Gregor Reiter ist Geschäftsführer der Deutschen Fußballspieler-Vermittler-Vereinigung (DFVV). Gregor Reiter ist Geschäftsführer der Deutschen Fußballspieler-Vermittler-Vereinigung (DFVV). © DFVV
Gregor Reiter ist Geschäftsführer der Deutschen Fußballspieler-Vermittler-Vereinigung (DFVV).

"Sündenbock" Spielervermittler? Vereinigungsboss Gregor Reiter im Exklusiv-Interview

Vereinigungsboss Gregor Reiter reagiert im exklusiven SPORTBUZZER-Interview auf die Kritik des Branchen-"Aussteigers" Steffen Schneekloth und zügelt die Berater-Legende Mino Raiola.

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Steffen Schneekloth hört auf. Der Spielerberater (zu seinen Klienten zählen Bremens Fin Bartels und Philipp Tschauner von Hannover 96) begründet seinen Schritt so: „Der Fußball hat sich dahingehend entwickelt, dass es nur noch um höher, schneller, weiter in möglichst kurzer Zeit geht.“ Und er erhob heftige Vorwürfe gegen die Beraterbranche. Im Interview reagiert Gregor Reiter, Geschäftsführer der Deutschen Fußballspieler-Vermittler-Vereinigung (DFVV).

Herr Reiter, erster Vorwurf: Der Fußball ist den Vermittlern egal!

Nein, Sie können im Fußball nicht ohne Enthusiasmus erfolgreich sein. Allerdings sollte man eine professionelle Distanz bewahren. Zu viel emotionale Nähe tut nicht gut. Fans sollten Fans bleiben – und nicht Spielervermittler werden!

Vorwurf zwei: Der Berater verdient vor allem am Vereinswechsel seiner Klienten.

Eine Mär. Der Berater hat nichts mit der Transfersumme zu tun. Als Berater ist es mir egal, ob der Spieler 100 000 Euro im Jahr bei dem einen oder bei einem anderen Verein verdient, denn in beiden Fällen bemisst sich die Vergütung des Beraters am Grundgehalt. In der Regel liegt sie bei 10 Prozent vom Jahresbruttogrundgehalt.

Warum hat die Branche dann so einen schlechten Ruf?

Zunächst war es ein Fehler, dass sich die Branche lange nicht um ihren eigenen Ruf gekümmert hat. So war es leicht, die Spielervermittler für alles Falsche im Fußball als Sündenbock heranzuziehen. Die Vereinsvertreter konnten mit dem Satz „Schuld sind die Berater, ohne Berater würde es uns allen viel besser gehen.“ von eigenem Fehlverhalten ablenken.

Uli Hoeneß hat sinngemäß gesagt, dass er Spielern, die ohne Berater bei ihm erscheinen, mehr Geld anbietet.

Das glaube ich nicht. Die Vereine grinsen sich doch ins Hemd, wenn der Spieler ohne Berater auftritt, oder jemanden ohne Marktübersicht wie den eigenen Vater, Bruder oder Onkel mitbringt. Sicherlich gibt es einige wenige erfahrene Spieler, die einem Uli Hoeneß Paroli bieten könnten. Aber Anfang Zwanzigjährige? Wenn ein junger Spieler vor einem Hoeneß, Michael Zorc oder Heribert Bruchhagen sitzt, dann ist er diesem an Erfahrung doch allein aufgrund des Altersunterschiedes unterlegen.

Warum werden bereits 14-Jährige von Beratern angesprochen?

Auch hier herrscht keine Waffengleichheit. Vereine versuchen, jugendliche Spieler lange an sich zu binden, und halten dabei nicht immer die geltenden Regeln ein. Es werden Verträge angeboten, die nicht den Laufzeitvorgaben des DFB entsprechen. Es wird versucht, gerichtliche Entscheidungen zu Verlängerungsoptionen durch kreative Vertragsgestaltung zu umgehen. Wie sollen 15-, 16-Jährige das erkennen?

Wie groß ist die Chance für die schwarzen Schafe des Geschäfts, diese Schwächen auszunutzen?

Das Problem war, dass die Fifa ihr Reglement nicht durchgesetzt hat. Es gab zwischen 1995 und 2015 nicht einen Ermittlungsfall der Fifa auf Grundlage des alten Reglements. Ich könnte Ihnen mehrere Beispiele von Verstößen gegen das alte Reglement nennen. Und wir haben auch einige intern angezeigt. In der Korrespondenz der DFVV mit dem DFB wurde uns aber immer wieder gesagt: „Wir können den Verstoß nicht beweisen!“ Ein Blick in die Bilanzen und die Konten der Vereine, die als Kapitalgesellschaft organisiert sind, hätte jedoch genügt und man hätte Zahlungen der Vereine an nicht lizenzierte Spielervermittler ohne weiteres erkennen können.

Sie finden also, dass Ihr Berufsstand gerne als Schwarzer Peter herangezogen wird, wenn anderswo Dinge versäumt wurden?

Unter anderem, ja. Allerdings gibt es auch in der Branche der Spielerberater, wie in jeder Branche auch, Gute und Schlechte, vielleicht gibt es bei den Spielervermittlern aufgrund des Glamours und des vermeintlich großen Geldes statistisch gesehen ein paar mehr Schlechte als in anderen Berufsständen.

Welchen Einfluss haben Persönlichkeiten wie Mino Raiola, der auch die Wechsel von Zlatan Ibrahimovic eingefädelt hat, auf den Ruf der Branche?

Es ist für die Branche schon schwierig, wenn eine so schillernde Gestalt wie Mino Raiola von sich selbst derart begeistert scheint, dass man den Eindruck hat, er denke, der Fußballsport komme nicht ohne ihn aus. Wenn man dann Äußerungen hört wie gegenüber Jürgen Klopp (Raiola sagte 2016, der deutsche Trainer sei im Umgang mit seinem Klienten Mario Balotelli „ein Stück Scheiße gewesen“, d. Red.), dann schädigt dies den gesamten Berufsstand. Auch im Sinne seiner Kollegen soll er sich doch bitte benehmen!

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