen dem FFC und der Eintracht...
Wenn daraus etwas entsteht, könnte es wirklich einen richtigen Push geben – der Standort Frankfurt würde da sicherlich für einige Möglichkeiten sorgen.

Können andere Teams unter dem Dach von Männerfußball-Klubs – Werder Bremen oder 1899 Hoffenheim etwa – kurzfristig in die nationale Spitze vorstoßen?
Noch nicht, da liegen noch Welten dazwischen. Hoffenheim setzt beispielsweise auf Ausbildung junger Spielerinnen, was ich prima finde. Aber wenn dort die wirtschaftlichen Möglichkeiten auch für den Frauenfußball genutzt werden, kann der Verein eine größere Rolle spielen.

Freiburg hat im vergangenen Jahr eine gute Rolle gespielt, jetzt aber viele Top-Spielerinnen verloren. Bleibt die Bundesliga also eine Zwei-Klassen-Gesellschaft – Wolfsburg und Bayern spielen um den Titel, dahinter kommt lange nichts?
Wenn wir nur Bundesliga spielten, würde ich dieser These – bei allen Unwägbarkeiten, die der Sport mit sich bringt – zustimmen. Aber wegen des unfassbar geballten und manchmal nur schwer nachvollziehbaren Rahmenterminkalenders mit den FIFA-, UEFA- und DFB-Terminen bleibt die Liga spannend.

Weil Bayern und der VfL durch Länderspiele und internationale Reisen so belastet sind, dass Ausrutscher im Alltagsgeschäft Bundesliga immer drin sind?

Genau. Könnten sich Bayern und wir auf die 22 Liga-Spiele konzentrieren, wäre es ein reiner Zweikampf, ich sehe keine Mannschaft, die da in den nächsten ein, zwei, drei Jahren mithalten könnte.

Die Bundesliga gilt derweil sportlich immer noch als die attraktivste in Europa. Wird sie auch entsprechend gut vermarktet?
Nein, definitiv nicht.

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Wie kann man das ändern?

Der Frauenfußball muss mittelfristig mit in die DFL. Dort können die Pakete für uns mitverhandelt werden.

Mit welchem Ziel? ​

Warum soll man den Fernsehsendern nicht sagen: Du kriegst diese oder jene TV-Rechte für die Männer-Bundesliga nur, wenn du auch Frauenfußball mit dazu kaufst? Ich bin kein Fachmann, was diese Verträge angeht, aber ich bin mir sicher, dass das funktionieren kann. Wir haben doch international bekannte Spielerinnen, da liegt doch eine Menge Potenzial auch für die Vermarktung. Die schwedischen Co-Trainer der Grizzlys haben mir neulich erst erzählt, was für ein großer Name Nilla Fischer in ihrer Heimat ist. Und nicht zuletzt haben wir mit Pernille Harder Europas beste Fußballerin in unserer Liga. Da müsste eigentlich mehr möglich sein. Zum 1. Januar wird Volkswagen Hauptsponsor des DFB, im nächsten Jahr ist die Frauen-WM in Frankreich das Fußball-Großereignis des Sommers. Da werden sich in Sachen Vermarktung einige Möglichkeiten auftun, die wir hoffentlich nutzen.

Den VfL-Bundesliga-Aufktakt gegen Frankfurt gibt es nicht live im Fernsehen...

Wir hätten am Samstag spielen können, aber als das zu entscheiden war, wussten wir noch nicht, wann unser Champions-League-Spiel stattfindet. Und wenn wir am Donnerstag auf Island spielen, können wir nicht am Samstag Bundesliga spielen. Da sieht man das große Problem: Es steht oft erst kurzfristig fest, welcher Sender was und wann zeigen kann oder will – und dann müssen wir uns danach richten. Viel besser wäre es, wenn wir sagen könnten: Jeden Sonntag um 14 Uhr gibt es das Top-Spiel der Frauenfußball-Bundesliga live im Fernsehen. So weit sind wir aber leider noch nicht.

Bei der Bundesliga-Auftaktveranstaltung diese Woche in Dortmund haben Sie gesagt, der VfL müsse aufpassen, um international nicht rechts und links überholt zu werden. Wie können Sie da gegensteuern?

Aktuell steht Olympique Lyon in Europa über allen anderen, daran hat sich nichts geändert. Nach dem Ausfall von Dzsenifer Marozsan konnten sie jetzt Isobel Christiansen holen, obwohl die bei Manchester City noch unter Vertrag war – das sagt schon sehr viel über die Möglichkeiten. Mit allen anderen europäischen Top-Klubs sehe ich uns noch auf Augenhöhe. Aber wirtschaftlich können wir schon jetzt weder mit Lyon noch mit Paris, den englischen Vereinen oder mit Barcelona mithalten. Wir haben den Vorteil, dass unsere Titel immer noch eine gewisse Strahlkraft haben und dass unsere Kader-Qualität und auch die Art und Weise, wie wir hier neue Spielerinnen integrieren, immer noch Argumente sind, mit denen wir Spielerinnen für einen Wechsel nach Wolfsburg gewinnen können. Das wird auf Dauer aber nicht reichen. Wir müssen den Etat erhöhen und wir müssen infrastrukturell zulegen. Die Trainingsbedingungen hier sind okay, aber mit anderen Top-Klubs nicht zu vergleichen.

Der Plan, dass die Fußball-Akademie der Männer eine neue Anlage an der Dieselstraße bekommt und aus der jetzigen Akademie ein Leistungszentrum für den Frauenfußball wird, wurde wegen der VW-Krise erst einmal auf Eis gelegt. Wäre eine baldige Umsetzung für den Frauenfußball-Standort Wolfsburg existenziell wichtig?
Auf jeden Fall. Unsere Nachwuchsmannschaften wissen teilweise nicht, wo sie trainieren sollen. Perspektivisch gesehen ist ein Umzug in die jetzige Akademie ein Muss. Aber wir wissen auch, dass das in den nächsten ein, zwei Jahren nicht passieren wird.

Bei der U-20-WM in diesem Jahr war keine Wolfsburger Spielerin dabei...
...das ist aber kein strukturelles Problem des VfL. Zwar haben andere Vereine eher die Möglichkeit, Spielerinnen auszubilden, weil sie Internate haben. Aber wenige U-20-Nationalspielerinnen haben das Niveau, beim VfL oder auch bei den Bayern in der ersten Mannschaft zu spielen. Die deutsche U20 ist gegen Japan gescheitert, ein Gegner, bei dem die Spielerinnen taktisch und technisch einfach besser geschult waren. Da muss man einsehen, dass wir da mit dem deutschen Nachwuchs ein bisschen hinterher hinken. Wir haben bei uns in Wolfsburg gute Talente, ich nenne nur mal Anna-Lena Stolze, die bei der U19-EM dabei war, oder unsere junge Torfrau Melina Loeck. Und Meret Wittje war bei der U-19-EM Kapitänin der DFB-Auswahl, hat aber aktuell eher wenig Chancen, bei uns regelmäßig in den 18er-Kader zu kommen.

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