DSC_4210 Zinar Alkas vom Delmenhorster TB (rechts, hier gegen den TV Jahn Delmenhorst) wurde vom Sportgericht für sechs Monate gesperrt, da er nach Ansicht des Vorsitzenden für den Abbruch der Partie KSV Hicretspor gegen TuS Hasbergen verantwortlich war. © Ingo Möllers
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Sportgericht sperrt DTB-Spieler

Abgebrochene Kreisklasse-Partie zwischen KSV Hicretspor und TuS Hasbergen wird wiederholt

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Auf einem der Nebenplätze des Stadiongeländes lief die letzte Minute der Nachspielzeit, der KSV Hicretspor Delmenhorst hatte in der 1. Fußball-Kreisklasse gerade das 3:2 gegen den TuS Hasbergen erzielt. Bei den Gästen standen nach zwei Gelb-Roten Karten nur noch neun Mann auf dem Feld. Die Partie vom 24. September wäre als hitziges, aber im Rahmen gebliebenes Spiel nur eine Randnotiz in der Zusammenfassung des Fußballjahres geblieben. Doch dann kam es kurz vor dem Abpfiff zu mehreren Schubsereien und Handgreiflichkeiten neben der Seitenlinie sowie einer auf dem Rasen ausgetragenen Schlägerei. Schiedsrichter Camil Basar (SV Baris Delmenhorst) brach die Partie ab, und das Sportgericht

des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst nahm die Ermittlungen auf. Der Vorsitzende Richter Torsten Dreesmann kam nun zu dem Entschluss, dass der Zuschauer der Begegnung und Spieler des Delmenhorster TB, Zinar Alkas, für den Abbruch verantwortlich sei. Alkas wurde bis zum 31. Mai 2018 gesperrt, muss 300 Euro Strafe zahlen und die Kosten des Verfahrens übernehmen. Er war nach Auffassung des Gerichts auf das Spielfeld gelaufen und hatte einen Hicretspor-Spieler attackiert. Die beiden lieferten sich dann auf und später neben dem Feld eine Schlägerei. Zudem setzte das Gericht eine Wiederholung der Partie Hicretspor gegen Hasbergen an.

Nach dem 3:2 gab es zunächst Auseinandersetzungen zwischen Vertretern beider Vereine am Spielfeldrand. „Bei dem ersten Tumult griffen von beiden Seiten Verantwortliche ein, sodass es keine Eskalation gab und das Spiel hätte fortgeführt werden können. Die Vereine wurden deswegen nicht bestraft. Der zweite Tumult hatte mit dem ersten nichts zu tun. Das war eine Privatfehde, und das Gericht ist, nachdem es mehrere Zeugen gehört hat, davon überzeugt, dass die Aktion von Herrn Alkas ausging“, berichtete Dreesmann. Und da Alkas für den Delmenhorster TB spielt, der wiederum im Niedersächsischen Fußballverband Mitglied ist, kann das Sportgericht den Spieler verurteilen. „Wäre er Mitglied eines anderen Verbandes, hätten wir nichts machen können“, sagte Dreesmann. Die Strafe für einen Spieler eines Vereins, der am eigentlichen Spiel nicht beteiligt war, sei bisher einmalig, berichtete Dreesmann.

Der ausrichtende Verein muss Ordner stellen und für die sogenannte Platzdisziplin sorgen. Auch das habe das Gericht bedacht, stellte Dreesmann klar. Es sah von einer Strafe für die Vereine jedoch ab, da sie nicht hätten verhindern können, dass eine Einzelperson auf das Spielfeld laufe, um dort einen Spieler zu schlagen. Sowohl Hicretspor als auch Hasbergen und Alkas ließen die Einspruchsfrist verstreichen, sodass das Urteil nun rechtskräftig ist.

Die Vereine nahmen das Urteil unterschiedlich auf: „Wir halten das für ein gerechtes Urteil. Das zeigt, dass die Vereine auf Amateurplätzen keine Menschenkette aus Ordnern rund um den Platz aufstellen können und müssen. Man kann solche Vorfälle nicht verhindern, das sieht man ja auch daran, dass beispielsweise bei Spielen der Nationalmannschaft immer wieder Flitzer aufs Feld kommen“, meinte Hasbergens Co-Trainer Tim Müller. Dass die Vereine nichts für den Abbruch konnten, sieht auch Hicretspor-Coach Timur Cakmak so, das Urteil gefällt ihm jedoch trotzdem nicht. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum das Spiel neu angesetzt wird und wir damit bestraft werden, obwohl das Gericht festgestellt hat, dass wir unschuldig am Abbruch sind. Es lief die letzte Minute der Nachspielzeit, Hasbergen hatte noch neun Mann auf dem Feld“, sagte der Hicretspor-Trainer. Es wäre in seinen Augen fair gewesen, wäre die Partie mit 3:2 für seine Mannen gewertet worden. Zudem sei ein Präzedenzfall geschaffen worden. „Natürlich macht es keiner, aber man könnte irgendeinem Dritten Geld in die Hand drücken, dass der kurz vor Schluss aufs Feld läuft, wenn man zurückliegt, und dann gibt es eine Wiederholung des Spiels“, kritisierte Cakmak. Trotzdem
nehme Hicretspor das Urteil hin, da der Erfolg eines Einspruchs ungewiss und im Fall einer Ablehnung teuer für den Verein sei.

Auch aufseiten des DTB stößt das Urteil nicht auf Zustimmung. „An dem Verfahren dürfen die beiden beteiligten Vereine teilnehmen, von denen aber keiner belangt wird. Dann wird ein Zivilist für sechs Monate gesperrt, und weil er Spieler von uns ist, muss der Verein die Kosten übernehmen, wenn der Spieler dem nicht nachkommt. Der DTB hat mit dem ganzen Fall aber eigentlich nichts zu tun und durfte auch am Gerichtsverfahren nicht teilnehmen“, sagte DTB-Trainer André Tiedemann. Zudem monierte er, dass der Schiedsrichter-Bericht, in dem die Schuld für den Abbruch Zinar Alkas zugeordnet wurde, den Vereinen vorab im Detail vorgelegen habe, wodurch Hicretspor und Hasbergen sich dem hätten anschließen können, um die eigenen Vereine aus der Schusslinie zu nehmen.

Dass der Bericht jedoch vorab an die Beteiligten geht, ist üblich. Richter Dreesmann: „Der Spielbericht des Schiedsrichters ist grundsätzlich Anlage der Benachrichtigung an die Beteiligten zur Einleitung eines Sportgerichtsverfahrens. Gerade zu den darin geäußerten Vorwürfen sollen sich die Beschuldigten/Beteiligten ja äußern. Eine mündliche Verhandlung mit der damit verbundenen Beweisaufnahme bringt in der Regel die Wahrheit dann ans Licht“, teilte er mit.

Region/Bremen Bezirk Weser-Ems 1.Kreisklasse Kreis Oldenburg-L./Delmenhorst Oldenburg-Land/Delmenhorst (Herren) KSV Hicretspor Delmenhorst (Herren) TuS Hasbergen (Herren) Delmenhorster TB (Herren)

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