06. Dezember 2018 / 13:17 Uhr

Handball-Legende Stefan Kretzschmar: "Es gab keinen größeren Schreihals als mich"

Handball-Legende Stefan Kretzschmar: "Es gab keinen größeren Schreihals als mich"

Redaktion Sportbuzzer
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Stefan Kretzschmar gewährt in seinem Buch Hölleluja tiefe Einblicke in sein Leben - beruflich wie auch privat.
Stefan Kretzschmar gewährt in seinem Buch "Hölleluja" tiefe Einblicke in sein Leben - beruflich wie auch privat. © imago/Future Image
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Stefan Kretzschmar hat in seinem Leben viel erlebt - und deshalb viel zu erzählen. In seinem neuen Buch „Hölleluja“ erinnert die Handball-Legende unter anderem an die Zeiten, als er noch als einer der "größten Schreihälse und Phrasendrescher im Handball" galt.

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Vom ausgeflippten Handball-Punk zum stolzen Vater, vom Lautsprecher der Szene zum seriösen TV-Experten: Stefan Kretzschmar hat seine Rolle im Leben gefunden. „Wenn ich zurückblicke, ist mir natürlich wahnsinnig vieles peinlich und unangenehm, weil es im Handball keinen größeren Schreihals und keinen größeren Phrasendrescher als mich gab“, sagt der 45-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur über seine wilden Jahre auf und abseits des Parketts. „Aber das hat mir andererseits eine Entwicklung ermöglicht und mich auch zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Und dort, wo ich jetzt bin, geht es mir sehr, sehr gut.“

In seinem am Donnerstag erschienen Buch Hölleluja gibt Kretzschmar tiefe Einblicke in die Sportart, die sein Leben von Geburt an geprägt hat, aber auch in seine Seele. Der einstige Weltklasse-Linksaußen eiert nicht herum, sondern lässt den Leser dank seiner schonungslosen Offenheit hinter die Fassade schauen - sowohl bei sportlichen wie privaten Themen. Herausgekommen ist ein unterhaltsamer Mix aus fachlichen Expertisen, Anekdoten aus seiner Karriere und einer äußerst kritischen Selbstbetrachtung.

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Kretzschmar gesteht private Versäumnisse ein

So räumt Kretzschmar ein, im Privatleben einiges verbockt zu haben. „Ich habe meine Tochter zweimal verlassen, war nicht der perfekte Papa, wie man ihn sich im heutigen Gesellschaftssystem vorstellt. Dieser Aufgabe bin ich in diesem Rahmen nicht gerecht geworden“, sagt der Ex-Star. Auch wenn er versuche, dies jetzt zu korrigieren und „der beste Papa der Welt“ zu sein, könne und wolle er die Versäumnisse der Vergangenheit nicht leugnen. „Das gibt man nicht gerne zu, weil es schmerzhaft ist. Aber es ist nun mal die Wahrheit“, sagt Kretzschmar. „Ich bin nicht unbedingt stolz darauf, wie ich 15 Jahre lang durchs Leben gegangen bin.“

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Das alles hat er hinter sich gelassen, ist tiefgründiger und ernsthafter geworden. Dabei geholfen hat dem 218-maligen Nationalspieler, der mit der DHB-Auswahl bei der EM 2002, WM 2003 und Olympia 2004 jeweils Silber gewann, seine Lebensgefährtin Doreen. Sie brachte ihn auch dazu, sich gerade noch rechtzeitig mit seiner im Januar im Alter von 70 Jahren verstorbenen Mutter Waltraut - mit der Kretzschmar in seiner 2008 erschienenen Biografie hart ins Gericht gegangen war - auszusöhnen. „Ich bin froh und erleichtert, dass ich noch die Gelegenheit hatte, mit Mama Frieden zu machen und uns beide zu befreien“, schreibt Kretzschmar.

Mit dem Tod seiner Eltern hatte der Ex-Handballer lange zu kämpfen

Mit dem Tod seiner Mutter, die in den 1970er Jahren zu den weltbesten Handballerinnen zählte und mit der DDR zweimal Weltmeister wurde, hatte Kretzschmar lange zu kämpfen. „Es war ein Schock für mich“, schreibt er in einem sehr persönlichen Kapitel. Darin thematisiert er auch die schwere Depression der Mutter und den Tod von Vater Peter, einst Auswahltrainer der DDR-Frauen, nur sieben Monate später. „Er war mir immer mein wichtigster Ratgeber, meine Bezugsperson und der Mensch, der mich am meisten geprägt hat. Er war mein großer Held.“

Und natürlich geht es auch ganz viel um Handball. Denn Kretzschmar ist als TV-Experte und Aufsichtsratsmitglied beim Bundesligisten SC DHfK Leipzig immer noch ganz nah dran am Geschehen. Der Heim-WM im Januar fiebert er daher schon mächtig entgegen. „Ich glaube, es wird ein riesiges Spektakel, bei dem unsere Jungs hoffentlich super performen“, sagt Kretzschmar und fügt hinzu: „Ich hoffe, dass wir ins Halbfinale kommen. Das wäre großartig!“

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