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Störche-Joker lassen Holstein Kiel strahlen

Redaktion Sportbuzzer
Vier Trumpf-Asse unter sich: Aaron Seydel (vorne) lässt sich von seinen Mit-Jokern Benjamin Girth und Steven Lewerenz (re.) feiern, verfolgt vom starken David Kinsombi (hinten, li.). © Sonja Paar

2. Bundesliga: KSV besteht beim 2:1 gegen Magdeburg den nächsten Charaktertest – und kann sich auf seine Bank verlassen

Ein Jubel wie ein Donnerschlag in einer lauen Septembernacht. Es ist 22.12 Uhr, als das gesamte Holstein-Stadion bebt. Aaron Seydel schraubt sich in die Luft und köpft einen gechippten Ball von Kingsley Schindler nach Hacken-Ablage von David Kinsombi in die Maschen. Der Siegtreffer zum 2:1 gegen den 1. FC Magdeburg. Ekstase in Blau-Weiß-Rot. „Ich habe zum Teil Gänsehaut bekommen“, sagt Innenverteidiger Hauke Wahl später in den Katakomben zur sensationellen Stimmung auf den Rängen während des ersten KSV-Flutlichtspiels der Saison.Zur Stimmung trug das Spiel indes nicht in jeder Phase bei. „Wir wussten, dass es eine harte Nuss wird“, sagte Kinsombi.

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Die Wende brachten diesmal die Einwechslungen. Benjamin Girth etwa, der mit tiefen Läufen Lücken in die bis dahin sattelfeste FCM-Abwehr riss. Steven Lewerenz, der seine Stärken im Dribbling ausspielte. Oder eben Seydel, der sich in der anbrechenden Montagnacht zum Matchwinner köpfte. „Aaron kam mit mehr Mut“, analysierte Trainer Tim Walter nach dem Spiel. Mut, den Mathias Honsak zuvor hatte vermissen lassen. Wohl dem, der von der Bank so reagieren kann.„Wir sind froh, dass wir nachlegen können. Das wünscht sich jeder Trainer“, sagte Walter, der kurz nach der Hereinnahme von Debütant Girth zunächst den Schock des Gegentreffers durch Philip Türpitz verdauen musste. Das 0:1 (65.) fiel in einer Phase, in der es Holstein an den Mitteln fehlte gegen gut organisierte Magdeburger. „Wir hatten viele technische Fehler drin“, sagte Alexander Mühling. Jener Mühling, der das Comeback einleitete.

 Seydel traf zuvor per Kopf zum späten Sieg. ©Sonja Paar

Mit einem Standard-Tor der seltenen Art.Mühling zog einen Freistoß von links halbhoch auf den langen Pfosten, der Ball setzte zweimal auf – und landete unberührt im Netz (75.). „Ich habe den nicht optimal getroffen“, gab der „Freistoßkünstler“ nachher zu. „Aber dann hat man mal das Glück, dass einer durchrutscht.“ Ein vorgezogenes Geschenk zu seinem heutigen 26. Geburtstag.Der Mittelfeldmotor agierte diesmal auf der Zehn und machte auf der defensiveren Position Platz für David Kinsombi. Eine Rolle, die dem Kapitän deutlich besser zu Gesicht steht als die des Spielmachers. „Da kann ich meine Schnelligkeit aus der Tiefe ausspielen“, sagte Kinsombi, der mit großem Aktionsradius glänzte. Und toller Technik wie vorm späten Siegtreffer. Dem war eine große Leistungssteigerung vorausgegangen.

Nach dem Ausgleich spielte die KSV wie berauscht vom Gedanken ans dritte Comeback der noch jungen Saison nach Rückständen gegen Heidenheim und im Pokal in München. „Wir haben in der Schlussphase so sehr Druck gemacht, dass Magdeburg dem nicht mehr standhalten konnte“, sagte Wahl. In der 87. Minute brachen dann alle Dämme. Kollektive Glücksgefühle. Der Spirit der Mannschaft, er stimmt. Kenneth Kronholm: „Man hat in den letzten 20 Minuten gesehen, dass wir eine geile Truppe sind.“Eine Truppe, für die es jetzt in die Länderspielpause geht. Zur Unzeit? Keineswegs.

Die Ergebnisse passen. Holstein ist in fünf Pflichtspielen noch ungeschlagen, schob sich mit nun acht Punkten vor auf Platz drei der Zweitliga-Tabelle. Aber, das haben weite Teile des Spiels eben auch gezeigt: Es stimmt spielerisch noch nicht alles. „Wir wollen wenig Fehler machen, aber es braucht seine Zeit“, sagte Walter. Die Zeit hat er nun mit dem Gros der Mannschaft. „Wir werden auf einige Spieler verzichten müssen, bleiben aber im Rhythmus.“Jae-Sung Lee weilt in Südkorea, Aaron Seydel, Janni Serra (beide DFB) und Mathias Honsak (Österreich) reisen zu ihren U21-Nationalmannschaften. Der Rest arbeitet bis zum Spiel bei der SpVgg Greuther Fürth am Sonnabend nächster Woche in Kiel, testet diesen Freitag gegen den VfL Osnabrück. „Ich will die Jungs besser machen“, sagte Walter. Zehn Tage hat er Zeit fürs nächste Level.

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