07. November 2018 / 16:35 Uhr

Sportjugend-Chef: Brauchen mehr junge Leute im Ehrenamt

Sportjugend-Chef: Brauchen mehr junge Leute im Ehrenamt

Kai Rehberg
Jan Holze, Chef Deutsche Sportjugend
Jan Holze, Chef Deutsche Sportjugend
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Jan Holze (Güstrow) über neue Zielgruppen, eSport, Bundesstützpunkte als Identifikation mit der Region und die Olympischen Jugendspiele.

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Auf dem Verbandstag der Deutschen Sportjugend (dsj) in Bremen wurde vor wenigen Tagen der Güstrower Jan Holze (37) als Vorsitzender bestätigt. Die OZ sprach mit dem Juristen, der gleichzeitig Präsidiumsmitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes ist.

Was sehen Sie als Schwerpunkte in der Arbeit der Sportjugend für die nächsten Jahre?

Jan Holze: Ich sehe vor allem zwei. Zum einen läuft aktuell eine Debatte um ein soziales Pflichtjahr für junge Menschen. Wir als dsj lehnen diese Dienstpflicht für den Sport ab. Im Sport gibt es zurzeit rund 3500 Freiwilligenplätze. Das reicht bei weitem nicht aus. Wir müssen jedem einen Freiwilligendienst anbieten können, der einen machen will, aber freiwillig und nicht verpflichtend. Dafür brauchen wir staatliche Unterstützung.

Zum zweiten: Im Vergleich zu 1999 sind derzeit etwa 265 000 Jugendliche weniger als Schiedsrichter und Trainer aktiv im Ehrenamt. Kein anderes Feld hat eine vergleichbare Zahl an jungen Engagierten eingebüßt. An das Problem müssen wir massiv ran, damit uns in den ländlichen Räumen wie in Mecklenburg-Vorpommern nicht die Sportvereine wegbrechen.

Was wäre eine Lösung?

Holze: Wir müssen innovative Modelle finden. Uns an Zielgruppen richten, die für so ein Engagement noch zu wenig beachtet werden. Ich denke an Menschen mit Handicap, aus schwierigen sozialen Strukturen oder mit Migrationshintergrund.

Den Sport-Verantwortlichen und Athleten in MV brennt derzeit ein Thema auf den Nägeln: Die Bundesstützpunkte für Segeln, Kanu und Triathlon in Rostock und Neubrandenburg sollten erst geschlossen, nun aber doch bis 2020 weiterbetrieben werden. Haben sie eine Zukunft?

Holze: Die drei Bundesstützpunkte haben mittlerweile ihre Anerkennung bis 2020 erhalten. Das ist eine gute Nachricht. Denn unabhängig davon, ob sie Olympia-Medaillengewinner hervorbringen oder nicht, spielen sie natürlich für die Heimatverbundenheit und Identifikation der Menschen in der Region eine wichtige Rolle. Wenn wir gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland wollen, muss auch dieser Gedanke berücksichtigt werden.

Was passiert nach 2020?

Holze: Ich hoffe, dass es gelingt, die entsprechenden Voraussetzungen zu erfüllen, damit die Bundesstützpunkte erhalten werden können. Ich bin selbst in Neubrandenburg groß geworden und habe in Rostock studiert. Eine Zukunft ohne den Sport kann ich mir dort nur schwer vorstellen. Die Identifikation der Menschen mit ihrer Region würde sehr darunter leiden.

Ein aktuelles Thema im Deutschen Olympischen Sportbund ist die Eingliederung von eSport, der Computerspieler. Nehmen Sie die auf?

Holze: Der eSport ist sogar Bestandteil der Koalitionsvereinbarung der Bundesregierung. Darin steht, dass man ihn zu einem anerkannten Sport machen möchte. Die Frage, was als Sport gilt und was nicht, wird immer noch vom Sport selbst entschieden und nicht von der Politik. Als Verband unterscheiden wir zwischen digitalen Sportarten und restlichen Computerspielen. Wir werden nicht alles unter das Dach des DOSB nehmen. Denn wir haben massive Probleme mit den Ego-Shootern, wo es um Kriegs-Simulation geht, was mit unseren Werten unvereinbar ist.

Sie waren vor wenigen Tagen bei den Olympischen Jugendspielen der 15- bis 18-Jährigen in Buenos Aires. Neue Sportarten wie Klettern oder Inline-Speedskating feierten Premiere – wie war Ihr Eindruck?

Holze: Sehr positiv. Ich habe noch keine Jugendspiele erlebt, die so gut in die Stadt integriert waren. Es gab Sportstätten wie den BMX-Trail, die zeitlich befristet aufgebaut wurden, andere wurden in ärmeren Stadtteilen verankert. In sportlicher Hinsicht müssen wir in Deutschland daran arbeiten, die neuen Trendsportformate aufzunehmen. Zum Beispiel war im Breakdance oder Beachhandball kein Deutscher am Start.

Singapur, Nanjing, Buenos Aires, 2022 Dakar im Senegal – warum finden die Jugendspiele nicht in Weltmetropolen statt, die sie sich eher leisten können?

Holze: Ich glaube nicht, dass sich pauschal die genannten Städte die Spiele nicht leisten können. Außerdem stehen den Kosten auch Einnahmen und andere Effekte gegenüber. In Buenos Aires waren eine Million Zuschauer dabei. Fast jede Wettkampfstätte war voll gefüllt. Durch die Spiele sind die Menschen zusammengekommen, das war sehr wichtig für Argentinien in wirtschaftlich schweren Zeiten. Der Gedanke des IOC ist, die Jugendspiele an Länder zu vergeben, die noch keine Olympischen Spiele ausrichten können. Mit Dakar findet erstmalig ein olympisches Format in Afrika statt. Von einem Land wie Deutschland erwartet man, dass es die Olympischen und nicht die Jugendspiele anstrebt.

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