08. September 2018 / 15:56 Uhr

SV Atlas Delmenhorst: Selbstbewusst und reflektiert

SV Atlas Delmenhorst: Selbstbewusst und reflektiert

Nico Nadig
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SVA-Angreifer Tom Schmidt (links) taucht überall auf dem Feld auf. Der 19-jährige ist bereits fester Bestandteil der Blau-Gelben- © Möllers
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Tom Schmidt spielt erst seit Kurzem für den Oberligisten, hat aber bereits eine wichtige Rolle im Team

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Einige Akteure trotten nur noch über den Platz. Schließlich ist das Fußballspiel jeden Augenblick auch vorbei und war bis dato kräftezehrend genug – zudem knallt die Sonne erbarmungslos auf den Rasen.Einer hat aber offensichtlich noch Power über: Tom Schmidt. Die Nummer acht des SV Atlas Delmenhorst ersprintet sich den Ball in der Hälfte des TuS BW Lohne, rennt dem Gegner davon und leitet damit den 3:1-Siegtreffer im Niedersachsenpokal ein. Eine Aktion, die von Fans und Verantwortlichen gleichermaßen gefeiert wurde. Atlas-Trainer Jürgen Hahn sagte scherzhaft nach einem Training sogar: „Sonst wurde Tuma (Thomas Mutlu, Anmerk. der Red.) ja als Maschine betitelt, aber mit Tom haben wir wohl eine neue.“ Zweifelsohne spult der Neuzugang der Blau-Gelben in jedem Spiel ein ungeheures Laufpensum ab. Es wäre jedoch ein Fehler, ihn nur darauf zu reduzieren. Der 19-Jährige bringt noch mehr Qualitäten mit, die dem Fußball-Oberligisten SV Atlas zugutekommen. Nicht umsonst ist er bislang in jedem Ligaspiel gestartet. „Mir ist es wichtig, zu spüren, dass ich das Vertrauen des Trainers habe. Und das zahle ich ihm jetzt einfach zurück“, sagt Schmidt.

Bereits in der Vorbereitung der Blau-Gelben hatte sich angedeutet, dass dem jüngsten Spieler im Team eine durchaus bedeutende Rolle zukommen wird. Immerhin stand er bei nahezu jedem Test auf dem Platz. Überhaupt ist es verwunderlich, wie schnell er sich beim SVA eingelebt hat. Es wirkt beinahe so, als hätte er sich schon sein ganzes Leben das Trikot der Blau-Gelben übergestreift. „Tom ist erst 19 Jahre jung, aber schon nicht mehr wegzudenken bei uns. Er bringt sich positiv ein, strahlt viel Selbstbewusstsein aus“, schwärmt Bastian Fuhrken von dem Neuzugang, der vom Liga-Konkurrenten BV Cloppenburg gekommen ist. Letztendlich ist der Sportvorstand der Blau-Gelben mehr als froh darüber, dass er Schmidt zu den Delmenhorstern locken konnte.

Tatsächlich hatte Fuhrken den 19-Jährigen schon länger auf dem Radar, jedoch „habe ich eine Verpflichtung letztes Jahr verpennt“. Warum? Fuhrken rechnete damals schlichtweg nicht damit, dass Schmidt den VfL Wildeshausen gen Cloppenburg verlassen würde. „Aber da hat sich gezeigt, dass ich mit meiner Einschätzung richtig lag. Er hat ja alle überzeugt“, sagt Fuhrken. Denn Schmidt war keineswegs nur Ergänzungsspieler beim BVC, sondern spielte gleich von Anfang an eine wichtige Rolle in den Planungen des Vereins. Die Statistik untermauert das: 29-mal streifte sich Schmidt das Trikot der Zebras über. Wohlgemerkt noch als A-Jugendlicher. „Ich habe mich da durchgesetzt. Beide A-Jugend-Jahre habe ich mehr oder weniger bei den Herren verbracht“, erzählt Schmidt.

Früh Verantwortung übernommen

Bevor er mit dem VfL Wildeshausen in der Landes- und dem BVC in der Oberliga gekickt hat, lief Schmidt in der Jugend für den JFV Nordwest auf. „Ich habe da viel gelernt und bin gut ausgebildet worden“, sagt Schmidt, der auch für die niedersächsische Auswahl spielte. Genauso wie beim JFV zählte er dort zu den Leistungsträgern – auf und neben dem Platz. Denn Schmidt ist kein Mitläufer, vielmehr möchte er vorweg gehen. Bei seinem Jugendverein trug er sogar die Kapitänsbinde für zwei Jahre. Und eine Führungsrolle strebt er beim SVA ebenfalls an. Nicht heute, nicht morgen, aber auf jeden Fall in der Zukunft. „Ich habe die Verantwortung immer angenommen. Irgendwann kann ich mal bei Atlas eine Führungsrolle übernehmen. Das Ziel ist es auch, dahin zu kommen“, betont der 19-Jährige.

Auf dem Platz redet er ohnehin schon viel. Nicht nur mit seinen Mitspielern. Schmidt provoziert auf dem Feld gerne und ist wohl die Art von Akteur, die den Gegner entnervt. „Das gehört für mich dazu. Ich bin nicht nett, wenn ich spiele. In den 90 Minuten will ich den Sieg“, betont Schmidt. Es ist dieses Selbstbewusstsein, das die Verantwortlichen des SVA so an dem Neuzugang schätzen. Denn Schmidt spuckt nicht einfach nur große Töne, sondern er unterstreicht seine Worte mit Aktionen auf dem Platz. „Er ist sehr präsent und bringt eine tolle Physis sowie viel fußballerisches Potenzial mit“, fasst Atlas-Coach Jürgen Hahn die Stärken der Nummer acht zusammen.

Dabei ist es mehr oder weniger egal, auf welcher Position er den 19-Jährigen aufstellt. Tom Schmidt überzeugt einfach mit einer couragierten Leistung und eröffnet dem Coach mit seiner Variabilität neue Optionen: Mal startete Schmidt auf der Acht, dann tauchte er auf der Außenbahn auf, gegen den TuS Bersenbrück mimte er sogar den Stürmer. Schmidt: „Ich bin vielseitig einsetzbar. Ich gebe auf der Position alles, auf der mich der Trainer eben einsetzt.“ Am wohlsten fühlt er sich nach eigenen Angaben allerdings auf der Acht. Mit seinem aggressiven Anlauf- und Zweikampfverhalten bereitet er den Gegnern dort wohl auch die meisten Probleme. „Ich muss aber noch viel dazulernen. Beim Anlaufen bin ich manchmal noch übermotiviert“, gesteht Schmidt.

Er mag zwar sehr selbstbewusst sein, das hält ihn jedoch nicht davon ab, sich auch selbst zu hinterfragen – überhaupt wirken seine Aussagen äußerst klar. „Tom ist schon sehr weit und reflektiert gut“, meint Jürgen Hahn. Der 19-Jährige hat wohl schlichtweg diesen Drang, sich zu verbessern und den nächsten Schritt zu machen. Dafür notiert er sich nach jedem Spiel sogar seine persönliche Statistik. Vor einer Begegnung probiert er, genügend Schlaf zu bekommen und sich möglichst gesund zu ernähren – alles für die bestmögliche Leistung. Bei all dem Ehrgeiz könnte man nun meinen, dass er mit Fehlern keinesfalls gut umgehen kann. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. „Ich analysiere die Fehler natürlich, aber ich hadere nicht mit mir. Es ist wichtig, Spaß dabei zu haben“, sagt Schmidt.

Große Ziele mit dem SVA

Spaß hat er beim SVA derzeit definitiv. Er gehört zur Startelf, hat sich gut eingelebt und sogar schon den ersten Treffer erzielt. Beim Heimspiel gegen den VfV Hildesheim traf er zum wichtigen 2:1. Was für ein Gefühl das war? „Ein schönes“, antwortet Schmidt, blickt aber sofort auf das Team: „Super, dass es mit dem ersten Tor zu Hause geklappt hat. Wir wollen hier ja unsere Statistik verbessern. Jeder Gegner soll wissen, dass das unser Stadion ist.“ Es war auch die Kulisse, die ihn von einem Wechsel zu den Blau-Gelben überzeugt hat. Vor so vielen Fans zu spielen, habe ihn gereizt und sei einfach überragend. Ohnehin schwärmt der 19-Jährige von seinem neuen Verein. Schmidt: „Das Projekt hat mich einfach begeistert. Als ich mit Basti (Bastian Fuhrken, Anmerk. der Red.) gesprochen habe, merkte ich auch, dass Atlas keine Eintagsfliege ist.“ Endgültig überzeugt vom SVA war er, nachdem er sich mit Jürgen Hahn und dessen Assistenten Marco Büsing über die Ausrichtung ausgetauscht hatte. Man sei von Anfang an auf einer Wellenlänge gewesen.

Nichtsdestotrotz zögerte er ein wenig mit einer endgültigen Entscheidung. Nicht etwa, weil er bessere Angebote hatte. Vielmehr machte er sich darüber Gedanken, was andere vermuten könnten nach dem dritten Vereinswechsel innerhalb von zwei Jahren. „Ich war in Cloppenburg ja auch Stammspieler. Aber letztlich ist es egal, was andere denken“, meint Schmidt. Der 19-Jährige hat nun einen Zwei-Jahres-Vertrag beim SV Atlas unterschrieben. Dass er länger das Trikot der Blau-Gelben trägt, ist allerdings nicht ausgeschlossen. „Ich würde hier nicht einfach überall hinwechseln. Ich bin bereit, Atlas’ Ziele mitzuverfolgen“, betont Schmidt, „ich habe Bock auf den Weg.“

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