13. Juli 2018 / 20:41 Uhr

Stress pur: So funktioniert das Fotofinish bei der Tour de France

Stress pur: So funktioniert das Fotofinish bei der Tour de France

Stefan Döring
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Dylan Groenewegen hat die siebte Etappe der Tour de France 2018 gewonnen. Ein Zielfoto war während der Frankreich-Rundfahrt im Gegensatz zum letzten Jahr (kleines Foto, oben) bisher noch nicht nötig. Die Veranstalter sind allerdings vorbereitet.
Dylan Groenewegen hat die siebte Etappe der Tour de France 2018 gewonnen. Ein Zielfoto war während der Frankreich-Rundfahrt im Gegensatz zum letzten Jahr (kleines Foto, oben) bisher noch nicht nötig. Die Veranstalter sind allerdings vorbereitet. © imago/Panoramic International/Tissot
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Nicht nur für die Radsportler bedeutet die Tour de France maximalen Stress – auch für die Zeitnehmer. Bei der siebten Etappe, die Dylan Groenewegen gewann, kam das Zielfoto nicht zum Einsatz. Die Veranstalter bereiten sich allerdings akribisch vor.

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Drei deutsche Sprinter unter den ersten Elf, aber wieder kein Sieg: Der Niederländer Dylan Groenewegen hat sich am Freitag im vierten Massensprint der 105. Tour de France seinen ersten Etappenerfolg gesichert und konnte mit deutlichem Vorsprung schon vor der Ziellinie jubeln. Ein Fotoentscheid war nicht notwendig. Für die Fans schade, denn ein knappes Sprintfinale mit einem Zielfotoentscheid ist das Spannendste, was der Radsport zu bieten hat.

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Zumindest die Männer um Pascal Rossier, Head of Sports Operations & Services bei Tissot, sind froh über jede Zielankunft, die klar genug zu erkennen ist. Sie arbeiten für den offiziellen Zeitnehmer der Tour de France und müssen den Verantwortlichen schon zehn Sekunden nach Zieldurchfahrt die ersten drei der jeweiligen Etappe zweifelsfrei benennen, nur 20 Sekunden nach Zieldurchfahrt muss das Gesamtergebnis der ersten 20 Fahrer bereitgestellt werden. Stress pur – gerade bei Massenankünften. „Normal gibt es bei uns nicht“, sagt Rossier.

Nervenzerreißende Wartezeit für Radprofis

Für die Sportler selbst ist die Wartezeit nervenzerreißend. „Es ist Anspannung pur, und es ist nach der Anstrengung sehr schlimm, wenn ich dasitze und nicht weiß, wie es wirklich ausgegangen ist“, sagte Marcel Kittel. Der glücklose Sprintstar hatte im Schatten der weltberühmten Kathedrale von Chartres bei dieser Etappe nichts zu melden. Er trudelte als 118. ins Ziel. „2016 und 2017 habe ich Etappen gewonnen – und ich hatte keine Ahnung, ob ich wirklich vorn lag. Ich weiß bei engen Sprints immer erst, ob ich gewonnen habe, wenn mein Name ausgerufen wird“, sagte Kittel.

Immerhin: Die Zeitnehmer haben mit einer Zeit- und einer optischen Linie im Zielbereich die modernsten Hilfsmittel zur Verfügung. Kameras, die direkt auf die Ziellinie gerichtet sind und mit Präzision in jedem Etappenort auf- und wieder abgebaut werden müssen, schießen 10 .000 Fotos in der Sekunde. Sieben Mitarbeiter bauen jeden Morgen im Zielort die Technik für das Zielfoto auf. Bis zu zwei Stunden dauert es, bis alles an genau den richtigen Stellen sitzt und kalibriert ist. 2,184 Tonnen wiegt die Spezialausrüstung. Die Mitarbeiter legen während einer Tour de France rund 5000 Kilometer zurück.

Die Lichtschranke für die Zieldurchfahrt muss genau kalibriert sein.
Die Lichtschranke für die Zieldurchfahrt muss genau kalibriert sein. © Tissot
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Greg Van Avermaet verteidigt Gelbes Trikot

Das Zielfoto ermöglicht den Zeitnehmern, bis auf einen Millimeter genau zu bestimmen, welcher Fahrer als erster die Ziellinie überquert hat. Fehlentscheidungen sind nahezu ausgeschlossen – zumal neben den Zeitnehmern auch ein Kampfrichter sitzt.

Dieser kam am Freitag nicht zum Einsatz. Das Gelbe Trikot verteidigte Olympiasieger Greg Van Avermaet mühelos. Der Belgier kommt nun seinem Wunsch immer näher, am Sonntag im „Maillot Jaune“ Richtung Roubaix aufzubrechen. Davor bietet sich den Sprintern am Sonnabend in Amiens eine weitere Möglichkeit. Eventuell mit Zielfotoentscheid.

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