06. März 2018 / 11:36 Uhr

Ex-Union-Kicker Steven Jahn hakt den Profitraum ab

Ex-Union-Kicker Steven Jahn hakt den Profitraum ab

Ronny Müller und Mirko Jablonowski
Ex-Unioner Steven Jahn macht jetzt Mode
Ex-Unioner Steven Jahn macht jetzt Mode © André Bauer
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Der frühere Fußballprofi vom 1. FC Union Berlin macht nun Mode.

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Die Szene erinnerte an die Rocky-Filme, in denen sich Sylvester Stallone für seinen Traum vom Box-Champion quälte. Vor zwei Jahren trainierte Steven Jahn im Bellevue-Park Berlin-Köpenick für den  Traum Profifußballer. Sein Kumpel Oliver Richter, Trainer bei TuS Sachsenhausen und früherer Bundeswehr-Offizier, triezte Jahn morgens ab 7 Uhr. „Liegestütze, Sprints, alles mögliche. Ich bin den Hügel hoch und runter gerannt. Der  Berg war mein Feind“, sagt der 28-Jährige.

30 Kilogramm zu viel auf den Rippen

Heute kann er mit einem Lächeln darüber erzählen. „Das sieht bestimmt komisch aus, wenn ein Typ einen kleinen dicken Jungen quält und anschreit.“ Jahn hatte damals knapp 30 Kilogramm zu viel auf den Rippen. Er war vom Profifußball so weit weg wie der Hamburger SV von der Champions League.

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Dabei hatte er schon einmal auf dem Sprungbrett gestanden. Der gebürtige Luckenwalder wechselte mit zwölf Jahren zu Union Berlin. Sechs Drittligaspiele absolvierte der Angreifer für die Köpenicker. Nach dem Aufstieg stand er noch ein halbes Jahr im Kader, blieb aber ohne Zweitliga-Einsatz. Jahn spielte anschließend für die TSG Neustrelitz und den Brandenburger SC Süd. Bis ihm das Schicksal 2012 ein Stoppschild in den Weg stellte. „Ich hatte überall Schmerzen, war ständig beim Arzt. Aber keiner wusste, was ich hatte. Am Ende habe ich mich selbst ins Krankenhaus eingeliefert.“ Zunächst bestand Verdacht auf HIV oder Leukämie. Eine furchtbare Zeit. Voller Angst. Die Diagnose Pfeiffersches Drüsenfieber war nach eineinhalb Wochen im Krankenhaus wie eine Erlösung. „Ich habe geheult vor Freude, ich wusste, dass ich wieder gesund werde.“

Steven Jahn: "Es war völlig verrückt, es noch einmal schaffen zu wollen"

Es dauerte allerdings eineinhalb Jahre. „Ich war anfangs kraftlos, konnte kaum Treppensteigen.“ Er arbeitete für den Berliner Kurier und schrieb über Union Berlin. So war er zumindest nahe dran an der Glitzerwelt. Dann, 2016, trennte sich seine langjährige Freundin von ihm. In der Zeit des großen Schmerzes erinnerte er sich an seinen Traum, im Ausland als Profi zu kicken. Es war wie ein Rettungsring. „Ich wollte sehen, was noch geht und habe trainiert wie ein Bekloppter. Es war völlig verrückt, es noch einmal schaffen zu wollen.“

"Abpfiff" mit Ex-Union-Profi Steven Jahn

Jahn wurde fitter und fitter, absolvierte ein paar Spiele für den Brandenburgligisten TuS Sachsenhausen. Vielmehr: Er genoss sie. „Ich weiß gar nicht, wie ich viereinhalb Jahre ohne Fußball leben konnte.“ Parallel schrieb er Bewerbungen. Rund 140 waren es weltweit. Eine Antwort kam vom nordirischen Traditionsclub Linfield FC. „Ich hatte Gänsehaut.“ Jahn flog im Januar 2017 zum Probetraining. Ab Sommer sollte er einen Vertrag bekommen. Er schloss sich zunächst seinem Heimatverein an, dem Regionalligisten FSV Luckenwalde. „Es war wie nach Hause kommen.“

Traum geplatzt

Ein mehrfacher Bänderriss bremste ihn jedoch erneut aus. Der Traum von Linfield war geplatzt. Und damit der Traum vom großen Comeback. „Ich habe es noch einmal versucht. Ich weiß jetzt, dass es nichts mehr wird und habe damit abgeschlossen.“ Jahn wirkt sehr aufgeräumt, wenn er darüber spricht. Ab Sommer will er unterklassig kicken. „Nur zum Spaß.“

Außerdem hat Jahn, der als PR-Manager für einen Berliner Finanzdienstleister arbeitet, nun andere Pläne. Kürzlich hat er sich mit einem Partner selbstständig gemacht und kreiert Mode. „Zoccer“ heißt die Marke. „Wir verkaufen T-Shirts, Kapuzenpullover, Taschen und so weiter.“ Alles mit Fußballmotiven. Ganz ohne geht es eben doch nicht.

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