07. Dezember 2018 / 08:02 Uhr

Sportpsychologe Matthias Herzog über Hannover 96: "Solche Brandherde sind ganz übel"

Sportpsychologe Matthias Herzog über Hannover 96: "Solche Brandherde sind ganz übel"

Jonas Szemkus
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Sportspychologe Matthias Herzog ist sich sicher, dass André Breitenreiter den Aufschwung mit 96 schafft.
Sportspychologe Matthias Herzog ist sich sicher, dass André Breitenreiter den Aufschwung mit 96 schafft. © imago/Team 2
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Sportpsychologe Herzog, der schon 2011 mit André Breitenreiter beim TSV Havelse zusammenarbeite, hat Krisentipps für Hannover 96. Er kennt den Trainer bestens und erklärt: „Ich traue Breitenreiter den Aufschwung zu.“ Laut Herzog könnte der Kabinen-Streit nach dem Hertha-Spiel bei den Roten Wunder wirken.

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André Breitenreiter übt sich dieser Tage bei 96 nicht nur als Trainer, sondern auch als Psychologe. Sein Chef, Präsident Martin Kind, urteilte zuletzt: „Die Mannschaft hat mehr Potenzial, als sie zuletzt gezeigt hat.” Sehr wahrscheinlich, dass der Leistungsdruck das Team (zusätzlich) belastet.

Einer, der sich mit dem Thema und den Protagonisten gut auskennt, ist Sportpsychologe Matthias Herzog. Der Mentaltrainer aus Garbsen unterstützte Breitenreiter zu dessen Zeit bei Regionalligist Havelse. Für uns analysiert Herzog die Lage bei Hannovers Profis.

Die Krisen-Teams der Bundesliga im großen Vergleich

<b>VfB Stuttgart:</b> Nach der erfolgreichen Rückrunde in der vergangenen Saison waren die Erwartungen beim VfB Stuttgart hoch. Haarscharf verpasste der VfB die Qualifikation für die Europa League - dass es ein halbes Jahr später so schlecht um den Verein stehen würde, hat niemand erwartet. Nach dreizehn Spieltagen stecken die Stuttgarter im Abstiegskampf fest - immerhin gab es zuletzt zwei Siege aus den vergangenen drei Spielen. Zur Galerie
VfB Stuttgart: Nach der erfolgreichen Rückrunde in der vergangenen Saison waren die Erwartungen beim VfB Stuttgart hoch. Haarscharf verpasste der VfB die Qualifikation für die Europa League - dass es ein halbes Jahr später so schlecht um den Verein stehen würde, hat niemand erwartet. Nach dreizehn Spieltagen stecken die Stuttgarter im Abstiegskampf fest - immerhin gab es zuletzt zwei Siege aus den vergangenen drei Spielen. ©
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Co-Trainer Bulut ist "mehr der Kumpeltyp"

Im Jahr 2011 rief Breitenreiter Herzog zur Hilfe. Nach sieben Spielen stand der TSV Havelse mit nur fünf Punkten auf dem Konto da – und wurde am Ende noch Fünfter. Bestsellerautor Herzog kennt 96-Coach Breitenreiter. Er glaubt, dass er die Wende schaffen kann. „Er kann mit Rückschlägen und mit Druck gut umgehen. Das hat er in Paderborn und bei Schalke gezeigt”, sagt Herzog, „ich traue ihm 96 weiter zu, den Aufschwung auch.”

Breitenreiter müsse in der aktuellen Krisenlage vermehrt auf der zwischenmenschlichen Ebene mit den Spielern reden. Gerade, wenn der Kopf die Beine schwer macht, helfe eine persönlichere An­sprache. Dabei helfe und vermittele besonders Co-Trainer Volkan Bulut. „Der ist für die Spieler mehr der Kumpeltyp, das ist eine gute Kombination”, sagt Herzog. Bulut begleitete Breitenreiter auf all seinen Trainerstationen, er war auch 2011 in Havelse schon dabei.

André Breitenreiter: Seine Karriere in Bildern

Andre Breitenreiter begann seine fußballerische Laufbahn in Hannover. Für 96 absolvierte der Angreifer 79 Spiele und schoss zwölf Tore. Zur Galerie
Andre Breitenreiter begann seine fußballerische Laufbahn in Hannover. Für 96 absolvierte der Angreifer 79 Spiele und schoss zwölf Tore. ©

Für den Klassenerhalt an die Leistungsgrenze

Der klare Auftrag für das 96-Trainerteam: „Da muss die Angst vor Fehlern aus den Köpfen raus. Der Fokus muss weg von dem Thema, auch vom Vermeiden. Dann denkst du sonst trotzdem über deine Fehler nach.” Denn: „Du kannst die Leistungsgrenze nur erreichen, wenn du von dir selbst überzeugt bist.” Das sei unverzichtbar für ein Team, das „an die Leistungsgrenze gehen muss für den Klassenerhalt. Da sind solche Brandherde ganz übel.”

Stattdessen müssten Lockerheit und Spaß vermittelt werden. Genau das versucht Breitenreiter dieser Tage durch seine Trainingsgestaltung. Mit kleinen, spaßigen Wettkämpfen befeuerte der Coach am Mittwoch ei­nerseits gute Laune und Lockerheit und weckte andererseits den Ehrgeiz der Spieler.

"Es hapert im Kopf"

„Zu schlecht können sie nicht sein”, findet Herzog, „die Qualität des Kaders ist im Großen und Ganzen ähnlich der im Vorjahr. Vielleicht sogar ein bisschen besser. Und Niclas Füllkrug ist auch noch da.” Nur schießt der aktuell keine Tore. Und seine Kollegen bringen nicht genug Leistung, wie beim schlappen 0:2 gegen Hertha BSC: „Da hapert es halt im Kopf.”

Das 96-Training vom 5.Dezember:

Hand in Hand: Die 96-Mannschaft lässt den Ball laufen. Zur Galerie
Hand in Hand: Die 96-Mannschaft lässt den Ball laufen. ©

Kabinen-Krach: Lösungsorientierter Streit hat positiven Effekt

Bei einer Aussprache am Tag nach der Hertha-Pleite hatten sich die 96-Profis lautstark die Meinung gesagt. Das kann Wunder wirken, sagt Herzog: „Normalerweise hat das einen positiven Effekt. Wenn die Spieler lösungsorientiert streiten, sich nicht nur gegenseitig Vorwürfe machen.” Gut sei der Ansatz „Was ist gut gelaufen? Was machen wir zukünftig besser?”.

Schlecht: „Das machst du falsch” und Pro­blemzuweisungen. Unter dem Strich sei aber eines noch bedeutsamer: „Das größte Problem ist, wenn die Beteiligten nicht mehr miteinander reden – in jeder Sportmannschaft, in jeder Beziehung.”

Eine Lösung, die das Team be­schloss: keine Interviews in der Woche vorm Mainz-Spiel. Um den Fokus bei der wichtigen Partie zu behalten. „Ich finde das gut. Da kann keiner etwas vermeintlich Falsches sagen, das intern komisch ankommt und neue Brandherde erzeugt”, sagt Herzog, „alle Ablenkungen müssen weg, gerade wenn es brodelt.” Und Erfolgserlebnisse endlich her.

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