06. Dezember 2018 / 10:38 Uhr

Superclasico zwischen River Plate und Boca Juniors: Madrid in Angst

Superclasico zwischen River Plate und Boca Juniors: Madrid in Angst

Florian Haupt und Heiko Ostendorp
Wird es auch in Madrid schwere Ausschreitungen der Fans wie in Buenos Aires (links) geben?
Wird es auch in Madrid schwere Ausschreitungen der Fans wie in Buenos Aires (links) geben? © dpa
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Der Superclasico zwischen River Plate und den Boca Juniors wird zum riskantesten Spiel in der Geschichte Madrids. Nach heftigen Krawallen der Fans war das Final-Rückspiel der Copa Libertadores von Argentinien in die spanische Hauptstadt verlegt worden. Hier wird nun gezittert.

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Normalerweise ist die spanische Hauptstadt immer im Ausnahmezustand, wenn es zum sogenannten Clasico, dem Duell zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona, kommt. Am Sonntag (20.30 Uhr, DAZN) findet im Estadio Santiago Bernabéu, der Heimspielstätte Reals, eine Partie statt, die das Aufeinandertreffen der Erzrivalen toppt – die Steigerungsform, der Superclasico: River Plate gegen die Boca Juniors, beide aus Buenos Aires.

Bis zu 5000 Sicherheitskräfte – vor allem spanische Polizei, außerdem argentinische Kollegen und private Security – sind im Einsatz. Der Aufwand ist sogar größer als beim Clasico unmittelbar nach den Terroranschlägen von Paris 2015. Polizeikreise werden in der Presse mit der Einschätzung zitiert, es handele sich um das riskanteste Fußballspiel der Stadtgeschichte.

Rückspiel wegen heftiger Krawalle nach Madrid verlegt

Wegen heftiger Krawalle war das Rückspiel der Copa Libertadores, der südamerikanischen Champions League, das ursprünglich für den 24. November in der argentinischen Hauptstadt angesetzt war, zuerst vertagt und schließlich nach Madrid verlegt worden. Der Mannschaftsbus der Boca Juniors war mit Steinen beworfen worden, mehrere Spieler erlitten Verletzungen. Dazu wurde Fifa-Chef Gianni Infantino, der vor Ort war, bespuckt – was offenbar den endgültigen Ausschlag für die Bestrafung gegeben haben soll, die ein Armutszeugnis für den kaputten argentinischen Fußball ist.

Gustavo Alfaro, Trainer des Klubs Hurucan, sagt: „Es ist so, als dürften wir nicht mehr Tango tanzen. Wir zerstören unseren Fußball. Wir wollen weder Gewalttäter noch Komplizen unter den Funktionären. Aber River gegen Boca darf man uns nicht rauben.“

Die Pressestimmen zum Chaos beim Finale der Copa Libertadores

Die Pressestimmen zum Chaos beim Finale der Copa Libertadores. Zur Galerie
Die Pressestimmen zum Chaos beim Finale der Copa Libertadores. ©
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Hooligans haben die argentinischen Vereine fest im Griff

Genau das ist nun geschehen. Auch, weil es so viele Gewalttäter im argentinischen Fußball gibt. Und Komplizen unter den Funktionären. Allein 2018 gab es sechs Todesopfer im argentinischen Fußball, in den letzten zehn Jahren über 100. Und die Hooligans, die sogenannten Barras Bravas, haben die Vereine fest im Griff. Sie verdienen Hunderttausende mit dem Verkauf von Tickets und Devotionalien oder partizipieren sogar gleich an Spielergehältern.

Profis und Funktionäre werden dabei unter Druck gesetzt – auch deren Familien. Bei einem Capo der River-Hools fand die Polizei vor dem abgesagten Rückspiel 300 Tickets und 150 000 Euro in bar, obwohl dieser Stadionverbot hatte. Das Schlimmste daran: Diese Eintrittskarten waren keine Fälschungen – sie wurden offiziell gedruckt und sollten illegal verkauft werden. In Argentinien gibt es ein Parallelsystem der Kartenproduktion – organisiert und beherrscht von den Barras Bravas. Diese werden wohl auch in Madrid aufkreuzen. Denn die Anreise wird finanziert durch die Klubs. So war es auch 2001, als Boca-Hooligans nach Tokio zum Weltpokalfinale flogen, wo ihr Team gegen den FC Bayern München 0:1 verlor. Der damalige Boca-Boss Mauricio Macri ist heute übrigens Staatspräsident.

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Stadion in Madrid ist ausverkauft

Schon jetzt ist klar, dass das 81 000 Menschen fassende Stadion ausverkauft sein wird. Auch die Flüge in die spanische Hauptstadt sind bis zum Sonntag ausgebucht. In Madrid wird es geben, was in Argentinien seit 2013 verboten ist: Fans beider Mannschaften beim selben Spiel. Ab 9 Uhr morgens soll der Paseo de la Castellana – der lange Boulevard, an dem das Bernabéu liegt – gesperrt und in zwei Fanzonen aufgeteilt werden. River-Fans im Norden des Stadions, Boca-Fans im Süden, dazwischen eine Sicherheitszone. Idealerweise sollen die je 5000 Anhänger pro Klub aus Argentinien direkt vom Flughafen dorthin gekarrt werden. Sie haben nur den Kaufbeleg und müssen ihn an jeweils vorgeschriebenen Stellen in Tickets eintauschen. Auch dadurch will man steuern, wohin sie gehen.

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Stadiontore werden erst 90 Minuten vor Anpfiff geöffnet

Das Stadion soll erst 90 Minuten vor dem Anpfiff geöffnet werden, damit die Fans dort möglichst wenig Zeit zum Aufeinandertreffen haben. Denn niemand weiß ja, wer letztlich die 50 000 Karten hat, die über das Internet an Menschen, die nicht in Argentinien wohnhaft sind, verkauft wurden. Oder die 8000, die an Real-Mitglieder gingen, aber oft gleich auf dem Schwarzmarkt landeten.

Schon wegen der großen argentinischen Kolonie in Spanien und der im Fußball engen Verbindung beider Länder wird in den Medien massiv über das Ereignis berichtet. Die sportlichen Aspekte sind maximal ein Randaspekt. Wen es doch interessiert: Das Hinspiel endete 2:2. Durch die Verlegung nach Madrid wurde die Auswärtstorregel aufgehoben. Doch der Fußball wird vermutlich auch am Sonntag nur eine traurige Nebenrolle spielen.

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